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Kategorie: Klassik Produktion Werk 02.04.2026
BMW Werk München: Der Wandel liegt in den Genen - Die Historie und Transformation, Meilensteine
- Mehr als 100 Jahre Geschichte halten das Werk jung
- Erstes bestehendes Werk, das vollständig auf die Produktion von Elektrofahrzeugen umstellt
- Zum zweiten Mal stellt eine Neue Klasse die Weichen für die Zukunft

BMW Group Werk München Zukunftsvision Urbane Produktion, Luftbild
In seiner mehr als 100-jährigen Geschichte hat das Werk München sich immer wieder erfolgreich neu erfunden und der Zeit angepasst. Gestartet als Motorenschmiede über die erste Produktion von Motorrädern und Automobilen, entwickelte sich das BMW Stammwerk zur Geburtsstätte der BMW 3er Reihe und bereitete zudem den Weg des Unternehmens in die Elektromobilität. Jetzt wird der Standort das erste bereits bestehende Werk aus dem weltweiten Produktionsnetzwerk der BMW Group sein, das den vollständigen Wechsel zur Fertigung von ausschließlich vollelektrischen Fahrzeugen vollzieht – und dies im laufenden Produktionsbetrieb. Dabei steht das Werk München wie kein anderer Standort des Unternehmens für den Leitspruch: „Wir können Wandel“. Und bereits zum zweiten Mal spielt dabei eine Neue Klasse eine Hauptrolle.
Anfänge als Motorenbauer und mit ersten Motorrädern
Die Geschichte des Werks München beginnt 1922, als das Unternehmen im Münchner Norden und damals weit außerhalb der Stadtgrenze das Gelände der ehemaligen Gustav-Otto-Flugwerke bezieht und dort Kleinmotoren für verschiedene Motorradhersteller sowie Stationär- und Einbaumotoren produziert. Schon ein Jahr später folgt das erste eigene Motorrad: die BMW R 32. Sie legt auch den Grundstein für eine erste Werkserweiterung. Unter anderem entstehen eine Härterei und die Leichtmetallgießerei, die schnell für ihre hohe Qualität bekannt wird. Auch erfolgreiche Flugzeugmotoren entstehen in den 1930er-Jahren in München, unter anderem für die legendäre JU 52.

BMW Group Werk München. Im Bild: Neue Klasse der 1960er Jahre.
Neuaufstellung in der Nachkriegszeit
Nach Kriegsschäden und Demontagen wird 1945 die Fertigung wiederaufgenommen – zunächst mit Aluminiumkochtöpfen und anderen Haushaltsartikeln. 1948 läuft mit der BMW R 24 die Motorrad-Serienproduktion wieder an. 1952 folgt das erste in München produzierte BMW Automobil, der BMW 501, 1954 der erste V8-Motor der Nachkriegszeit im BMW 502. Die BMW Isetta, die ab 1955 über 160.000 Mal gebaut wird, wird zu einem Symbol der Wirtschaftswunderzeit und sichert angesichts der aufkommenden Motorradkrise Arbeitsplätze in München.
Zu Beginn der 1960er-Jahre vollzieht das Werk München seine bis dahin größte Transformation. Auf einige Abbrucharbeiten folgt der Neubau der heute legendären Halle 140 – geplant nach den seinerzeit neuesten Erkenntnissen der Fertigungstechnik. Hier befindet sich fortan die Endmontage der Neuen Klasse – einer ganz neuen Fahrzeuggeneration, deren Produktion 1962 mit dem BMW 1500 beginnt und schon 1965 die Marke von 100.000 Fahrzeugen erreicht. Die 1966 eingeführte Modellreihe BMW 02 wird zu einem Kassenschlager und etabliert BMW mit Sportlichkeit und Dynamik fest im Automobilmarkt. Um Platz und Kapazitäten für die bald erfolgreichste BMW Baureihe zu schaffen, wird die traditionsreiche Motorradfertigung 1969 aus dem Werk München vollständig nach Berlin-Spandau verlegt.
Start der BMW 3er Reihe und Beginn der Automatisierung

