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Kategorie: Motorrad 27.04.2007
BMW Motorrad Motorsport: Neues Engagement im Geländesport.
Wettbewerbseinsätze der 450er BMW Sport-Enduro in2007.
Geländesport ist untrennbar mit den Motorrädern von BMW verknüpft. Die
Mehrfach-Siege von BMW-Motorrädern bei der Rallye Dakar sind noch in lebhafter
Erinnerung, doch die Tradition reicht noch viel weiter. In den letzten achtzig
Jahren haben neben den Erfolgen im Straßenrennsport auch immer wieder
Top-Resultate abseits des Asphalts für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt.
BMW
450 Sportenduro Sascha Eckert
Nach den Erfolgen der HP2 Sportboxer-Enduro in Wettbewerben wie der German
Cross Country-Serie, den Rennen am Pikes Peak oder dem Erzberg im letzten Jahr
weitet BMW nun sein Offroad-Engagement auf die sportlich attraktive und
prestigeträchtige Klasse E2 aus, in der mit 450 Kubikzentimeter Viertakt-oder
250 Kubikzentimeter-Zweitakt-Sport-Enduros gekämpft wird. In dieser Klasse
erprobt BMW das Konzept einer 450er Einzylinder-Enduro, das auf den sportlichen
Einsatz ausgerichtet ist. Dabei gibt sich die Marke nicht mit klassenüblichen
Konstruktionsmerkmalen zufrieden, sondern knüpft mit BMW typischen, völlig neuen
technischen Lösungen hinsichtlich Antrieb und Fahrwerk an die
Geländesport-Tradition des Hauses an und verleiht der Marke auch abseits der
Straße ein markantes, eigenständiges Profil.
In der Saison 2007 wird die innovative, patentierte Technik des
Einzylinder-Sport-Enduro-Konzepts im Umfeld zahlreicher Wettbewerbe auf Herz und
Nieren getestet. Dazu konnten mit Sascha Eckert, Joel Sméts und Simo Kirssi
rennerprobte Offroad-Profis gewonnen werden, die mit ihrer Erfahrung und
Kompetenz dazu beitragen, das Konzept unter härtesten Bedingungen zu erproben,
abzustimmen und weiterzuentwickeln.
Einzigartiges Technikkonzept mit idealem Package für den Geländesport.
Ideen für ein grundlegend neues Konzept.
Am Anfang des Konzepts der neuen BMW Sportenduro stand eine Idee: Ein ideales
Package darzustellen mit Massenkonzentration nahe dem Gesamtschwerpunkt und
einer Fahrwerksauslegung, die sich perfekt an die Anforderungen des
Geländesports anpasst. Die Überlegungen dazu: Wenn die Lagerachse der
Hinterradschwinge mit der Drehachse für das Antriebskettenritzel zusammenfällt,
dann entfällt nicht nur die Längenänderung der Kette beim Ein- und Ausfedern;
man kann dadurch bei gleichem Radstand auch eine längere Schwinge realisieren.
Aber erst die weiteren Ableitungen daraus machen diesen technischen Ansatz
komplett - und so richtig interessant für ein Offroad-Motorrad.

BMW 450 Sportenduro
Der Zusammenfall von Schwingenlagerung und Ritzeldrehachse schafft bei gleich
bleibendem Radstand Platz in der Länge. Als Folge lässt sich der Motor weiter
hinten positionieren, der Zylinder dadurch stärker neigen und damit Platz
schaffen für gerade, lange Ansaugwege. Eine ideale Positionierung für die
Einspritzdüse und das Doppeldrosselklappensystem wird möglich; eine der
Voraussetzungen, das Motorrad für die Anforderungen der Euro III Abgasnorm
anpassen zu können. Die Airbox liegt bei einem solchen Konzept geschützt und
zugleich strömungsgünstig oberhalb des Motors. Eine tiefe, schwerpunktgünstige
Tankposition direkt unter dem Fahrer bietet sich dann geradezu an. Setzt man nun
noch die Kupplung direkt auf die Kurbelwelle, dann ergibt sich nicht nur der
notwendige Platz im Fußbereich des Fahrers, sondern es lassen sich auch die
Rahmenrohre vollkommen gerade von der Schwingenlagerung zum Lenkkopf ziehen.
