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Kategorie: Formel1 01.01.1970
GP Monaco - Vorschau
Nach Monaco schaut die Welt. Kein Grand Prix steht derart im Rampenlicht wie
dieser. Zwischen glamourösen Rahmenveranstaltungen und unter den Augen zahlloser
prominenter Gäste findet am 23. Mai der sechste von 18 Läufen zur FIA
Formel-1-Weltmeisterschaft statt. Nach einem schwierigen Start in die Saison
2004 kehrt das BMW WilliamsF1 Team nun an den Ort eines seiner größten Erfolge
zurück. Im Vorjahr hatte Ralf Schumacher im Fürstentum am Mittelmeer die
Poleposition erobert, Teamkollege Juan Pablo Montoya gewann das Rennen auf dem
engen Stadtkurs, der keine Fahrfehler verzeiht.
Juan Pablo Montoya: Keine Frage: Der Große Preis von Monaco ist ein
ganz besonderes Ereignis und gleichzeitig ein sehr schwieriges Rennen. Auf
diesem Kurs darf man einfach keinen Fehler machen. Sobald man für einen Moment
die Kontrolle über das Fahrzeug verliert, landet man in der Streckenbegrenzung.
Man muss richtig lernen, dort das Limit zu finden. Es ist der einzige echte
Stadtkurs der Formel 1, das hebt die Strecke von allen anderen ab und macht auch
ihren besonderen Charme aus. Vor zwei Jahren bin ich dort von der Poleposition
gestartet, im vergangenen Jahr habe ich den GP gewonnen. Ich war sehr stolz.
Gerade dieses Formel-1-Rennen wollte ich immer gewinnen. In diesem Jahr wird es
von unserem Auto abhängen, ob wir mit der Konkurrenz mithalten können. Ich werde
jedenfalls hundert Prozent geben, um den Vorjahreserfolg zu wiederholen.
Ralf Schumacher: Ich freue mich auf das Wochenende in Monaco,
schließlich habe ich dort jahrelang gelebt. Trotzdem warne ich immer wieder,
dass dieses Rennen nicht mehr zeitgemäß ist. An das Rennen 2003 hat das Team
jedenfalls die besten Erinnerungen: Am Samstag konnte ich die Poleposition
holen, am Sonntag gewann Juan Pablo das Rennen. Und der Grand Prix in Monte
Carlo war 2003 nach einem enttäuschenden Saisonstart gleichzeitig der Wendepunkt
in einem Jahr, in dem es am Ende fast noch zum WM-Titel gereicht hätte. Von
solchen Zielen sind wir momentan allerdings leider sehr weit entfernt. Gerne
würde ich an ein kleines Wunder im Fürstentum glauben. Aber realistisch
betrachtet, sind wir in Monaco aus eigener Kraft nicht siegfähig. Das Team legt
zwar 24-Stunden-Schichten ein, doch es wird noch dauern, bis wir wieder an der
Spitze dran sind.
Sam Michael (Chief Operations Engineer WilliamsF1): Zur Vorbereitung
auf das Rennen in Monaco haben wir im französischen Paul Ricard Reifentests und
Abstimmungsarbeiten durchgeführt. Der extrem enge Straßenkurs stellt höchste
Ansprüche an das Chassis und die Fahrer. Entsprechend viel hat uns der Sieg im
vergangenen Jahr bedeutet. Das Grip-Niveau des Asphalts steigt im Verlauf des
Wochenendes durch den Gummiabrieb der relativ weichen Reifen stark an. Auch
strategisch wird der Grand Prix interessant: Der Trend geht grundsätzlich dahin,
den ersten Boxenstopp immer früher einzulegen. Weil aber Überholvorgänge in
Monacos Straßen praktisch unmöglich sind, könnte dies diesmal anders aussehen.
Mario Theissen (BMW Motorsport Direktor): In der Weiterentwicklung des
BMW P84 Motors beginnt nun eine neue Phase. Das erste Ziel hatten wir zu
Saisonbeginn erreicht. Es lautete, einen Motor zu entwickeln, der für die per
Reglement nahezu verdoppelte Laufzeit standfest ist, ohne gegenüber dem P83
nennenswert an Gewicht zuzulegen oder an Leistung einzubüßen. Das zweite Ziel
lautete, die maximale Drehzahl und damit Topleistung bis hinauf in den siebten
Gang für die gesamte Renndistanz freizugeben. Auch das haben wir nun umgesetzt.
Damit sollten unsere Fahrer im Rennen bestens gerüstet sein. Das dritte Ziel
soll dafür sorgen, dass das so bleibt: kontinuierliche Weiterentwicklung durch
die Saison, um die Leistung weiter zu steigern. In Monaco lässt sich mit
schierer Power allein freilich nichts gewinnen, aber eine gute Fahrbarkeit des
Motors zahlt sich in den engen Kurven aus. Die Rascasse-Kehre am Hafen ist die
einzige Kurve in der ganzen F1-Saison, in der die Drehzahl selbst im ersten Gang
in den Bereich von 5000 U/min fällt.
