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Historie: BMW und die Mille Miglia.Ende 1925 fassten vier rennbegeisterte und wohlhabende junge Männer in Italien einen für den Automobilsport schwerwiegenden Entschluss: Sie riefen ein Straßenrennen ins Leben, das viele Kenner für das schwerste und gleichzeitig attraktivste Rennen dieser Art halten – die Mille Miglia. Trotz enormer organisatorischer und bürokratischer Hindernisse konnte im Frühling 1927 die erste Mille Miglia in Brescia gestartet werden. Unter abenteuerlichen Verhältnissen, meist auf unbefestigten Straßen, über Pontonbrücken und durch enge Ortschaften, führte die Strecke 1018 äußerst strapaziöse Meilen von Brescia über Bologna und Florenz nach Rom und schließlich über Ancona, Ferrara, Treviso und Vicenza zum Ausgangspunkt zurück. Den Fahrern und ihren Automobilen wurde dabei das Äußerste abverlangt. Nicht zuletzt sollte dieses Rennen von der Qualität italienischer Automobile künden. Dies gelang auch eindrucksvoll. Unter den ersten Zwanzig der Gesamtwertung fand sich lediglich ein Bugatti als Vertreter des Automobilbaus außerhalb Italiens. Die klare Dominanz italienischer Rennsportwagen sollte fast alle bis 1957 ausgetragenen Läufe der Mille Miglia prägen. Waren es vor dem Zweiten Weltkrieg die „roten Renner aus Portello“, Alfa Romeo Wagen, die 10 von 13 Rennen für sich entschieden, so ging ab 1947 der Stern von Ferrari auf. Unter dem Markenzeichen des schwarzen „cavallino rampante“ führte der Commendatore seine Rennboliden achtmal zum Gesamtsieg. Die Mille Miglia verströmte von Anfang an eine unvergleichliche Atmosphäre. Zehntausende säumten bei jedem Wetter auch die abgelegensten Abschnitte des Rennens in den Bergen des Apennin. Beginn und Ende des Rennens in Brescia wurden stets zum Volksfest. Rennfahrer-Stars wie Piero Taruffi, Rudolf Caracciola, Luigi Villoresi, Tazio Nuvolari, Stirling Moss, Juan Manuel Fangio, Huschke von Hanstein und zahllose andere sorgten für begeisternde und dramatische Rennszenen. Ganz Italien glühte im Rennfieber, wenn die Mille Miglia im Frühjahr manchmal mehr als 400 Konkurrenten in mehreren Klassen auf die Strecke schickte. 1931 allerdings sorgte zum ersten Mal der Erfolg eines ausländischen Fabrikats bei den sieggewohnten italienischen Tifosi für Enttäuschung, als Rudolf Caracciola auf einem mächtigen Kompressor-Mercedes SSKL die Konkurrenz hinter sich ließ. Für das internationale Flair des Rennens war dieser Sieg von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Danach schien es lange Zeit geradezu unmöglich, die Dominanz von Alfa Romeo zu durchbrechen. Die eleganten Wagen mit ihren mächtigen Achtzylinder-Reihenmotoren zwischen 2,3 und 2,9 Litern Hubraum, ausgerüstet mit Rootes-Kompressoren und zwischen 178 und 360 PS stark, waren nicht zu schlagen. 1936 tauchte plötzlich ein neuer Sportwagen auf Europas Rennstrecken auf: der BMW 328, ein im Vergleich zu den Alfas geradezu zierliches und mit 80 PS serienmäßiger Leistung nicht eben bärenstarkes Automobil. Doch dieser Wagen sollte schließlich ein enormes Potential entwickeln. In kürzester Zeit gewannen die leichten und kompakten offenen BMW 328 so ziemlich alles, was es in der Klasse bis 2 Liter Hubraum zu gewinnen gab. Manche Rennen trugen die meist weiß lackierten Roadster aus Eisenach mangels Konkurrenz fast unter sich aus. 1938 kam es zum ersten großen Vergleich zwischen Alfa Romeo und BMW bei der Mille Miglia und zum ersten Auftritt von BMW bei diesem Rennen. Vier Werkswagen gingen an den Start. Der Brite A. F. P. Fane gewann in der Zweiliter-Klasse auf BMW 328 souverän; in der Gesamtwertung Lgen die BMW auf den Plätzen 8, 10, 11 und 12. Der Durchbruch war gelungen: Neben der Auto Union und Mercedes-Benz hatte sich BMW zum dritten bedeutenden Hersteller von Rennsportwagen in Deutschland entwickelt. In Bologna aber kam es zu einem verheerenden Unfall: zehn Tote und zahlreiche Verletzte – das Schicksal des Straßenrennens war besiegelt: Schon am nächsten Morgen verbot die Regierung alle Rennveranstaltungen auf städtischen Straßen. 