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Kategorie: Formel1 16.07.2007
Interview mit Nick Heidfeld: „Das ist jetzt meine große Chance”
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Man hört allenthalben, Sie hätten sich verändert. Stimmt das?
BMW Sauber F1 Team Fahrer Nick Heidfeld: Nur wegen des Bartes?
- Nicht nur. Sie seien auch offener geworden?
Heidfeld: Ich denke, ich war immer offen. Ich bin nur weniger gefragt worden.
Außerdem macht es mehr Spaß darüber zu reden, wie man mit dem Weltmeister
gekämpft hat oder aufs Podium gefahren ist, als zu erklären, warum man wieder
17. geworden ist.
- Haben Sie vor der Saison gedacht, dass Sie 2007 bisweilen mit Fernando Alonso
auf Augenhöhe kämpfen können?
Heidfeld: Nein, wir sind besser als erwartet. Ich war schon überzeugt davon,
dass wir uns in unserer zweiten Saison steigern würden. Aber im vergangenen Jahr
waren wir noch WM-Fünfter mit 50 Punkten Rückstand auf Platz vier, da konnte man
nicht erwarten, dass wir jetzt schon dritte Kraft sind.
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Worauf führen Sie denn den Erfolg zurück?
Heidfeld: Die Leute waren schon immer gut, aber jetzt haben wir die Ressourcen
eines Top-Teams. Es wurden in Hinwil 150 neue Mitarbeiter eingestellt, der
Windkanal läuft rund um die Uhr, wir sind an der Rennstrecke besser ausgerüstet,
und auch die Fabrik in Hinwil wird ausgebaut. Da ist zwar momentan noch
Baustelle, aber das wird Ende des Jahres auch fertig.
- Was fehlt denn noch nach ganz oben?
Heidfeld: Ich hoffe, nur Zeit. Der F1.07 ist praktisch der erste echte BMW
Sauber. In das nächstjährige Auto werden noch mehr Erfahrungen und Ressourcen
einfließen. Wir sind auf einem guten Weg. Dieses Team ist jetzt meine große
Chance, auf die ich lange gewartet habe.
- Wie muss ein Rennen sein, damit Sie sich richtig darüber freuen können? Ist ein
Podiumsplatz das neue Minimum?
Heidfeld: Nein, die eigene Zufriedenheit hängt gar nicht so sehr von der
Platzierung ab, sondern vielmehr davon, ob ich gut war, also Positionen gewonnen
habe, mir keine Fehler unterlaufen sind, kurz: ob ich das Beste aus den
Möglichkeiten gemacht habe.
- Ist das Rennen auf dem Nürburgring ein besonderes Rennen für Sie?
Heidfeld: Auf jeden Fall, es ist mein Heimrennen, nirgendwo kommen so viele von
meinen Fans hin wie zum Nürburgring. Das ist eine tolle Unterstützung, außerdem
verbinde ich viele schöne Erlebnisse mit der Strecke. Der Ring liegt
Mönchengladbach am nächsten, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Am Nürburgring
habe ich als Dreijähriger Fahrrad fahren gelernt, im Winter sind wir sogar auf
der Hohen Acht Schlitten gefahren. Auf der alten Kartbahn bin ich auch zum
ersten Mal selbst mit einem Kart gefahren - mit einem Reifen und einer Decke im
Rücken, damit ich an die Pedale kam. Und ich bin auch eine Menge Rennen auf dem
Nürburgring gefahren und habe in fast allen Serien gewonnen, in der Formel Ford,
Formel 3, Formel 3000. 2005 habe ich in der Eifel mit BMW Williams meine erste
Formel-1-Poleposition geholt und bin im Rennen Zweiter geworden. Im vergangenen
Jahr hatten wir da ein Tief, und in diesem Jahr würde es mich freuen, wenn wir
auch beim Heimrennen Ferrari und McLaren ärgern könnten.
- Stört es Sie, dass Sie noch keinen Vertrag für 2008 haben?
Heidfeld: Nicht besonders, ich habe schon deutlich schlechtere Zeiten durchlebt.
Ich mache mir keine Sorgen.
- Wie kommen Sie denn mit Ihrem Teamkollegen Robert Kubica zurecht?
Heidfeld: Robert ist für mich ein sehr guter Teamkollege. Ich mag ihn, er ist
ehrlich, und er ist schnell. Es macht Spaß, wenn man Seite an Seite mit einem
fährt, der permanent schnell ist. Das ist gut für das Team und auch für die
eigene Motivation.
- Ihre Ergebnisse sind besser als seine. Trotzdem wird über ihn manchmal mehr
gejubelt und berichtet als über Sie. Woran liegt das?
Heidfeld: Im vergangenen Jahr lag das einfach daran, dass Neulinge in der Formel
1 immer erstmal hochgejubelt werden. So etwas relativiert sich aber immer. Ich
denke schon, dass ich ein gutes Standing in der Formel 1 habe.
- Aber Ihr zweiter Platz in Kanada ging ein bisschen unter…
Heidfeld: … was an Roberts Unfall lag, der die Leute natürlich bewegt hat. Genau
wie mich auch.
- Wie haben Sie das denn erlebt?
Heidfeld: Die Zeit, bis ich wusste, dass er zumindest nicht schlimm verletzt
ist, war schon quälend. Ich sah ja auch auf jeder Runde die Unfallstelle,
außerdem habe ich auf einem der großen Screens gesehen, wie unsere Ingenieure
die Hände über den Kopf warfen, und da wusste ich, das etwas Schlimmes passiert
ist. Während der Runden hinter dem Safety-Car hatte ich natürlich auch mehr Zeit
zum Nachdenken als bei Renntempo. Als das Rennen wieder freigegeben war, habe
ich mich auf meine Aufgabe konzentriert. Das darf gar nicht anders sein, sonst
passieren noch schlimmere Dinge.
- Wie kommt Ihre Freundin mit diesem Risiko klar?
Heidfeld: Patricia wäre es sicher lieber, wenn ich einen weniger gefährlichen
Beruf hätte. Aber sie weiß ganz genau, dass Rennen fahren meine Leidenschaft ist
und zu mir gehört.
- Sie werden bald zum zweiten Mal Vater. Ist das aufregend?
Heidfeld: Sehr! Kinder zu haben, ist für mich das Schönste auf der Welt. Ich
wollte schon immer welche haben, aber wie toll das wirklich ist, haben wir erst
begriffen, als Juni da war. Sie ist vor kurzem zwei Jahre alt geworden.
- Kann man als Rennfahrer mit all den Reisen und Terminen denn ein guter Vater
sein?
Heidfeld: Ich hoffe schon. Wenn ich zuhause bin, bin ich den ganzen Tag zu
hundert Prozent da. Viele Väter mit ,normalen' Berufen sehen ihre Kinder morgens
nicht, weil sie noch schlafen und abends nicht, weil sie schon wieder schlafen.
Da habe ich es viel besser.
Quelle: BMW Presse-Information vom 16.07.2007
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