Weitere Vorteile dieser Gesamtanordnung ergeben sich für den Kühler, für den
dann genug Platz vorhanden ist, um ihn einteilig ausführen zu können. Damit wird
dieser leichter und man spart sich zusätzliche Schläuche.
In
die Praxis umgesetzt hat diese Ideen Markus Theobald, Gelände erfahrener
Entwicklungsingenieur bei BMW Motorrad und einer der Väter der erfolgreichen BMW
HP2 Enduro. Er dachte das Konzept durchgängig zu Ende und verwirklichte in einem
ersten Prototyp die Vorteile konsequent: Die Schwinge aus geschweißten
Leichtmetall-Profilen wurde bei einem Radstand auf Mitbewerber-Niveau um 30
Millimeter länger, was die Traktionseigenschaften verbessert. Die Verlagerung
der Kupplung auf die Kurbelwelle schafft hinter dem Motor konstruktiven
Freiraum, um tatsächlich eine geradlinige Rahmenführung zu ermöglichen. Der
Steuerkopf ist damit ideal gegen die Schwingenlagerung abgestützt. Diesen Teil
seiner Konzeptidee meldete Markus Theobald 2005 für BMW Motorrad zum Patent an.
Fahrversuche überzeugten auf Anhieb und belegten die Vorteile in der Praxis.
Damit fiel der Startschuss, das Konzept öffentlich Endurorennen unter den harten
Bedingungen des Wettbewerbs abzusichern und im Detail weiter zu entwickeln.
Die Technik des Rennmotorrades
Das
Rennmotorrad ist nach diesen Ideen aufgebaut. Den Rahmen bildet ein
Dreiecksverbund aus dünnwandigem, im Motorradbau bisher selten verwendetem
Präzisionsrohr aus Edelstahl. Zwei Rohrbögen führen vom Steuerkopf über den
Motor zur Schwingenlagerung. Nach schräg vorn stützt sich die Schwingenlagerung
über zwei gerade Rohre auf kürzestem Weg gegen den Steuerkopf ab. Diese
Konstruktion erfordert minimalen Materialeinsatz und ergibt deshalb ein bisher
unerreicht günstiges Verhältnis von Steifigkeit zu Gewicht. Möglich wurde dieses
Rahmenlayout neben der bereits erwähnten Kupplungspositionierung auf der
Kurbelwelle auch durch den weit nach vorn geneigten Zylinder. Den Heckrahmen
bilden leichte Vierkantrohre aus Leichtmetall, die mit dem Hauptrahmen
verschraubt sind.
Praxisgerecht zu lösen war die koaxiale Lagerung der Schwinge und des
Kettenritzels. Die im Rahmen gelagerte Schwingenachse führt in der vorliegenden
Konstruktion durch die hohl gebohrte Getriebeausgangswelle, die das
Antriebsritzel trägt. Zum Wechsel des Ritzels wird das Motorrad aufgebockt, die
Schwingenachse herausgezogen und die Schwinge mit eingebautem Rad nach hinten
geklappt. Ein geübter Mechaniker benötigt dafür ca. 15 Minuten.
Schwingenlagerung:
Schnittbild
Die weiteren Fahrwerkselemente sind konventionell und entsprechen dem hohen
Klassenstandard. Als Vorderradführung kommt eine voll einstellbare
Upside-Down-Gabel von Marzocchi mit einem Federweg von 300 mm zum Einsatz.
Federung und Dämpfung des Hinterrades übernimmt ein direkt angelenktes,
progressiv arbeitendes Öhlins-Federbein mit 320 mm Federweg. Schräg angestellt
stützt es sich direkt am steifen Hauptrahmen ab, der Heckrahmen muss daher nur
die Belastung des Fahrers aufnehmen.
Den Antrieb des Wettbewerbs-Prototypen bildet ein von BMW konstruierter, 450
Kubikzentimeter großer Hochleistungs-Einzylinder-Viertakt-Motor mit zwei oben
liegenden Nockenwellen und Trockensumpfschmierung. Eine Besonderheit und bisher
einzigartig in dieser Klasse ist die Benzineinspritzung und die Lambdaregelung.
