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Kategorie: Formel1 01.01.1970
Ab 2006 BMW geführtes Team.
BMW übernimmt das Sauber-Team
München, 22. Juni 2005. BMW geht in der Formel 1 neue Wege: Mit dem
Erwerb von Mehrheitsanteilen am Schweizer Team Sauber wird schon ab 2006 ein von
BMW geführtes Team in der Formel-1-Weltmeisterschaft starten. Dies hat der BMW
Vorstand am Dienstag beschlossen. Damit tritt BMW erstmals in der
Unternehmensgeschichte in Eigenregie in der Formel 1 an.
Prof. Dr. Burkhard Göschel, BMW Vorstand für Einkauf und Entwicklung:
"Die Entscheidung ist ein starkes und langfristiges Bekenntnis von BMW zur
Formel 1. Wir erwarten, dass die Formel 1 aus der aktuellen Phase der
Umstrukturierung gestärkt hervorgeht und auch in Zukunft die Top-Kategorie im
Motorsport darstellt. Die Formel 1 ist damit für BMW die richtige Plattform,
unsere Kompetenz als Automobilhersteller zu demonstrieren.
Erfolg in der Formel 1 hängt zunehmend vom perfekten Zusammenspiel aller
Faktoren ab. Wir haben uns deshalb entschlossen, unser Engagement über die
bisherige Rolle als Motorenpartner hinaus auszubauen. Mit einem von BMW
geführten Team übernehmen wir ab dem nächsten Jahr die Verantwortung für das
Gesamtpaket und damit auch die Schlüsselfaktoren Chassis, Reifen und Fahrer.
Natürlich hat diese Entscheidung Einfluss auf unsere Partnerschaft mit
WilliamsF1. Wir wollen die künftigen Optionen mit WilliamsF1 gemeinsam
diskutieren, um den für beide Seiten richtigen Weg zu finden.
Wir erwarten in der neuen Konstellation keinen Erfolg aus dem Stand. Aber wir
sind überzeugt, langfristig den richtigen Weg eingeschlagen zu haben."
Dr. Mario Theissen, BMW Motorsport Direktor:
"Die Neuausrichtung unserer Formel-1-Strategie basiert auf zwei
Erkenntnissen. Erstens: Der Einfluss des Motors auf das Siegpotenzial des
Gesamtpaketes ist zurückgegangen. Fahrzeug, Reifen und Fahrer spielen eine
größere Rolle als früher. Zweitens: Das optimale Gesamtpaket erreicht man nach
unserer Auffassung nur mit einem voll integrierten Team mit durchgängigen
Prozessen.
Mit der neuen Struktur tragen wir diesen Erkenntnissen Rechnung. Bei Sauber
haben wir eine solide Basis für die Fahrzeugentwicklung und Produktion gefunden,
mit dem nötigen Know-how und einem der modernsten Windkanäle. Die dort bisher
produzierten Ergebnisse verdienen Respekt, zumal das Budget des Teams limitiert
war.
BMW wird diese Basis nicht nur erhalten, sondern ausbauen. Das gilt sowohl
für die Anlagen als auch für das Personal. Am Sauber-Standort Hinwil werden
zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Das neue Team wird als voll integriertes
Projekt an zwei Standorten geführt, wie es im Serienbereich bei BMW längst
Standard ist.
Uns ist bewusst, dass wir eine Lehrzeit vor uns haben, dass man Erfolg zwar
planen, aber nicht von der Stange kaufen kann. Nachdem wir gezeigt haben, dass
BMW den besten Formel-1-Motor bauen kann, fangen wir mit der komplexen Aufgabe
Gesamtfahrzeug praktisch wieder als Lehrling an. Da sind Geduld und Stehvermögen
gefordert. Beides haben wir, genauso wie ein konkretes Arbeitsprogramm. Die
Technik-Kooperation hat bereits begonnen.
In der Partnerschaft mit WilliamsF1 haben wir gemeinsam Erfolge gefeiert und
das Team voran gebracht. Beide Partner sind heute stärker als zu Beginn unserer
Zusammenarbeit und damit für die Zukunft gerüstet. Wie diese Zukunft aussieht,
wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Unabhängig von dieser Entscheidung
konzentrieren wir uns auf die laufende Saison. Wir haben uns für dieses Jahr
noch einiges vorgenommen, und das werden wir gemeinsam mit WilliamsF1 mit aller
Kraft und Professionalität umsetzen."
Präsentation Anfang 2006.
