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Kategorie: China Formel1 01.01.1970
GP China - Vorschau
Erstmals wird in Shanghai ein Formel 1-Rennen ausgetragen
Zum zweiten Mal in dieser Saison bricht das BMW WilliamsF1 Team zu einer
Reise ins Unbekannte auf: Nach dem ersten Großen Preis von Bahrain im Frühjahr
steht nun das mit Spannung erwartete Debüt der Formel 1 in China an. 14 Wochen
nach seinem schweren Unfall beim Großen Preis der USA ist Ralf Schumacher
anerkanntermaßen wieder fit und wird auf dem neuen Kurs in Shanghai erstmals
wieder ein Rennen bestreiten.
Juan Pablo Montoya: Es ist schwer, für das Rennen irgendeine Prognose
abzugeben. Die Strecke ist für jedes Team neu, und das schafft in gewisser Weise
gleiche Bedingungen für alle. Wir werden sehen, wer am schnellsten die richtige
Abstimmung für die neue Strecke findet. Der Kurs wurde von Hermann Tilke
gestaltet, der seine Aufgabe schon in Bahrain und Malaysia gut gemacht hat. Ich
hoffe, der Kurs in Shanghai bietet gute Möglichkeiten zum Überholen und dadurch
ein spannendes Rennen für die Fahrer und eine gute Show für das Publikum.
Wir haben dieses Jahr ein paar Mal sehr knapp bessere Resultate verpasst.
Hoffentlich wendet sich das Blatt in China. Ich werde schon ein paar Tage früher
ins Land reisen und komme anlässlich eines Marketing-Termins auch nach Peking.
Ich war bisher noch nie in China und freue mich darauf, mich ein bisschen
umzusehen und eine andere Mentalität und Kultur kennen zu lernen. Die Große
Mauer zu besuchen, ist auf jeden Fall eine ganz besondere Art, meinen Geburtstag
zu verbringen.
Ralf Schumacher: Ich freue mich sehr, wieder Rennen fahren zu können,
vor allem nach den drei guten Testtagen. Ich habe es genossen, in Silverstone
wieder im Auto zu sitzen. Es ist erfreulich, wie sehr sich das Auto verbessert
hat, seit ich zuletzt damit unterwegs war. Ich hatte keinerlei
Rückenbeschwerden, aber das hatte ich auch nicht anderes erwartet. Nach dem
Training der vergangenen Monate fühle ich mich fit.
Die Strecke in Shanghai kennt noch keiner von uns, das macht die
Angelegenheit extrem spannend. Ich habe mir natürlich die Streckenskizze
angeschaut. Als ich vor einem Jahr an der Baustelle war, gab es diesbezüglich
noch nicht allzu viel zu sehen. Allerdings sahen die großen Gebäude und Tribünen
schon im Bau beeindruckend aus. Bevor ich mich auf den Weg nach China mache,
habe ich noch ein paar Marketing-Termine. Der Job hat mich wieder. Ohne jeden
Zweifel freue ich mich ganz besonders auf den Grand Prix in China.
Sam Michael (Technical Director WilliamsF1): Nachdem die Formel 1 nie
zuvor in Shanghai und in China überhaupt angetreten ist, hält dieser Einsatz
jede Menge Herausforderungen für uns bereit. Die Streckenführung ist
einzigartig, die Fahrer müssen in den freien Trainings intensiv arbeiten, um sie
schnellstmöglich zu erfassen. Für die Ingenieure wird ein wichtiger Teil der
Arbeit sein, eine gute mechanische Abstimmung für die engen Kurven zu finden.
Ralf wird in China wieder Juan Pablos Teamkollege sein. Seit Ralfs letztem
Einsatz in den USA hat sich das Auto sehr verändert, er hat sich an drei
Testtagen in Silverstone mit den Weiterentwicklungen vertraut gemacht. Antonio
Pizzonia hat in den Grands Prix für uns gute Leistungen gezeigt und unsere
Erwartungen übertroffen.
Das Lay-out des Kurses wirkt ziemlich gewunden, die meisten Kurven sind eher
langsam zu durchfahren, es gibt aber auch eine kurze
Hochgeschwindigkeitspassage. Drei Geradeausstücke könnten gute
Überholmöglichkeiten bieten, wobei das ohne große Leistungsunterschiede der
Fahrzeuge schwierig bleiben dürfte. Die erste Kurve wird im Verlauf zunehmend
enger. Das verspricht einen interessanten Start.
Wir haben seit dem letzten Rennen weitere Aerodynamik-Verbesserungen
vorgenommen, und Michelin wird zwei bekannte Reifenmischungen mitbringen. Davon
die richtige auszuwählen, wird die Hauptaufgabe am Freitag sein. In Ermangelung
von Streckendaten wird das schwieriger als sonst. Die Strategien könnten von den
mittlerweile üblichen drei Stopps abweichen. Dazu müssen wir erst einmal
herausfinden, wie groß der Zeitverlust durch die Fahrt an die Box tatsächlich
ist, den Gewichtsnachteil durch mehr Kraftstoff erfassen und Erfahrung bezüglich
Reifenverschleiß sammeln.
