|
Kategorie: Formel1 01.01.1970
Vorstellung des Williams BMW FW27 in Valencia
Valencia (ESP), 31. Januar 2005. Am heutigen Montag hat das BMW
WilliamsF1 Team seine Fahrerbesetzung für die Formel-1-Weltmeisterschaft 2005
sowie den neuen Wagen, den Williams BMW FW27, an der Rennstrecke von Valencia in
Spanien vorgestellt.
Nach umfangreichen Testfahrten steht nun Nick Heidfeld (DEU) als zweiter
Einsatzfahrer neben Mark Webber (AUS) fest. Antonio Pizzonia (BRA) wird das Team
und die Weiterentwicklung des FW27 als offizieller Testfahrer unterstützen.
(Siehe auch
Heidfeld wird Einsatzpilot des BMW WilliamsF1
Teams)

Foto: Nick Heifeld im WilliamsF1 BMW FW27
in Valencia
Der FW27 wurde um 12.00 Uhr vor internationalen Berichterstattern enthüllt.
Um 15:00 Uhr fuhr er erstmals vor den Augen der Öffentlichkeit auf die Strecke.
Die ersten Testfahrten des FW27 werden bis einschließlich Freitag, dem 4.
Februar 2005, in Valencia fortgesetzt.
Teamchef Frank Williams sagte: "Dieses Auto und unsere Fahrer repräsentieren
die Hoffnungen und Anstrengungen des BMW WilliamsF1 Teams. Vor Saisonbeginn
wollen wir unsere Ziele vorsichtig formulieren. Aber wir setzen alles daran,
2005 eine starke Kraft in der Formel 1 zu sein."
Philosophie der Chassis-Entwicklung.
Sam Michael, Technischer Direktor von WilliamsF1, erklärte: "In diesem Auto
spiegelt sich die Philosophie der Konzentration auf das Wesentliche wider.
Während des gesamten Konstruktionszyklus lag das Hauptaugenmerk auf den
zentralen Variablen, die die Leistungsfähigkeit beeinflussen. Beispielsweise die
Reduktion von Gewicht und Reibung oder die Erhöhung der Steifigkeit. Als
Konsequenz dieser Konzentration auf das Wesentliche sind wir bei der
geometrischen Auslegung der vorderen Aufhängung zum Mono-Kiel zurückgekehrt. An
der extrem tiefen Motorabdeckung und der Verjüngung der Seitenkästen ist ein
aggressiver Zugang bei der Kühlung erkennbar. Standfestigkeit war ein weiteres
zentrales Entwicklungsziel. Hier haben wir insbesondere beim Getriebe, das seit
November 2004 problemlos im Testeinsatz läuft, deutliche Fortschritte erzielt."

Foto: Nick Heifeld im WilliamsF1 BMW FW27
in Valencia
Michael zu den Auswirkungen der neuen Regeln auf die Konstruktion des FW27:
"Die Reglementänderungen durch die F1 Technical Working Group haben die
Luftausdehnung im Diffusor eingeschränkt und den Ground-Effekt des Frontflügels
reduziert. Das Netto-Ergebnis ist ein Abtriebsverlust von rund 30 Prozent bei
nicht reduziertem Luftwiderstand. In erster Linie auf theoretische Erkenntnisse
gestützt, haben wir intensiv daran gearbeitet, so viel wie möglich von diesen
Verlusten wettzumachen. Prognosen anhand von Computational Fluid Dynamics (CFD)
waren unser wichtigstes Werkzeug zum Bewerten der Reglementauswirkungen. Wir
konnten eine große Bandbreite möglicher Lösungen durchspielen. Gemeinsam mit
unserem Partner HP haben wir unsere Rechnerkapazitäten verdreifacht. Wir
operieren nun mit einer Anlage, die weltweit zu den Top-500 und in
Großbritannien zu den Top-40 gehört. Wir haben unsere hauseigenen Kapazitäten
auch durch die Nutzung der HP Bristol Laboratories Computer Farm ergänzt. Dies
hat uns in absoluten Hochzeiten der Konstruktionsphase zusätzliche Berechnungen
erlaubt", erklärte Michael.
"Als Resultat all dieser zusätzlichen Kapazitäten haben wir die Anzahl der
CFD Aerodynamik-Modelle um fast 100 Prozent gesteigert, um die besten Lösungen
unter dem neuen Reglement zu finden. Bedenkt man, dass jedes Modell aus rund
einer halben Millionen Einzelinformationen besteht, haben wir allein für die
Fahrzeug-Aerodynamik 70.000 Mal den Umfang der Encyclopaedia Britannica
verarbeitet. Dank besserer Technologie und präziserer Ergebnisse konnten wir die
Prozessdauer erheblich verkürzen.