Parallel werden auf Basis des Vorstandsbeschlusses bis zum Übernahmetermin am
1. Januar 2006 die Struktur mit Führungs- und Schlüsselpositionen, dazu gehört
auch die Fahrerbesetzung, sowie der Name des neuen Teams erarbeitet. Der Ausbau
der Ressourcen wird von nun an mit Hochdruck vorangetrieben.
Das Team wird sich Anfang 2006 der Öffentlichkeit vorstellen. Das Werk in
Hinwil wird weiter als eine rechtlich eigenständige Schweizer Firma geführt -
mit Anbindung an BMW Motorsport.
Das erweiterte Formel-1-Engagement von BMW wird nicht zu Lasten anderer BMW
Motorsport-Projekte gehen. BMW wird auch künftig im Tourenwagensport präsent
sein - in der neuen Tourenwagen-Weltmeisterschaft (FIA WTCC) ebenso wie bei
herausragenden Einzelveranstaltungen wie 24-Stunden-Rennen. Auch die Formel BMW
mit ihren vier Serien in Asien, Deutschland, Großbritannien und Nordamerika wird
es weiter geben. In diesem Jahr findet erstmals ein Weltfinale statt.
Peter Sauber:
"Die Partnerschaft mit BMW ist für Sauber eine ideale Lösung, denn sie
unterstützt die zwei Ziele, die für mich immer zuoberst standen: Erstens, dem
Team die Möglichkeit zu bieten, sich sportlich zu verbessern, und zweitens, den
Standort Hinwil und die Arbeitsplätze der heute 300 Mitarbeiter zu sichern.
Durch die Präsenz von sechs Automobilherstellern hat sich die Formel 1 in den
vergangenen Jahren stark verändert. Vor allem für die Privatteams ist es
zunehmend schwieriger geworden, eine solide Finanzierung sicherzustellen, die
auch sportlichen Erfolg ermöglicht. Seit einigen Jahren habe ich mir zudem
Gedanken über eine Nachfolgeregelung gemacht - angesichts der sehr spezifischen
Anforderungen der Formel 1 kein einfaches Thema.
Die Partnerschaft mit BMW garantiert Kontinuität. Es ist für mich auch
deshalb eine ideale Lösung, weil ich weiß, dass sie den Mitarbeitern eine sehr
gute Perspektive bietet. Ich habe dieses Unternehmen während mehr als 35 Jahren
durch oft stürmische Gewässer geführt, umso wichtiger ist es mir, dieses auch in
Zukunft in guten Händen zu wissen."
Ermöglicht wird der neue Zusammenschluss auch durch die Credit Suisse, die
ihre Anteile an der Sauber Holding AG sukzessive über die nächsten drei Jahre
ebenfalls an BMW verkaufen wird. 2002 hatte die Credit Suisse diese Anteile
übernommen, um sie zu gegebener Zeit bei geeigneten Investoren zu platzieren.
Urs Rohner, Geschäftsleitungsmitglied der Credit Suisse Group, kommentiert:
"Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit BMW. Mit BMW und Sauber verbinden
sich zum einen langjährige Erfahrung im Automobilrennsport und zum anderen
Effizienz und Leidenschaft. Damit wird eine optimale Grundlage für ein
erfolgreiches Team geschaffen. Die Credit Suisse wird zudem für die nächsten
drei Jahre Official Partner des Teams."
Hintergrund
BMW Motorsport: Innovative Technik für sportliche Wettbewerbe und
Rekordjagden gehörte von jeher zum Selbstverständnis von BMW. Nach Weltrekorden
und Meistertiteln mit Flugmotoren und Motorrädern gelang 1940 mit einem
Doppelsieg bei der "Mille Miglia" einer der ersten internationalen
Tourenwagenerfolge mit dem BMW 328. Im Deutschland der Nachkriegszeit wurde
Motorrad-Ass Schorsch Meier auf BMW Boxer zum Volkshelden.
Allein 24 Titel mit FIA-Prädikat stehen im Tourenwagensport für BMW seit 1966
zu Buche - Europameisterschaften und WM-Titel. Ungezählt sind die nationalen
Meistertitel der BMW Piloten. Die Siegerautos: BMW 1800Ti, 2002Ti, 2002, 3.0
CSL, 320, 635CSi, 528i, M3 und 320i. Bis einschließlich 1992 erzielten BMW M3
Piloten mehr als 1500 Einzelsiege und 50 Titel. Mit dem BMW 320i wurden von 1993
bis einschließlich 1998 rund um den Globus 29 Meistertitel gewonnen. 2001 lebte
das EM-Prädikat der FIA im Tourenwagensport wieder auf. Prompt holte der BMW
320i den Titel. 2003 siegte BMW in der Markenwertung der FIA European Touring
Car Championship (ETCC), verteidigte den Titel 2004 erfolgreich und gewann auch
den Fahrertitel. 2005 tritt BMW mit dem 320i in der FIA Touring Car World
Championship (WTCC) an.
