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Kategorie: Formel1 01.01.1970
GP Australien 2003 - Vorschau
Formel 1 Saison startet am 7.03.04 in Melbourne
Endlich! Am Sonntag, dem 7. März, ist es soweit: Der erste von 18
Formel-1-Grands-Prix der Saison 2004 wird ein wenig Licht ins Dunkel um die
aktuellen Leistungsverhältnisse der Teams bringen. Vor dem Start zum Großen
Preis von Australien im malerischen Albert Park von Melbourne beherrschen
Spannung und Anspannung die Formel 1 und ihre Fangemeinde.
Das BMW WilliamsF1 Team hat sich in den vier Monaten seit dem Finale der
zurückliegenden Saison mit einem intensiven Testprogramm vorbereitet. Es
erstreckte sich über 33 Tage und fünf Länder. Der BMW P84 Motor wurde seit
September über 20.000 Testkilometern unterzogen. Das neue Chassis wurde in
diesem Jahr Anfang Januar und somit knapp vier Wochen früher vorgestellt als
2003. Es erfuhr seither rund 15.000 Erprobungskilometer.
Juan Pablo Montoya: Ich kann es kaum noch abwarten, wieder Rennen zu
fahren. Die Testarbeit im Winter ist anstrengend, aber nicht sehr befriedigend,
weil man nie wirklich weiß, wo man steht. Das zeigt sich erst beim
Saisonauftakt.
Ich blicke zuversichtlich in die Saison. Ich denke, dass der FW26 von Beginn
an konkurrenzfähig sein wird, anders als der FW25 im Vorjahr. Damals haben wir
eine Weile gebraucht, um uns das volle Potenzial des Autos zu erschließen.
Unsere direkte Konkurrenz wird sehr stark sein. Wir werden wieder gegen Ferrari
und McLaren kämpfen, aber es könnte auch Überraschungen durch Renault und BAR
geben.
Durch das geänderte Reglement wird das Qualifying eine ganz andere Geschichte
als im vergangenen Jahr. Trotzdem wird man nie Autos im echten
Qualifikationstrimm sehen. Im ersten Durchgang wird man zwar mit wenig
Kraftstoff fahren, aber mit der Rennabstimmung. Das heißt: Das Auto neigt zum
Untersteuern. Ohne das vollautomatische Getriebe auszukommen, ist etwas
gewöhnungsbedürftig, aber dafür braucht man nur zehn bis 15 Runden. Wegen des
Motorenreglements mache ich mir wenig Sorgen, unsere Standfestigkeit beim Testen
war gut.
Ich mag Australien und Melbourne sehr gern. Ich vergangenen Jahr und im Jahr
davor war ich jeweils Zweiter. Ich hoffe, mich steigern zu können.
Ralf Schumacher: Man wünscht sich ja eigentlich immer ein paar Tage
mehr Zeit zum Testen, weil man alles perfekt machen will, aber eigentlich bin
ich froh, dass es endlich losgeht. Ich bin fitter und motivierter denn je, und
ich denke, dass wir mit dem FW26 um einiges besser vorbereitet sind als im
vergangenen Jahr. Deshalb ist es kaum vermessen, wenn ich sage, dass wir in
Australien aus eigener Kraft um den Sieg mitfahren können.
Aber das macht ja den Reiz des Saisonauftakts in Melbourne aus: Beim Testen
kann man Tendenzen erkennen, doch endgültig weißt du erst auf der Strecke im
Albert Park, wo du mit deinem Auto im Vergleich zur Konkurrenz genau stehst.
Außerdem freue ich mich auf ein paar Tage zur Akklimatisation in Melbourne,
weil ich dieses Fleckchen Erde und seine Menschen einfach sympathisch finde.
Sam Michael (Chief Operations Engineer WilliamsF1): Als erstes Rennen
der Saison ist Melbourne für alle Teams besonders aufregend, natürlich will
jeder wissen, wo er steht. Die Strecke im Albert Park ist ein Kurs mit niedrigem
Grip-Niveau. Sie bietet sowohl langsame als auch mittelschnelle Kurven, außerdem
zwei Hochgeschwindigkeitspassagen. Diesen komplexen Anforderungen muss man bei
der Abstimmung gerecht werden.