BMW Werk (oben), BMW Welt (links), BMW Hochhaus (rechts) und BMW Museum am Olympiapark in München.
Das konstante Wachstum setzt sich in den 1970er-Jahren mit der Einführung der ersten BMW 3er Reihe fort. Die geplanten hohen Stückzahlen erfordern hohe Investitionen in den Maschinenpark. Damit nimmt die Automatisierung der Produktion im Werk München ihren Anfang, es folgt eine weitere Optimierung der Werksstruktur mit einer Reihe von Um- und Neubauten. 1979 wird das Pilotwerk aufgebaut, in dem jede geplante Serienfertigung zuerst erprobt wird. Die aus dem Pilotwerk gewonnenen Erkenntnisse helfen beim Aufbau der Produktionsprozesse in anderen Werken. In den frühen 1980er-Jahren kommen die ersten Industrieroboter zum Einsatz, die das Bild der Fertigungsstraße bis heute prägen und die Prozesse erheblich verbessern. Mitarbeitende können höherqualifizierte Aufgaben übernehmen die Anzahl der produzierten Fahrzeuge wird bedeutend gesteigert. Hand in Hand hiermit wird 1985 die Just-in-time-Fertigung (JIT) eingeführt.
Einstieg in die Elektromobilität
Im Werk München beginnt auch das Zeitalter der Elektromobilität für die BMW Group, die während den Olympischen Spielen 1972 mit zwei vollelektrischen Begleitfahrzeugen bereits erste Erfahrungen in der E-Mobilität gesammelt hat. 2007 startet das Project i, aus dem der erste BMW i3 und der BMW i8 hervorgehen. Die Serienfertigungsprozesse für diese Modelle werden im Werk München erprobt. Außerdem entsteht im Werk München 2008 in einer Kleinserie der MINI E, der dort seinen Antriebsstrang und den Hochvoltspeicher erhält. 2015 läuft der erste BMW 3er Plug-in-Hybrid vom Band, 2021 folgt der vollelektrische BMW i4. Seither fertigt das Werk München Verbrenner, Plug-in-Hybride und vollelektrische Fahrzeuge auf einer Produktionslinie.
Neue Klasse, die Zweite, trifft die BMW 3er Reihe
Aktuell ist es wieder eine Neue Klasse, die das Gesicht und die Arbeit des Werks München nachhaltig verändert. Parallel zur laufenden Produktion von täglich rund 1.000 Fahrzeugen haben mehrere Großbaustellen den Weg frei gemacht für den Anlauf der Neuen Klasse ab 2026. Die Investition von 650 Millionen Euro beinhaltet insgesamt vier Gebäude, darunter eine neue Fahrzeugmontage inklusive Logistikflächen und einen neuen Karosseriebau. Um den nötigen Platz auf der begrenzten Fläche des Werks mitten in München zu schaffen, wurde die traditionsreiche Motorenfertigung in der Halle 140 nach rund 70 Jahren im Stammwerk an die Standorte Hams-Hall in Großbritannien und Steyr in Österreich verlagert. Außerdem wurde die Fläche der 2018 stillgelegten alten Lackiererei genutzt, die 2017 einen modernen Nachfolger erhalten hat.
Das Werk München wird mit den Umstrukturierungen zum ersten bestehenden Standort der BMW Group, der ab Ende 2027 ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge produzieren wird. Nachdem im komplett neuen Werk Debrecen der BMW iX3 als erster Vertreter der Neuen Klasse angelaufen ist, folgt in München ab August 2026 der neue BMW i3. Damit laufen im Stammwerk zwei wichtige Fäden zusammen: die Elektromobilität und die traditionsreiche BMW 3er Reihe.
Meilensteine des BMW Group Werk München