Mit Hilfe der CFD-Ergebnisse haben wir Front- und Heckflügel sowie die
Luftführungen für Bremsen und Kühler ohne Herstellungsaufwand und Windkanaltest
optimiert. Das war im Zusammenhang mit dem neuen Reglement ein entscheidender
Vorteil.
Die Rechner-Kapazitäten haben auch den Prozess der Struktur-Analyse
verbessert. Früher waren wir abhängiger von manuellen Berechnungen und
Testergebnissen. Heute können wir diese hoch komplexen Parameter in der
Simulation darstellen und dabei die Konstruktion von Crash-Strukturen zusammen
mit den aerodynamischen Anforderungen integrieren."
Michael weiter: "Die Anwendung verbesserter Simulationen und rationalisierter
Windkanaleinsatz haben dem FW27 zu seinem typischen Profil verholfen. Weil der
Frontflügel um 50 Millimeter angehoben werden musste, wurde es umso wichtiger,
den konkaven Flügelbereich in der Fahrzeugmitte zu nutzen. Weil der Heckflügel
im Verhältnis zum Diffusor nach vorn rückte, mussten außerdem alle Vorrichtungen
rings um den Heckflügel optimiert werden, damit sie alle im Einklang
funktionieren."
Was die Reifenlimitierung bedeutet.
Ein anderer entscheidender Eingriff des Reglements betrifft die Reifen. Für
Qualifying und Rennen darf 2005 nur noch ein einziger Satz verwendet werden. Sam
Michael beschreibt den Einfluss dieser Regelung auf den FW27: "Das BMW
WilliamsF1 Team hat seit der F1-Rückkehr von Michelin mehr Rennen als jedes
andere Team mit diesem Reifenhersteller gewonnen. Wir haben bei der Umsetzung
der neuen Regeln eng zusammengearbeitet. Im Endeffekt sind Aerodynamik,
Gewichtsverteilung, mechanische Balance und Traktionskontrolle Sklaven der
Reifen. Wir brauchen Grip, ohne die Reifen zu ruinieren. Diese Aufgabe ist durch
die neuen Regeln erheblich schwieriger geworden. Aber wir sind zuversichtlich,
dass wir über den Winter gute Arbeit geleistet haben."
Zwei Rennwochenenden - ein einziger Motor.
Reglementänderungen hatten auch einschneidenden Einfluss auf den neuen BMW
Motor für die Saison 2005. Der BMW P84/5 Motor muss an zwei Rennwochenenden eine
Laufzeit von insgesamt rund 1.500 Kilometer bewältigen und dabei in Training,
Qualifying und Rennen unterschiedlichen Belastungen standhalten. BMW Motorsport
Direktor Mario Theissen erklärte: "Es gibt nun eine taktische Notwendigkeit, die
Motoren zu schonen. Dies lässt sich auf zweierlei Arten erreichen: weniger
Runden fahren oder Drehzahl drosseln. Weniger fahren wollen wir nicht, weil dies
wertvolle Abstimmungszeit kostet. Im freien Training die maximale Drehzahl zu
beschränken, ist die bessere Alternative."
Fotos: Der neue BMW WilliamsF1 Helm von
Nick Heidfeld.
In den Qualifyings dagegen ist maximale Leistung gefordert. Derart
vorbelastet gehen die Motoren dann auf die Renndistanz. 2004 bedeutete die
Zielflagge das Ende ihrer Pflicht. 2005 ist das nur ein Etappensieg in Sachen
Zuverlässigkeit: Ein GP-Wochenende später müssen dieselben Triebwerke noch
einmal den gleichen Zyklus durchstehen.
Theissen: "Dabei ist die Bestrafung für einen Motorschaden bedeutend härter
als für jeden anderen Defekt." Ein Motortausch vor dem ersten Qualifying kostet
bei dem entsprechenden GP zehn Startplätze. Ein Schaden zwischen erstem
Qualifying und Rennen versetzt einen Fahrer sogar ganz ans Ende der
Startaufstellung. "Allerdings darf der Motor straffrei ersetzt werden, wenn ein
Fahrer das Rennen nicht beendet. Da sehe ich eine offene Frage im Reglement", so
Theissen weiter, "schließlich könnte ein Fahrer ein Rennen aus der taktischen
Überlegung heraus nicht beenden, um sich den Vorteil eines frischen Motors für
den nächsten Grand Prix zu sichern."