Man benötigt auch viel aerodynamischen Abtrieb. Nachdem dieser durch
Reglementänderungen reduziert wurde, werden wir in Melbourne annähernd mit der
steilsten Heckflügeleinstellung fahren. Bei der mechanischen Fahrwerksabstimmung
ist das Ziel, gute Traktion zum Beschleunigen aus langsamen Kurven zu erreichen,
ohne die Balance am Scheitelpunkt zu beeinträchtigen. Die Fahrer müssen häufig
aus hoher Geschwindigkeit abbremsen. Der Albert Park ist zwar nicht der härteste
Kurs bezüglich des Bremsenverschleißes, aber man muss diesen Punkt im Auge
behalten.
Wir haben im Winter intensive Testarbeit mit Michelin betrieben. Die beiden
Reifensorten, die wir in Melbourne zur Auswahl haben werden, sollten uns
verschiedene Rennstrategien erlauben. Die beiden neuen Mischungen haben beim
Testen beeindruckende Ergebnisse gebracht.
Nachdem die Startautomatik nun verboten ist und wieder viel mehr in der Hand
der Fahrer liegt, haben wir in unserem Testprogramm auch ausgiebig Starts geübt.
Die Resultate sind ermutigend, aber, um sie wirklich zu bewerten, müssen wir den
Start in Melbourne abwarten.
Die neuen Regeln schreiben auch vor, dass man das gesamte Wochenende mit
einem Motor bestreiten muss. Andernfalls wird man in der Startaufstellung um
zehn Plätze zurückversetzt. BMW hat viel Zeit in Rennsimulationen und
Prüfstandsläufe investiert, um die Standfestigkeit zu gewährleisten, ohne dabei
zuviel Leistung einzubüßen.
Die Frage der Rennstrategie ist hochinteressant. Sie wird sich erneut vom
Vorjahresbild abheben - einerseits wegen des auf 100 km/h angehobenen
Tempolimits in der Boxengasse, andererseits wegen der umgebauten Boxenzufahrt.
Mit all diesen Neuerungen und mit Sicherheit vielen konkurrenzfähigen Autos am
Start wird diese Saison für die Fans garantiert sehr spannend - und für uns an
der Boxenmauer sehr anstrengend.
Mario Theissen (BMW Motorsport Direktor): Wir haben eine intensive
Saisonvorbereitung hinter uns. Seit der ersten Erprobung des BMW P84 Motors im
Fahrbetrieb, das war am 4. September 2003 in Monza, haben wir über 20.000
Testkilometer mit dem neuen Triebwerk abgespult. Dass die Basis stimmte, war
schnell klar. Dann ging es um Fitnesstraining für die gemäß dem neuen Reglement
nahezu verdoppelte Laufleistung.
Bei den Tests haben wir mehrfach komplette Rennwochenenden erfolgreich
simuliert, sind also 800 Kilometer unter realistischen Bedingungen gefahren. Der
frühe Entwicklungsbeginn hat sich ausgezahlt. Dennoch müssen wir uns auf
Überraschungen einstellen. Große Hitze etwa oder Startabbrüche lassen sich beim
Test nur unzureichend darstellen. Was die Leistung angeht, kommen wir ebenfalls
gut voran. In der Konzeptphase des Ein-Wochenend-Motors hatten wir noch mit
Einbußen von bis zu zehn Prozent gerechnet. Inzwischen kann ich mir sogar
vorstellen, dass wir im Laufe der Saison unsere Spitzenwerte von 2003 wieder
erreichen, also über 900 PS. Wir fühlen uns insgesamt gut gerüstet für den
Saisonstart.
Zahlen und Fakten - Der zentral gelegene Grand-Prix-Kurs von Melbourne führt durch den Albert
Park am gleichnamigen See entlang.
- Eine Runde misst 5,303 Kilometer. Das Rennen wird über 58 Runden (307,574
Kilometer) ausgetragen.
- Der Grand Prix wird am Sonntag, dem7. März 2004, um 14.00 Uhr Ortszeit
gestartet, das entspricht 04.00 Uhr in Deutschland.
- 2004 ist Melbourne zum neunten Mal in Folge Austragungsort des Großen Preises
von Australien. Zuvor fand der GP in Adelaide statt, wo WilliamsF1 vier Siege
erzielte. Den bisher einzigen Sieg von WilliamsF1 in Melbourne holte 1996 der
Brite Damon Hill.
