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04.11.2007
Gastkommentar: Tempobremse Parteibuch
„Die Leute haben folgenlose Diskussionen satt“, spielte dieser Tage der
SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer auf die Debatte über ein generelles
Tempolimit auf deutschen Autobahnen an, die von seiner Partei erneut
angestachelt wurde. Da drängt es zu fragen: Wer sind „die Leute“? – Ausgerechnet
diejenigen, die dem Volk mit dem Thema Tempolimit immer wieder von Neuem auf den
Wecker gehen, fangen nun auch noch an, „die Leute“ als Schutzschild für eine
weitere Tempoattacke zu missbrauchen.
Gespielte Volksnähe. Eine Art argumentatives Bogenschießen mit krummen Pfeilen.
In der Hoffnung, dass man irgendwie trifft. Bedenklich, dass solchen Hokuspokus
selbst Bundestagsabgeordnete draufhaben, obwohl sie doch eigentlich für voll
genommen werden möchten. „Die Leute“ in unserem Land haben anderes satt. Sie
verärgert das Geflecht aus regelmäßig veranstalteten ideologischen Feuerwerken,
EU-Gehorsam und politischer Postensicherung.
Im Dickicht der „großen Politik“ verfangen sich alltägliche Sorgen und Nöte
Regierter seit Langem. Der SPD-Parteitag fordert: Generelles Tempolimit auf
deutschen Autobahnen! Als ob es das Autobahntempo wäre, was die Leute umtreibt.
– SPD-Genosse Scheer klagt, jene „folgenlosen Diskussionen“ (zum Tempolimit)
trügen „zur Politikverdrossenheit bei“. Offenbar fehlt dem Kläger jeglicher
Ansatz zur Erleuchtung, worauf die zunehmende Politikverdrossenheit der
Deutschen zurückzuführen ist. Um es kurz zu machen: Wer im Grunde nur noch
gehorsam einstudierte Nebenrollen selbst auf eigener nationaler Bühne spielt,
hat wenig zu sagen. So was nervt.
Warum muss Deutschland unbedingt ein generelles Tempolimit auf Autobahnen haben?
– Um anderen EU-Ländern endlich brav zu folgen? – Soweit ich weiß, haben
EU-Obere am Linksverkehr der Briten noch nie herumgenörgelt. Geht doch! Auch
Spaniens traditionellen Stierkämpfe, die andernorts das Tierschutzgesetz
verbieten würde, finden nach wie vor statt. Gut, dass VDA-Präsident Matthias
Wissmann ein weiteres Mal festhielt, was offenbar nur ideologisch
Verbarrikadierten nicht in den Kopf will: Ein generelles Tempolimit auf
deutschen Autobahnen käme weder der Verkehrssicherheit noch dem Klimaschutz
spürbar zugute.
Das sagt der Mann nicht einfach so dahin. Solcher Aussage liegen jahrlange
Erkenntnisse zugrunde. Davon aber nimmt nicht Notiz, wer sich von vornherein der
ideologischen Anti-Auto-Front verpflichtet sieht. Deutlich machen das die
verwegenen Hochrechnungen, mit denen etwa der Verkehrsclub Deutschland prompt
auf die Absage der Bundeskanzlerin und der Union an ein bundesweites Tempolimit
reagierte. Wie gehabt, ist hinzuzufügen.
Der VCD – ganz in seinem Element: Tempo 120 ließe sofort drei Millionen Tonnen
CO2 einsparen, und auf Autobahnen hätte es dank eines solchen Limits
beispielsweise 2006 rund 600 Tote weniger gegeben. Warum eigentlich nicht gleich
Tempo 100? Oder besser noch weniger. Jedes weitere Abbremsen könnte doch
eigentlich nur nützlich sein.
Nein, Deutschland hat einfach öfter daran zu erinnern, dass hierzulande einst
das Automobil erfunden wurde und seither besonderen Stellenwert hat. Dafür
spricht die weltweit anerkannte Leistungsfähigkeit unserer Automobilindustrie,
dafür steht aber auch die gewachsene Infrastruktur, die diesem unserem
„Autoland“ dementsprechend Rechnung trägt. Nationale Besonderheiten nicht zu
respektieren, sie Zug um Zug einzuebnen, kann nicht Anspruch der EU sein. „Der
Druck aus Brüssel wird größer werden“, prophezeit der CSU-Umweltpolitiker Josef
Göppel. Da kann er recht haben.
Quelle: ar vom 04.11.2007, entnommen aus der aktuellen Ausgabe des
Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport, von Wolfram Riedel
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