Angesichts der neuen Regeln hatte Standfestigkeit höchste Priorität bei der
BMW Motorenentwicklung. Daneben ging es um die Minimierung der
Leistungseinbußen. Diese wiederum sollen im Zuge der Weiterentwicklung während
der Saison aufgeholt werden. Theissen: "Vereinfacht ausgedrückt sind die
kritischen Komponenten die bewegten Teile und jene, die im Feuer stehen. Also
alles, was mechanisch und thermisch hoch belastet wird - vor allem der
Kurbeltrieb und der Ventiltrieb. Jedes einzelne Teil muss auf doppelte
Lebensdauer ausgelegt werden. Das bedeutet normalerweise: Der Motor wird größer
und schwerer, was wiederum Drehzahl und somit Leistung kostet. Um diese Verluste
zu minimieren, ist akribische Feinarbeit gefordert."
Zu den Reglementänderungen sagte Theissen: "Grundsätzlich unterstützen wir
Maßnahmen, die zur Kostenreduzierung beitragen. Allerdings hat der späte
Zeitpunkt dieser einschneidenden Vorgabenänderung großen zusätzlichen
Entwicklungsaufwand verursacht."
Erste Fahreindrücke.
Nach den ersten Runden mit dem FW27 in Valencia sagte Mark Webber: "Nicht
zuletzt wegen der Reglementänderungen bezüglich Aerodynamik und Reifen steckt in
diesem Chassis extrem viel Arbeit. Und BMW hatte mit der Entwicklung des P84/5
Motors, der nun zwei Rennwochenenden halten muss, ebenfalls alle Hände voll zu
tun. Ich erwarte eine harte Saison. Erstes Ziel muss sein, mit beiden Autos
konstant und zuverlässig zu fahren. Insgesamt bin ich optimistisch. Der Februar
wird noch ein wichtiger Monat für uns."
Nick Heidfeld sagte: "Der FW27 sah heute Vormittag auf der Bühne großartig
aus, und er hat am Nachmittag auch auf der Strecke einen guten Eindruck gemacht.
Ich bin bislang zwar nur wenige Runden gefahren, aber das Auto fühlt sich nicht
fremd an. Jetzt werden wir uns auf die letzten Saisonvorbereitungen
konzentrieren."
Zahlen und Fakten - Williams BMW FW27.
· 1,3 Terabytes
Aerodynamikdaten wurden mit CFD verarbeitet (1 Terabyte sind über 1000 Millionen
Bytes). Die Summe entspricht dem 69.333fachen der Informationen der
Encyclopaedia Britannica.
· 250.000 Arbeitsstunden verschlang die
Konstruktion des FW27.
· 250.000 weitere Arbeitsstunden dauerten
Fertigung und Aufbau.
· 4.500 Konstruktionszeichnungen wurden für den
FW27 angefertigt. Aneinandergelegt würden sie eine Strecke von 5.350 Kilometern
bedecken. Etwa 4.000 weitere Zeichnungen werden während der Weiterentwicklung
entstehen. Damit würden die ausgelegten Zeichnungen zum Ende der Saison der
Distanz von London nach Buenos Aires entsprechen.
· Der FW27 wird in rund 5 Sekunden von 0 auf 200
km/h beschleunigen. Die Verzögerungswerte werden 5 g erreichen. (Die Verzögerung
von 1 g ist vergleichbar mit dem Aufprall an eine Mauer aus Tempo 30 km/h). Um
diese Verzögerung zu realisieren, erreichen die Bremsen binnen einer Sekunde
6000C.
· Die Abgastemperaturen erreichen bis zu 9500C,
und sogar die Luft im System der pneumatischen Ventilsteuerung erhitzt sich auf
bis zu 2500C.
· Der BMW P84/5 besteht aus rund 5.000
Einzelteilen. Der Aufbau dauert 100 Arbeitsstunden. Bisher hat BMW rund 200
Formel-1-Motoren pro Saison hergestellt. 2005 wird diese Zahl etwas zurückgehen.
· Über 1.000 CAD-Zeichnungen wurden für den
BMW P84/5 angefertigt.
· Der BMW Formel-1-Motor wiegt weniger als
90 kg.
· Bei 19.000 U/min des BMW F1-Motors
ereignen sich binnen einer einzigen Sekunde 316,7 Umdrehungen und 1583,3
Zündungen. Es erfolgen 9. 500 Drehzahlerfassungen, die Kolben legen 25 Meter
zurück, und es werden 550 Liter Luft angesaugt.
· Beim P84 betrug die maximale
Kolbenbeschleunigung 10.000 g.
· Die Kolbengeschwindigkeit lag in der
Spitze bei 40 Metern pro Sekunde.
Quelle: BMW Presse-Information vom 31.01.05
Das könnte Sie auch interessieren:
Heidfeld wird Einsatzpilot
des BMW WilliamsF1 Teams (News vom
31.01.05)
Bitte empfehlen Sie diesen Artikel weiter:
|