Zahlen und Fakten
-
Logistisch sind die beiden unmittelbar aufeinander folgenden Grands Prix in
Monaco und auf dem Nürburgring harte Arbeit. Unmittelbar nach Rennende in Monte
Carlo werden die Fahrzeuge vor Ort zerlegt. Lediglich die FW26 Chassis selbst
reisen im Truck weiter zum Nürburgring. Die Mehrheit der Fahrzeugteile, darunter
die Lenkung, Fahrwerks- und Aufhängungsteile sowie die Getriebe, werden in die
WilliamsF1-Fabrik in Grove geflogen. Dort werden sie den üblichen gründlichen
Diagnosechecks unterzogen bzw. turnusmäßig ausgetauscht. Auch Verkleidungsteile
und Flügel reisen per Luftfracht nach Grove, um eine frische Lackierung für den
GP Europa zu erhalten. Die BMW P84 Motoren werden am Sonntagabend in Monte Carlo
ausgebaut und mit einem Lkw nach München gebracht. Frische Rennmotoren für den
Nürburgring werden von dort aus ebenfalls auf dem Landweg in die Eifel
transportiert.
- Die großen Trucks von WilliamsF1 und BMW sowie die Motorhomes fahren direkt
zum Nürburgring. Der erste Truck wird Monaco bereits am späten Sonntagabend
verlassen. Bis Montagabend um Mitternacht soll das gesamte Material von
WilliamsF1 aus Monaco in der Eifel sein. Die letzten Neuteile aus Grove und
München wird das Team am Mittwoch auf dem Nürburgring in Empfang nehmen.
- Hingegen bringen die aktuellen Umbauten der Boxenanlage in Monaco
Arbeitserleichterung für die Teams. Sie werden zum ersten Mal Garagen zur
Verfügung haben, in denen an den Autos gearbeitet werden kann. Bisher mussten
die Fahrzeuge stets zwischen Arbeitszelten im Fahrerlager und der Boxengasse
hin- und hergeschafft werden. Die alten Gebäude dienten im Wesentlichen als
Unterstand für die Tankanlage, Ersatzteile und Computer.
- Um die Erweiterung der Boxenanlage zu ermöglichen, wurde im Hafen von Monaco
aufgeschüttet. Der Streckenabschnitt zwischen Schwimmbad und Rascasse-Kurve
rückte ans Meer. So entstand zusätzlicher Platz für eine neue Boxengasse, die
nun auch auf der Meerseite des Hügels verläuft. Die Boxengasseneinfahrt ist im
Wesentlichen an derselben Stelle geblieben. Das neue Boxengebäude ist
zweistöckig angelegt. Unten sind die Garagen, darüber Büros. Die im Bereich der
früheren Boxengasse befindlichen Bäume wurden dem Umbau nicht geopfert. Daher
wachsen nun teilweise Äste durch die neuen Gebäude. Die Kontrollstände der Teams
sind an ihrem alten Platz an der Start- und Ziel-Geraden geblieben. Von dort aus
gibt es nun keinen Sichtkontakt mehr zu den Boxenstopps.
- Die Streckenlänge beträgt unverändert 3,340 Kilometer. Der Kurs in Monaco ist
die kürzeste GP-Strecke. Nirgendwo werden im Rennen mehr Runden gefahren (78).
Dennoch bedeuten 260,520 Kilometer die kürzeste Renndistanz der Saison.
- Der Große Preis von Monaco wird am Sonntag, dem 23. Mai 2004, zur üblichen
Europa-Startzeit um 14 Uhr freigegeben. Auch das Qualifying findet am Samstag
zur gewohnten Zeit statt. Am Freitag herrscht für die Formel 1 allerdings
Motorenruhe. Die ersten beiden freien Trainings werden bereits am Donnerstag
gefahren.
- Seit der offiziellen Zeitrechnung der Formel 1, seit 1950, wurden in Monaco 50
Grands Prix ausgetragen. Den ersten gewann Juan Manuel Fangio auf Alfa Romeo.
Damals betrug die Renndistanz 100 Runden bzw. 318 Kilometer.
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Juan
Pablo MontoyaWilliamsF1 feierte bisher drei Siege im Fürstentum: 1980 siegte Carlos
Reutemann, 1983 Keke Rosberg, 2003 siegte Juan Pablo Montoya für das BMW
WilliamsF1 Team. Die Poleposition erzielte 2003 Teamkollege Ralf Schumacher in
1.15,259 Minuten. Die schnellste Rennrunde fuhr Kimi Räikkönen im
McLaren-Mercedes in 1.14,545 Minuten.
- Monaco ist mit einer Fläche von 1,95 Quadratkilometern nach dem Vatikan der
zweitkleinste unabhängige Staat der Welt. Er besteht aus den Vierteln
Fontvieille, La Condamine, Monaco Ville und Monte Carlo. Insgesamt leben rund
32.000 Einwohner in dem als Spieler- und Steuerparadies bekannten Land, von
ihnen sind lediglich 16 Prozent echte Monegassen.
- Nach der Verfassung von 1962 ist Monaco eine konstitutionelle Erbmonarchie.
Staatsoberhaupt ist Fürst Rainier III. 1419 wurde Monaco mit Beginn der
Herrschaft der Grimaldi-Familie ein unabhängiger Staat.
Quelle: BMW Pressemitteilung vom 14.05.04
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