1939 gab es keine Mille Miglia mehr. Statt dessen wurde in Libyen ein Rennen
ausgetragen, das sich zu einer Kraftprobe zwischen den Mailänder und Münchener
Sportwagenherstellern entwickelte. In Italien wurde inzwischen fieberhaft über einen Ersatz für die weltberühmte Mille Miglia debattiert. BMW gewann mittlerweile in Le Mans mit einem 328 Coupé mit Leichtmetallkarosserie von Touring, dem in Mailand ansässigen „Hausschneider“ des Erzrivalen Alfa Romeo. Weitere 328 Boliden mit leichten, aerodynamisch geformten Karosserien standen in München kurz vor der Vollendung. Schließlich wurde für Ende April 1940 der „1. Gran Premio Brescia delle Mille Miglia“ als Ersatz für das traditionelle Rennen angekündigt. Um möglichst jedes Risiko zu vermeiden, war hierfür ein ebener und mit wenigen Kurven durchsetzter Kurs ohne Stadtdurchfahrten und auf guten Straßen zwischen dem Städtedreieck Brescia, Mantua und Cremona ausgewählt worden. Aus Rom kam schließlich die Erlaubnis zur Durchführung. BMW aber rann unterdessen die Zeit davon. Fünf BMW 328 sollten eingesetzt werden, alle in Leichtbauweise. Doch nur drei Wagen, zwei Stromliniencoupés und ein Roadster, waren rennfertig und traten im März 1940 auf eigener Achse den Weg über den Brenner nach Italien an: siegessicher und mit dem festen Vorsatz, noch ausgiebig trainieren zu wollen. Zwie weitere Roadster wurden nach BMW Entwürfen in letzter Minute von Touring karosseriert. Europa aber stand in diesen Tagen politisch am Abgrund. Hitler hatte Polen überfallen und bereitete die Invasion Belgiens, der Niederlande und Frankreichs vor, das zusammen mit England dem Dritten Reich bereits den Krieg erklärt hatte. Die Stimmung war gedrückt. England lehnte eine Beteiligung an den 1000 Meilen von Brescia ab. Trotzdem wurde am 28. April die Startflagge gehoben. Der 103 Meilen lange Kurs war neunmal zu umrunden. Von Anfang an setzten sich Fritz Huschke von Hanstein und Walter Bäumer im BMW 328 Touring Coupé, dem Siegerwagen von Le Mans, an die Spitze, dicht gefolgt vom zweiten 328 Coupé und den 2,5 Liter Alfa Romeos. Bis zur Zieldurchfahrt ließen sich die beiden Deutschen nicht mehr von der Spitze verdrängen. Erst mit rund einer Viertelstunde Verspätung raste der zweitplazierte und überlegen motorisierte Alfa Romeo 6C 2500 SS ins Ziel. Mit 166,724 km/h mittlerer Geschwindigkeit stellte das Duo Von Hanstein/Bäumer einen legendären Mille-Miglia-Rekord auf, der auch nach dem Krieg unerreicht bleiben sollte. Allerdings ist anzumerken, daß diese Mille Miglia in jeder Hinsicht eine Ausnahme darstellte und nicht mit der Streckenführung früherer oder späterer Rennen gleichen Namens verglichen werden kann. Die Mille Miglia von 1940 erlebte vier BMW 328, die wohlbehalten ans Ziel kamen. Der fünfte Wagen musste wegen eines Defekts aufgeben. BMW oder Alfa – das Rennen war eindeutig ausgefallen: Mit den BMW Wagen auf den Plätzen 1, 3, 5 und 6 waren die sieggewohnten Alfa Romeos förmlich entzaubert worden. Kurz nach diesem phänomenalen Erfolg für BMW mussten alle Rennaktivitäten in Europa eingestellt werden. Der Kontinent wurde vom Zweiten Weltkrieg erschüttert. Drei