Mit 18 Gesamtsiegen, darunter acht Doppelsiege, ist BMW die mit Abstand
erfolgreichste Marke beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Die 24 Stunden
von Spa gewann BMW sogar 21 Mal. 1999 gelang mit dem offenen Sportwagen BMW V12
LMR der Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans.
Aufbauend auf zehn Jahren Erfahrung in der Talentförderung brachte BMW
Motorsport zur Saison 2002 in dem Formel BMW ein hochmodernes Fahrzeug an den
Start. In Kombination mit einem einzigartigen Ausbildungs- und Coachingprogramm
entwickelten sich Formel BMW Championate in Asien, Deutschland, England und
Nordamerika zum internationalen Maßstab.
In der Formel 2 war ein BMW Vierzylinder-Motor in den Jahren 1973 bis 1982 das
Maß der Dinge. Sechs Piloten wurden mit ihm Europameister. 1980 gab BMW sein
erstes Formel-1-Engagement bekannt. Paul Rosche konstruierte aus einem
Vierzylinder-Serienblock ein auf 1,5 Liter Hubraum reduziertes
Vierventil-Turbo-Triebwerk, das am Ende seiner Karriere um die 1.400 PS
leistete. Am 23. Januar 1982 startete Nelson Piquet in Kyalami, Südafrika, auf
Brabham BMW. Im Juni errang der Brasilianer in Montréal den ersten GP-Sieg. 1983
wurde er Weltmeister. Den neunten und letzten BMW Turbo-Sieg erzielte Gerhard
Berger 1986 auf Benetton BMW in Mexiko. Ende 1987 wurde der Bau dieser BMW
F1-Motoren eingestellt. Es galten neue Regeln - die Zeit der schieren
Turbo-Power war vorbei.
1997 erklärte BMW den Wiedereinstieg zur Saison 2000 - mit einem
Dreiliter-V10-Saugmotor und mit Partner WilliamsF1. Es wurde ein Comeback nach
Maß: WM-Rang drei in der Debütsaison, 2002 WM-Zweiter, 2003 bis zum Finale
Titelkandidat. 2004 folgte eine Durststrecke, erst beim Finale wurde wieder ein
Sieg gefeiert.
Die BMW Formel-1-Motoren wurden von Anfang an in München konstruiert und
gefertigt - inklusive eigenem Motormanagement und eigener Gießerei sowie in
engem Schulterschluss mit dem BMW Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ). In
der Formel-1-Abteilung von BMW sind derzeit 300 Mitarbeiter beschäftigt. BMW
Motorsport insgesamt hat 350 Beschäftigte.
Sauber Motorsport AG: Peter Sauber gründete die PP Sauber AG, die
später in Sauber Motorsport AG umbenannt wurde, 1970 in Hinwil. In den
Anfangsjahren konstruierte der gelernte Elektromonteur Rennsportwagen für die
Teilnahme an der nationalen Automobilmeisterschaft. Internationale Beachtung
verschaffte sich der Schweizer Rennstall erstmals 1976 durch Herbert Müllers
Gesamtsieg in der europäischen Interserie in einem Sauber BMW C5.
Mitte der achtziger Jahre wurde Sauber zum Mercedes-Benz-Werksteam in der
Sportwagen-Weltmeisterschaft. Höhepunkte dieser Partnerschaft waren der
Doppelsieg in Le Mans 1989 sowie der zweimalige Gewinn der
Sportwagen-Weltmeisterschaft (1989, 1990).
1993 stieg Sauber in die Formel 1 ein und konnte gleich beim ersten Rennen,
dem GP von Südafrika in Kyalami, zwei WM-Punkte einfahren. SAUBER PETRONAS
etablierte sich als eines der erfolgreichsten Privatteams und erzielte insgesamt
sechs Podestplätze. 2001 erreichte das Schweizer Team den vierten Rang in der
Konstrukteurs-WM.
Quelle: BMW Presse-Mitteilung vom 22.06.05
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