Mario Theissen (BMW Motorsport Direktor): Das Rennen in Shanghai ist
für die Formel 1 und natürlich auch für BMW von größtem Interesse. In China
leben 1,3 Milliarden Menschen, viele von ihnen werden erstmals mit der Formel 1
in Berührung kommen. Ich bin sehr gespannt, welche Wirkung die Formel 1 im Land
erzielt. Die Tatsache, dass man mit Autos auch Sport betreiben kann, ist nämlich
in China noch weitgehend unbekannt. China ist für BMW der gegenwärtig am
stärksten wachsende Markt mit enormem Potenzial. BMW produziert in China und ist
in der Luxusklasse bereits hervorragend etabliert. Mit dem Formel-1-Auftritt
werden nun die Kernwerte von BMW, Dynamik und Technologie-Kompetenz, in den
Vordergrund treten.
Die Anlage der neuen Rennstrecke wird wohl alles bisher Gesehene
übertreffen. Sie dürfte auch an den BMW P84 Motor hohe Ansprüche stellen: Es
gibt zwei lange Geraden, und die Außentemperaturen können leicht über 30 Grad
liegen. Bei den vergangenen beiden Grands Prix waren Podiumsplätze für uns zum
Greifen nah, und auch Juan Pablos Fahrt in die erste Startreihe in Monza hat
belegt, dass wir einen Schritt nach vorn gemacht haben.
Die Reise in das Land des Lächelns ist für alle Teams vor allem eine
logistische Herausforderung. Wir treten mit großer Neugier zum ersten Großen
Preis von China an und hoffen, dass wir außer neuen Eindrücken auch WM-Punkte
mit nach Hause nehmen können.
Zahlen und Fakten
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Der Shanghai International Circuit wurde auf insgesamt 5,3 Quadratkilometern
Fläche in einer Sumpflandschaft errichtet, etwa eine Fahrstunde entfernt von der
imposanten Skyline der Innenstadt. Streckenarchitekt war der Aachener Hermann
Tilke, der unter anderem auch für die Gestaltung der GP-Kurse in Malaysia und
Bahrain verantwortlich zeichnete.
- Binnen 18 Monaten wurde die neue Strecke unter schwierigen Bedingungen gebaut.
Um den sumpfigen Untergrund bebaubar zu machen, wurden 40 bis 80 Meter lange
Pfähle in den Boden geschlagen und später mit meterdickem Styropor belegt. Eine
zwei Meter hohe Schicht Erde komplettierte den Unterbau für den Asphalt.
- Die Streckenführung besteht in der Praxis aus sieben Rechts- und sieben
Linkskurven. (Die Radien der einzelnen Kurven variieren, daher sind auch andere
Zählweisen im Umlauf.)
- Das Lay-out greift das chinesische Schriftzeichen ?Shang? auf, das übersetzt
etwa ?hoch oben? bedeutet.
- Die Streckenlänge beträgt 5,451 Kilometer, die Renndistanz 305,256 Kilometer
(56 Runden).
- Der Kurs ist der fünftlängste im Formel-1-Kalender.
- Die längste Gerade ist nicht bei Start und Ziel, sondern liegt zwischen den
Kurven 13 und 14. Diese Vollgaspassage misst knapp 1,2 Kilometer.
- Die futuristischen Boxengebäude und Tribünen greifen traditionelle chinesische
Stilelemente auf. 200.000 Zuschauer-Plätze wurden eingerichtet.
- Der erste Große Preis von China, der 16. von 18 Läufen zur FIA
Formel-1-Weltmeisterschaft 2004, wird in Shanghai am Sonntag, dem 26. September,
um 14.00 Uhr Ortszeit gestartet. Das entspricht 07.00 Uhr in Deutschland.
- China bemüht sich schon seit Jahren um einen Grand Prix. Die erste dafür
vorgesehene Strecke entstand in Zhuhai im Süden des Landes, wurde aber nie
Formel-1-Austragungsort.
- Shanghai, Hafenstadt und Freihandelszone an der Ostküste nahe der
Jangtse-Mündung, ist Chinas Boom-Metropole. 14,6 Millionen Einwohner leben in
Shanghai und dem aufstrebenden Zentrum Pudong, in dem auch der Flughafen liegt.
- BMW steigerte den Absatz auf den chinesischen Märkten (Mainland China, Hong
Kong und Taiwan) in den ersten acht Monaten 2004 auf 16.620 Automobile. Das
bedeutet eine Verbesserung um 23,9 % gegenüber dem entsprechenden
Vorjahreszeitraum. Knapp die Hälfte der verkauften Fahrzeuge (7.440) wurde in
China hergestellt. Sie stammen aus dem lokalen BMW Produktions-Joint-Venture BMW
Brilliance Automotive Ltd, wo seit einem Jahr Modelle der 3er und 5er Reihe
produziert werden.
- Am Samstag und Sonntag trägt die Formula BMW Asia im Rahmen des F1-GP ihre
Läufe 11 und 12 von insgesamt 14 Rennen aus. In der international etablierten
Nachwuchsklasse von BMW starten junge Talente mit 140 PS starken und bis zu 230
km/h schnellen Monoposti. Bekanntester Pilot im Starterfeld ist Schriftsteller
Han Han (22, Shanghai). Als Sieger der Gesamtwertung steht schon jetzt Marchy
Lee aus Hongkong (Team Meritus) fest.
Quelle: BMW Pressemitteilung vom 17.09.04
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