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Kategorie: Formel1 01.01.1970
GP Belgien - Vorschau
Nach einem Jahr Pause steht eine der beliebtesten Rennstrecken wieder auf dem
Formel-1-Programm: Am 29. August startet das BMW WilliamsF1 Team zum 14. von 18
WM-Läufen 2004 in Spa-Francorchamps.
Der schnelle Parcours in den Ardennen stellt mit spektakulären Kurven wie der
berühmten Eau Rouge höchste fahrerische Ansprüche. Häufig unbeständiges Wetter
fordert die Strategen. Die Zeichen für einen spannenden Großen Preis von Belgien
stehen gut.
Juan Pablo Montoya: Ich finde es gut, dass der belgische Grand Prix
wieder im Kalender ist. Die Strecke gehört eindeutig zu meinen Favoriten. Der
Kurs ist schnell und anspruchsvoll, eine fahrerische Herausforderung. Ich habe
gehört, dass die letzte Schikane nicht mehr so gut sein soll, wie sie einmal
war, aber wir müssen uns das erst einmal vor Ort ansehen. In der Vergangenheit
sind wir mit der Rennstrecke immer recht gut klar gekommen. Wir haben uns immer
ziemlich weit vorn qualifiziert und zwei Podiumsplätze erreicht.
Bislang hatten wir in dieser Saison relative wenig Regen an den
GP-Wochenenden. Das könnte in Spa anders aussehen, und eine nasse Strecke wäre
wenig hilfreich für uns. Das neue Aerodynamik-Paket hat in Ungarn jedenfalls gut
funktioniert, von daher stehen die Zeichen gut für den Einsatz in Belgien.
Antonio Pizzonia: Ich habe gute Erinnerungen an Spa. Ich bin dort vier
Mal in verschiedenen Klassen gefahren: in der Formel Renault, Formel 3 und
Formel 3000. Das schönste Erlebnis war 2000, als ich in Spa Zweiter und damit
britischer Formel-3-Meister wurde. Die Woche nach dem Großen Preis von Ungarn
habe ich zu Hause in Monaco verbracht, hart trainiert und mich auf den nächsten
Renneinsatz vorbereitet. Der Kurs in Spa ist definitiv etwas Besonderes. Ich
kann es kaum abwarten, dort mit einem Formel-1-Rennwagen zu fahren.
Die Senke Eau Rouge halte ich nicht mehr für so anspruchsvoll wie früher,
weil sich die F1-Wagen stark verändert haben. Heute verfügen wir über so viel
Anpressdruck und so viel bessere Reifen, dass ich denke, dort kommt jeder mit
Vollgas durch.
Sam Michael (Technical Director WilliamsF1): Spa ist eine der
großartigsten Strecken, es ist phantastisch, diesen Kurs wieder im
Formel-1-Kalender zu haben. In Anbetracht der Aerodynamik- und
Reifenentwicklung, die seit dem letzten F1-Rennen dort stattgefunden hat, wird
es sicher eindrucksvoll, die Autos in Eau Rouge und Blanchimont zu sehen. Die
Bus-Stop-Schikane ist durch den Umbau etwas langsamer geworden.
Bei der Abstimmung geht es weniger um maximalen Abtrieb. Aber Stabilität in
den mittelschnellen Kurven der zweiten Hälfe der Runde ist wichtig. Wechselnde
Wetterbedingungen können einen in Schwierigkeiten bringen. Gelegentlich ist ein
Teil der Strecke nass, ein anderer aber trocken.
Als Resultat des andauernden Windkanalprogramms werden wir weitere
Aerodynamik-Entwicklungen für den FW26 zur Verfügung haben, speziell im Bereich
der seitlichen Zusatzflügel und der Kühler-Kamine. Außerdem haben wir vor dem GP
Belgien intensiv daran gearbeitet, unsere Starts zu verbessern. Darauf hat sich
Antonio Pizzonia beim Shakedown in Silverstone konzentriert. Nachdem Ralf noch
nicht wieder fahren wird, bestreitet Antonio für uns auch das Rennen in Spa. Die
intensive Zusammenarbeit mit Michelin hat uns ermöglicht, die Anforderungen an
die Reifen für Spa im Vorfeld präzise zu berechnen. Das ist extrem
bemerkenswert, wenn man die Veränderungen des Streckenbelags und natürlich der
Fahrzeuge seit unserem letzten Einsatz in Belgien bedenkt.
Mario Theissen (BMW Motorsport Direktor): Das Rennen in Spa ist ein
Highlight, auf das wir uns sehr freuen. Diese Naturrennstrecke mit ihrem etwas
herben Charakter ist fahrerisch eine enorme Herausforderung. Auf den knapp
sieben Kilometern Berg- und Talbahn ist Raum für unterschiedliche Linienwahl und
Zweikämpfe. Von daher sind die Voraussetzungen gut, dass die Formel 1 den
Zuschauern dort eine spannendere Show bietet als zuletzt in Ungarn.