Wie eingangs bereits erwähnt ermöglicht die weit nach vorn geneigte
Zylinderposition eine nahezu gradlinige Ansaugluftführung in die oberhalb des
Motors platzierte, großvolumige Airbox. Das bietet beste Voraussetzung für eine
optimale Motor-Leistungsabstimmung. Die Tankposition unter dem Fahrersitz, mit
all ihren Vorteilen hinsichtlich der Schwerpunktlage ist von den anderen BMW
Einzylinder-Motorrädern hinlänglich bekannt.
Ebenfalls einzigartig ist die Position der Kupplung auf dem rechten
Kurbelwellenstumpf. Sie konnte sehr kompakt dimensioniert werden, weil sie durch
die fehlende Untersetzung des Primärtriebs mit Motordrehzahl läuft und
demzufolge ein geringeres Drehmoment übertragen muss. Über eine Zwischenwelle
samt integrierter Entlüftungsfunktion erfolgt die Kraftübertragung von der
Kurbelwelle zum Getriebe. Ein Elektrostarter ist obligatorisch.
BMW
450 Sportenduro Joél Smets
Beim Kettenantrieb zum Hinterrad konnte aufgrund des kaum mehr notwendigen
Durchhangs und der Längenkonstanz der Kette auf zusätzliche Spannvorrichtungen
und Führungen verzichtet werden - auch das spart Gewicht. Der
Lastwechseleinfluss auf den Antrieb reduziert sich, die Kettenbelastung sinkt
und sogar großzügige Ketten-Kapselungen wären denkbar.
Die Leistungsdaten des Motors liegen auf Wettbewerbsniveau, detaillierte
Angaben bleiben einem späteren Zeitpunkt vorbehalten. Das gilt auch für das
Fahrzeug-Gesamtgewicht, bereits das erste Konzept-Fahrzeug erreicht Werte in der
Größenordnung der etablierten Vertreter dieser Fahrzeugklasse.
Wettbewerbseinsatz zunächst als Entwicklungstool
Während das Motorrad bei den bisherigen Testfahrten noch ganz in Schwarz
erschien, wird es bei seiner Feuertaufe in Puerto Lumbreras zum ersten Mal in
den typischen BMW Motorrad Motorsport-Farben präsentiert. Trotz des ersten
offiziellen Werkseinsatzes in Spanien beim WM-Lauf in Spanien: Das BMW Team um
Markus Theobald sieht seine Teilnahme als Teil des Erprobungsprogramms. Es geht
für BMW Motorrad in diesem Entwicklungs-Stadium nicht um Sporterfolge, sondern
um fundierte Erprobungserkenntnisse aus dem professionellen Renneinsatz, um
diese in Entwicklungsfortschritte umzusetzen.
3. Fahrerportraits.
Sascha Eckert: Sascha Eckert wurde am 30.09.1977 in Bochum geboren und
fuhr sein erstes Rennen im Alter von neun Jahren. 1997 erreichte er den achten
Platz in der deutschen Moto-Cross-Meisterschaft, 1998 den sechsten Platz in der
gleichen Rennserie.
Das Jahr 2000 brachte ihm den neunten Platz in der Enduro-Weltmeisterschaft.
2003 wurde er Deutscher Enduro-Meister und errang Platz drei in der
Europameisterschaft. 2004 wurde Sascha Eckert deutscher Meister in der Klasse E
1. Für das Team BMW Motorsport Offroad arbeitet Sascha Eckert seit einem Jahr.

Joél Smets und Sascha Eckert
Simo Kirssi: Simo Kirssi wurde am 03.10.1979 in Helsinki, Finnland
geboren und lebt heute in Weißenburg in Bayern. Sein erstes Rennen fuhr er
bereits 1984, im Jahre 2004 wurde er Europameister und deutscher Meister in der
Cross-Country-Rennserie. 2005 und 2006 siegte er beim Erzbergprolog. Simo Kirssi
fährt seit zwei Jahren für das Team BMW Motorsport Offroad.