Produktion BMW R 32, 1923 (links), Produktion BMW Isetta (rechts)
1922: Die Bayerische Motoren Werke AG etabliert ihren Stammsitz an der Lerchenauer Straße in München, einige Kilometer außerhalb des damaligen Stadtkerns und nördlich des heutigen Olympiaparks.
1923: Das erste BMW Motorrad, das Modell R 32, wird gefertigt. Ab Mitte der 1920er Jahre vergrößerte sich das Werks-Areal von 140.000 auf rund 216.000 Quadratmeter.
1930: BMW stellt neben den Reihenmotoren für Flugzeuge auch Sternmotoren her. Ab 1934 läuft der erste von BMW entwickelte große Sternmotor vom Band, der auch in der legendären JU 52 eingesetzt und bis 1945 in München gebaut wird.
1948: Mit dem Einzylinder-Motorrad R 24 beginnt die Fahrzeug-Serienproduktion nach dem Zweiten Weltkrieg.
1952: Erstmalig werden mit dem BMW 501 Automobile in München produziert.
1954: Die Motorradproduktion erreicht mit 30.000 gefertigten Exemplaren pro Jahr einen ersten Höhepunkt, wegen der Motorradkrise bricht der Absatz aber in nur drei Jahren auf 5.400 Stück zusammen.
1955: Im April beginnt die Fertigung der BMW lsetta, deren Erfolg die Arbeitsplätze im Werk München sichert.
1962: Mit dem BMW 1500 geht Mitte 1962 das erste Modell der Neuen Klasse in Produktion. Die sportlich ausgelegten, viertürigen Mittelklassewagen legen den Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg von BMW.
1965: Ende August wird das hunderttausendste Fahrzeug der Neuen Klasse gefertigt.
1968/69: Die Verlagerung von Teilen der Produktion nach Dingolfing und Berlin beginnt. Nach 46 Jahren läuft die BMW Motorradproduktion in München aus.
1975: Für die erste BMW 3er Reihe werden im Werk München die Fertigungsanlagen neu erstellt. Mit der Umstellung können die Fahrzeuge erstmals schon im Rohbau kundenspezifisch gefertigt werden.
1977: Nach einer Bereinigung der Werksstruktur kommen die BMW 3er Reihe sowie alle Motoren für BMW Automobile aus München.
1978/79: Die BMW Werke werden an die neuen Produktionsumfänge angepasst. Das Werk München bekommt mit einer Reihe von Um- und Neubauten ein neues Gesicht. Dabei wird unter anderem auch das 1934 errichtete Südtor an der Dostlerstraße abgerissen und neu gestaltet.
1981: Am 20. Juli muss das Stammgebäude des Werks den Strukturmaßnahmen weichen.
1986: Obwohl die Entwicklungsabteilungen Schritt für Schritt aus dem Werk ausgelagert und im neuen Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) zusammengefasst werden, können wegen der Lage der Fabrik in der Stadt die angestrebten Produktionsziele nur durch Optimierung und Automatisierung der Fertigungsabläufe erreicht werden.
2001: Die Auszeichnung als Bestes Automobilwerk in Europa und damit der Plant Award in Gold geht 2001 erstmals an das Werk München und bescheinigt das erstklassige Qualitätsniveau der BMW Produktion.
2003: Das Werk München erhält den Umweltpreis der Stadt München.
2008: Im Rahmen von Project i wird eine Kleinserie des MINI E im Werk München hergestellt.
2010: Die Weltpremiere der sechsten BMW 3er Generation findet im Werk München statt. Im Presswerk wird die Highspeed Servo-Presse in Betrieb genommen.
2014: Das BMW Group Werk München gewinnt den Lean Award in der Kategorie „OEM“. Für die Teileversorgung nimmt ein zu 100 Prozent elektrisch betriebener Lkw den Betrieb auf.
2015: Im April findet die Grundsteinlegung für die neue Lackiererei statt.
2016: Im Werk München läuft das zehnmillionste Fahrzeug vom Band. Das Werk wird mit dem Ludwig-Erhard-Preis ausgezeichnet.
2017: Im Mai wird die neue Lackiererei, eine der modernsten der Automobilindustrie, in Betrieb genommen. Mit diesen Investitionen bereitet sich das Werk auf die Zukunft vor.
2019: Mit einem Investitionspaket von 200 Millionen Euro werden Gebäude, Fertigungsanlagen und Logistiksysteme bis 2021 auf die Serienfertigung des BMW i4 vorbereitet.
2020: Die BMW Group gibt bekannt, den traditionsreichen Münchner Motorenbau bis zur Mitte des Jahrzehnts an die BMW Group Standorte Steyr (Österreich) und Hams Hall (Großbritannien) zu verlagern. Auf der Fläche des Motorenbaus entsteht eine neue, komplett auf elektrifizierte Fahrzeuge ausgerichtete Montage und Logistik. Der ambitionierte Zeitplan sieht vor, dass vom ersten Tag des Abrisses bis zur Inbetriebnahme und dem Bau der ersten Fahrzeuge nur etwas mehr als zwei Jahre vergehen. Parallel entsteht auf der Fläche der seit 2018 stillgelegten alten Lackiererei ein neuer Karosseriebau. Die zwei Neubauten ermöglichen die Serienproduktion der Neuen Klasse im Werk München ab dem Jahr 2026.
2021: Mit dem Produktionsstart des BMW i4, des ersten vollelektrischen Gran Coupes der BMW Group, werden im Werk München fünf verschiedene Modelle mit allen verfügbaren Antriebsvarianten (Verbrenner, Plug-in Hybrid und vollelektrisch) auf einem Band gefertigt.
2022: Das Werk München feiert den 100. Geburtstag.
2026: Die Neubauten von Montage und Karosseriebau mit insgesamt 200.000 Quadratmetern neuer Produktionsfläche werden fertiggestellt und in Betrieb genommen. Zudem wurden die Logistiksysteme der Münchener Fertigung grundlegend modernisiert und in die bestehenden Strukturen integriert. Die Serienproduktion des neuen BMW i3, des ersten im Werk München gefertigten Modells der Neuen Klasse, wird der zweiten Jahreshälfte anlaufen.

BMW Werk Milbertshofen, 20er Jahre
Quelle: BMW Presse Mappe vom 02.04.2026
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