- Das BMW WilliamsF1 Team hatte in den vergangenen vier Jahren seines Bestehens
wechselhaften Erfolg in Melbourne. Im Jahr 2000 belegte Ralf Schumacher beim
Debüt des Teams Rang drei. 2001 fielen beide Fahrzeuge aus. 2002 belegte Juan
Pablo Montoya Platz zwei, während Ralf Schumacher bereits in der ersten Kurve
des Rennens nach einem dramatisch aussehenden Unfall mit Rubens Barrichello
(Ferrari) ausgefallen war. 2003 verspielte Montoya bei einem Dreher in Führung
liegend zehn Runden vor dem Ziel seine Siegchancen und wurde Zweiter. Ralf
Schumacher lag an dritter Position, wurde aber durch einen klemmenden
Zentralverschluss beim Boxenstopp zurückgeworfen und kam letztlich als Achter
ins Ziel. Die Piloten des BMW WilliamsF1 Teams waren von den Startplätzen drei
(Montoya) und neun (Schumacher) ins Rennen gegangenen.
- Sieger des GP Australien 2003 wurde nach Montoyas Ausrutscher David Coulthard
(McLaren-Mercedes). Sein Teamkollege Kimi Räikkönen fuhr in 1.27,724 min die
schnellste Rennrunde und ist damit Rundenrekordhalter. Die Poleposition eroberte
2003 Ferrari-Pilot Michael Schumacher in 1.27,173 min.
- Der Zeitplan beim diesjährigen GP Australien sieht gemäß des neuen Reglements
folgendermaßen aus:
Freies Training: Freitag 11.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 15.00 Uhr sowie
Samstag 10.00 bis 10.45 und 11.15 bis 12.00 Uhr.
- Das Qualifying beginnt am Samstag um 14.00 Uhr und wird in zwei aufeinander
folgenden Einzelzeitfahren ausgetragen. Die Startreihenfolge für das erste
Einzelzeitfahren entspricht dem Zieleinlauf des Saisonfinales 2003 in Japan.
Dort wurde Ralf Schumacher Zwölfter, Montoya schied aus. Sieger Rubens
Barrichello (Ferrari) wird in Melbourne die Zeitenjagd 2004 eröffnen. Zum
zweiten Einzelzeitfahren wird in umgekehrter Reihenfolge des Ergebnisses des
ersten Durchgangs gestartet - der zuvor Langsamste geht als Erster auf die Bahn.
- Melbourne liegt an der östlichen Südküste Australiens und ist die Hauptstadt
des Staates Victoria. Melbourne ist die zweitgrößte Stadt Australiens und zählt
3,2 Millionen Einwohner. Melbourne City erstreckt sich über 36,5
Quadratkilometer, die Innenstadt ist geprägt von einem Geschäftsviertel, einem
interessanten Mix aus moderner und historischer Architektur, dem attraktiven
Southbank-Viertel und den wichtigsten Sportzentren sowie zahlreichen Parks und
Grünanlagen. Durch die Lage in der Asien-Pazifik-Region ist Melbourne die
Handelsdrehscheibe Australiens.
- Den Streckenposten in Melbourne werden einige angehende Kollegen aus Bahrain
zur Seite gestellt, die so praktische Erfahrung sammeln sollen. Beim GP in
Bahrain, dem dritten WM-Lauf, werden außerdem routinierte Posten aus Australien
vor Ort sein.
- Wie im Vorjahr profitiert das Grün im Albert Park auch 2004 von über 100.000
Litern Wasser, die Mitte Februar mit dem Ende einer Swimmingpool- und
Spa-Ausstellung im Melbourne Exhibition Centre verfügbar wurden. Nach der
extremen Dürre des vergangenen Jahres herrschen in Melbourne noch immer
Beschränkungen für den Wasserverbrauch.
- Die Zielflagge beim diesjährigen Großen Preis von Australien wird Stephanie
Sheene schwenken, die Witwe des im März 2003 im Alter von 52 Jahren verstorbenen
zweifachen Motorrad-Weltmeisters Barry Sheene.
Quelle: BMW Presse-Information vom 26.02.04
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