Wir wollen in Belgien den sich abzeichnenden Aufwärtstrend fortsetzen. Die
noch andauernde Testpause kommt uns bei der Weiterentwicklung des Fahrzeugs zwar
nicht entgegen, aber das Rennen in Ungarn hat gezeigt, dass die neue Nase und
das optimierte Startverhalten wie erwartet funktionieren. Auf dieser Basis kann
man aufbauen. Die kommenden beiden Grands Prix, Belgien und Italien, sind auch
für die BMW P84 Motoren besondere Herausforderungen. Für Spa gilt dies
insbesondere aufgrund der Steigungen. In Monza ist es die lange Gerade, die für
den höchsten Volllastanteil im Grand-Prix-Kalender sorgt.
Zahlen und Fakten
-
In Spa-Francorchamps wurden 37 der 49 Großen Preise von Belgien ausgetragen.
Zehn Mal startete die Formel 1 in Zolder, zwei Mal in Nivelles.
- Im Jahr 1920 war die Idee zu der Rennstrecke am berühmten Kurort Spa geboren
worden. Man wollte das Dreieck der Verbindungsstraßen zwischen Malmedy, Stavelot
und Francorchamps nutzen. Im August 1921 waren die Vorbereitungen zwar
abgeschlossen, allerdings konnte das erste Autorennen nicht stattfinden, weil
sich nur ein einziger Teilnehmer angemeldet hatte. Schließlich wurde die
Rennstrecke von Motorrädern eingeweiht, ehe 1922 tatsächlich Autos starteten.
- 1924 wurde erstmals das 24-Stunden-Rennen ausgetragen. Das erste bedeutende
Monoposto-Rennen folgte 1925 mit dem Großen Preis von Europa. Sieben Fahrzeuge
nahmen teil, es gewann Antonio Ascari auf Alfa Romeo.
- Wegen des Zweiten Weltkrieges ruhte der Rennbetrieb sieben Jahre lang bis
1947. Im Jahr 1970 fand das letzte Rennen auf dem bis dato 14 Kilometer langen
Kurs statt. Die Autos waren mittlerweile zu schnell für diese Strecke geworden,
die Fahrer weigerten sich, das Risiko einzugehen. 1979 wurde der aktuelle Kurs
eröffnet.
- Im Jahr 2003 gastierte die Formel 1 nicht in Spa. Zwischenzeitlich wurde im
Bereich der alten Bus-Stop-Schikane umgebaut, der Kurs wurde um zehn Meter
länger und misst nun 6,973 Kilometer. Spa-Francorchamps ist die längste
Rennstrecke im F1-Kalender.
- Die wohl berühmteste Passage ist Eau Rouge. Das ist eine
Links-Rechts-Kombination in einer Senke, die auch nach einigen entschärfenden
Maßnahmen noch als Mutkurve gilt. Um sie mit Vollgas durchfahren zu können, muss
die Fahrzeugabstimmung dafür perfekt passen.
- Andere bekannte Streckenabschnitte sind die schnelle Passage Blanchimont oder
La Source, die Haarnadel nach dem Start, in der sich 1998 der größte Massencrash
der Formel-1-Geschichte ereignete, der zum Glück glimpflich abging.
- WilliamsF1 erzielte in Spa bis dato vier Siege (1981, 1986, 1993, 1994) sowie
neun Polepositions. Die jüngste Poleposition der Erfolgsliste holte Juan Pablo
Montoya 2001 für das BMW WilliamsF1 Team. Ralf Schumacher komplettierte ein
perfektes Qualifyingergebnis mit Startplatz zwei. Im Rennen allerdings häuften
sich die Unannehmlichkeiten. Mehrere Starts waren notwendig, einmal starb bei
Montoyas Wagen der Motor ab, später musste sich auch Ralf Schumacher hinten
anstellen, nachdem Reparaturarbeiten an seinem Fahrzeug nicht rechtzeitig
abgeschlossen waren. Seit Beginn der Partnerschaft von BMW und WilliamsF1 im
Jahr 2000 blieben dritte Plätze (Ralf Schumacher 2000, Montoya 2002) die besten
Rennergebnisse.
- Michael Schumacher gewann den Grand Prix im Jahr 2002. Er war in 1.43,726
Minuten auf die Poleposition gefahren und stellte im Rennen mit seinem Ferrari
in 1.47,176 Minuten auch den jüngsten Rundenrekord auf.
- Das Rennen startet am Sonntag, dem 29. August 2004, um 14 Uhr.
Quelle: BMW Presse-Mitteilung vom 20.08.04
Hitzebelastung in der Formel 1

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