Joél Smets: Joél Smets wurde am 06.04.1969 in Mol, Belgien geboren.
Sein erstes Rennen fuhr der Cross-Spezialist 1986. In der Folge konnte er
fünfmal Weltmeister und sechsmal belgischer Meister im Moto-Cross. Hinzu kamen
drei Titel bei „Moto-Cross of Nations“-Läufen. Joél Smets bereichert das Team
BMW Motorsport seit knapp zwei Monaten.
4. BMW Motorräder – Geländesport- Tradition seit 81 Jahren.
Das Kürzel „GS“ steht seit mehr als 25 Jahren für „Gelände und Sport“ und die
Modelle von der ersten R 80 G/S bis zur aktuellen R 1200 GS stellen eine
einzigartige Erfolgsgeschichte für das Münchner Unternehmen dar. Mit der HP 2
Enduro setzen die Bayern seit 2005 neue Maßstäbe bei den großvolumigen
Offroadern und seit Saisonbeginn 2007 ist mit der G 650 Xchallenge die erste
echte Hard Enduro auf dem Markt. Das zur Zeit in der Rennerprobung befindliche
450er Einzylinder-Wettbewerbs-Konzept geht noch konsequenter in Richtung Sport
und erreicht hinsichtlich Leistungsgewicht und einzigartiger Technik-Features
ein sehr hohes Niveau.
Doch in diesen drei Maschinen steckt nicht nur faszinierende Technik, sondern
auch die Erfahrung von über acht Jahrzehnten Geländesport bei BMW. Schließlich
kann ein Ingenieur vor genau achtzig Jahren den ersten internationalen
Offroad-Erfolg für BMW feiern. Im Wettstreit mit den besten Motorradmarken
gewinnt Rudolf Schleicher auf der von ihm konstruierten R 37 die Sechstagefahrt
in England. Die junge Motorradmarke aus München wird durch die enorme
Presseresonanz auf einen Schlag bekannt.
In den 30-er Jahren fahren BMW-Werksfahrer auf internationalen
Sechstagefahrten eindrucksvolle Erfolge ein, die Robustheit, Ausdauer und Kraft
der Maschinen aus Bayern einer breiten Öffentlichkeit ins Bewusstsein rückt.
Auch die Serienfertigung der von BMW entwickelten Telegabel wird letztlich erst
möglich durch gnadenlose Tests im harten Umfeld von
Geländesport-Veranstaltungen. Das gleiche gilt für die damals eher unübliche
Geradeweg-Hinterradfederung, die über mehrere Jahre gewissenhaft auf den großen
Geländeprüfungen erprobt wurde.
Berühmte BMW-Straßen-Rennfahrer wie Ernst Henne und Schorsch Meier starteten
ihre Karrieren als Geländefahrer auf BMW-Motorrädern. Unvergessen sind die
Erfolge in der deutschen Geländemeisterschaft von 1955 bis 1980 errungen mit
Fahrern wie Hans Meier, Sebastian Nachtmann, Herbert Scheck, Richard Schalber,
die mit Vorläufern der GS-Modelle an den Start gingen. Rolf Witthöft kann sogar
die Europameisterschaft gewinnen.
Glanzvoll gehen dann die Paris-Dakar-Siege in den Achtzigern in die
Geschichte ein, als Rallye-Legenden wie Gaston Rahier und Hubert Auriol auf
Rallye-Versionen der BMW R 100 GS Offroad-Triumphe feiern. 1999 gelingt es
Richard Sainct, den Paris-Dakar-Sieg für BMW auf einer modifizierten F
650-Einzylinder-BMW zu erringen. Doch damit nicht genug, denn im Jahr 2000 kann
BMW sogar einen Vierfach-Sieg verbuchen.
In der jüngsten Vergangenheit gelingen Simo Kirrsi eindrucksvolle Resultate
mit der HP2 Enduro auf Veranstaltungen wie der German Cross Country-Serie, dem
Pikes Peak-Wettbewerb oder beim Erzberg-Rodeo.
Quelle: BMW Presse-Information vom 27.04.2007
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