BMW 328 Roadster, die von der Obersten Nationalen Sportbehörde bei Touring in Auftrag gegeben worden waren, eine Rennversion mit besonders flacher und leichter Superleggera-Karosserie, kamen nicht mehr zum Einsatz. Nach dem Krieg startete in einem verarmten und von den Kriegshandlungen vielerorts verwüsteten Italien 1947 wieder eine Mille Miglia auf zum Teil erbärmlich schlechten Straßen. Nun begann der glanzvolle Aufstieg des Hauses Ferrari. Nach dem Debutsieg von Alfa Romeo gelang es nur Mercedes 1955 mit dem legendären Typ 300 SLR, diese Macht einmal zu brechen. Wieder führte die Strecke über rund 1000 Meilen von Brescia nach Rom, wobei zweimal das Gebirge des Apennin zu überqueren war. Doch die Tage dieses großen Rennens waren gezählt. Immer riskanter wurde es, die von Jahr zu Jahr stärker und schneller werdenden Rennsportwagen über die öffentlichen Straßen zu jagen und sicher ins Ziel zu bringen. Oft waren mehr als 400 Autos unterwegs. Die Zuschauer sahen Kuriositäten wie etwa im Jahr 1954, als sieben ISO Kleinstwagen, Vorläufer des BMW Motocoupés Isetta, das Rennen tapfer absolvierten. Immer mehr Klassen wurden zugelassen, sogar Dieselfahrzeuge gehörten einmal zum Bild der Mille Miglia. Am 12. Mai 1957, gegen Ende der 24. Mille Miglia, geschah, was viele Kritiker längst befürchtet hatten: Auf gerader Strecke verlor der Fahrer eines über 400 PS starken Ferrari bei mehr als 200 Stundenkilometern die Gewalt über seinen Wagen und raste in eine Zuschauermenge. Die Zahl der Toten, der Anblick des Blutbades, der an das schwere Unglück in Bologna von 1938 erinnerte, zwang die Verantwortlichen zu handeln. Der tragische Unfall bedeutete das endgültige Aus für die Mille Miglia. BMW schickte nach 1945 keine Werksmannschaften mehr nach Italien. So kam es, dass nur mehr ein Privatfahrer auf einem BMW 507 im Jahr 1957 an dem traditionsreichen Straßenrennen teilnahm – zum letzten Mal war damit ein Wagen mit dem weiß-blauen Markenzeichen in Brescia an den Start gegangen. Doch die unübertroffene Faszination dieses Rennens sollte weiter wirken. 1977 organisierten einige einflussreiche Enthusiasten die erste Mille Miglia für historische Fahrzeuge, um dieses ruhmreiche Rennen, das mit seinen wunderbaren Triumphen sowie mit seinen tragischen Unfällen so oft für Schlagzeilen gesorgt hatte, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Auf einem reizvollen, den originalen Strecken angenäherten Kurs wird seither alljährlich die Zuverlässigkeit der klassischen Rennsportfahrzeuge und Tourenwagen unter Beweis gestellt. Jeder Typ, der einst an den Start ging, ist grundsätzlich zugelassen, Ausnahmen werden großzügig gestattet. Es ist dies auch ein gesellschaftliches Ereignis, das die Rückschau auf eine bewegte Renngeschichte mit den Annehmlichkeiten des modernen Tourismus auf attraktive Weise verbindet. 1992 und 1996 gewannen klassische BMW Sportwagen, ein 507 und ein 328 Mille Miglia Roadster, die Veranstaltung. 1998, 2000 und 2002 konnten Giuliano Cané und Lucia Galliani auf einem BMW 328 MM/BMW 328 MM Touring den Gesamtsieg erringen. Einen Höhepunkt des Engagements der BMW Group Mobile Tradition bildete im Jahr 2003 die Teilnahme von König Carl Gustaf XVI von Schweden. Er bestritt die Mille Miglia zusammen mit Prinz Leopold von Bayern auf BMW 328 Touring Roadster. Im gleichen Jahr gewannen Boni/Barziza den Damenpokal. All diese Erfolge belegen, dass der Name BMW mit der Rennlegende Mille Miglia auch in unserer heutigen Zeit eng verbunden bleibt. Quelle: BMW Pressemitteilung vom 4.05.04 |
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