21.09.2007
Simulation - Computertechnik und Erfahrung
Vorbereitung auf die Rennstrecke in Fuji
München/Hinwil, 21. September
2007. Am Wochenende des 30. September gastiert die Formel 1 im japanischen
Fuji - auf einer Strecke, auf der bisher kein aktueller Formel-1-Rennwagen eine
Runde drehte. Dennoch werden die Autos des BMW Sauber F1 Teams bereits am
Freitagmorgen eine Abstimmung haben, die dem Optimum schon sehr nahe kommt.
Aufwändige Simulationsprogramme und die mit Unterstützung von Intel ausgebaute
Computer-Kapazität machen es möglich. Aber ohne Erfahrung ginge es auch nicht.
Ende 2006 erhielten die Simulations-Spezialisten des BMW Sauber F1 Teams die
Daten der neuen Fuji-Strecke als CAD-Datei (Computer Aided Design) vom
Organisator in Japan. Auf Basis dieser Datei legte ein Spezialist mit Hilfe
eines Computer-Programms zunächst die Ideallinie fest, welche die Piloten
voraussichtlich fahren werden. Dabei wurde die Strecke in zwei Schritten in 500
bis 800 Segmente aufgeteilt. Für jeden einzelnen Abschnitt wurden die Radien
bestimmt und somit die Ideallinie numerisch definiert.
Anschließend konnte das Bild um eine Dimension erweitert werden: Das
Höhenprofil der Rennstrecke wurde eingepflegt. Steigungen und Gefälle haben
insbesondere bei langen Geraden einen erheblichen Einfluss auf die
Geschwindigkeit. "Um während des Rennwochenendes keine kostbare Zeit zu
verlieren", sagt Willy Rampf, Technischer Direktor des BMW Sauber F1 Teams,
"müssen wir bereits vorher eine möglichst genaue Vorstellung vom Abtriebsniveau,
der Getriebeübersetzung und der Bremsspezifikation haben." Zuerst wird die
mechanische Abstimmung des Autos definiert. Das beginnt mit der
Gewichtsverteilung, die man aufgrund von Erfahrungswerten von vergleichbaren
Strecken festlegt. Anschließend werden die Feder- und Dämpferkennung bestimmt.
Auch dies geschieht auf Basis von empirischen Werten. Rampf: "Dabei ist es
natürlich von Vorteil, dass Fuji so weit hinten im Rennkalender steht. Wir haben
im Laufe der Saison sehr viele Daten mit dem F1.07 gesammelt, die wir hier
nutzen können." Als nächstes kommt das Runden-Simulationsprogramm ins Spiel.
Dabei handelt es sich um eine ganz spezielle, von den Ingenieuren des BMW Sauber
F1 Teams entwickelte Software, mit der sich Rundenzeiten simulieren lassen.
Hierbei testet man das Fahrzeug zunächst mit unterschiedlichen Abtriebsniveaus:
Man lässt es quasi in einer bestimmten Konfiguration fahren, und das Programm
errechnet daraus die Rundenzeit. Auf diese Weise wird der optimale Anpressdruck
ermittelt. Im Falle von Fuji hat sich ein mittleres Abtriebsniveau als bester
Kompromiss ergeben. Kurz vor dem Rennen werden dann nochmals zahlreiche
Feineinstellungen der Flügel verglichen, um weitere Optimierungen vorzunehmen.
Nun geht es an die Festlegung der idealen Getriebeabstufung. Aufgrund der
errechneten Höchstgeschwindigkeit, die auf der langen Geraden von Fuji zwischen
320 bis 330 km/h betragen wird, legt man als erstes den siebten Gang fest. Dann
folgt der erste Gang, bei dem es eine Rolle spielt, ob er nur beim Start oder
auch während der Runde gebraucht wird. Die restlichen fünf Gänge werden auf
Basis der Leistungskurve des Motors berechnet. Unter Berücksichtigung von
Abtriebsniveau und Streckencharakteristik ist die Rundensimulation in der Lage,
den Belastungsgrad der Bremsen zu ermitteln. Einfach ausgedrückt geht es darum,
herauszufinden, ob die Bremsen hoch, mittel oder niedrig beansprucht werden.
Aufgrund dieser Resultate bestimmt man das Material der Bremsscheiben und Beläge
sowie die Spezifikation der Bremssättel. Ebenfalls mittels Simulation wird der
Bedarf an Kühlluft für die Bremsen definiert. Die Bremsbelüftung spielt eine
wichtige Rolle für die Aerodynamik: Je kleiner die Öffnungen, desto mehr Abtrieb
produziert das Auto. Auch die raffinierteste Berechnung muss mit zwei großen
Unbekannten leben: Die eine ist der Grip der Asphaltoberfläche, die andere ist
der Reifenverschleiß. Rampf: "Wie sich die Reifen im Fahrbetrieb tatsächlich
verhalten, sehen wir erst im Training, nachdem wir Long-Runs gefahren sind. Also
etwa zehn Runden am Stück mit beiden Reifenmischungen." Diese Informationen
sind die Grundlage für das erste Strategie-Meeting, das am Rennwochenende nach
den beiden ersten freien Trainings stattfindet. Dabei werden sämtliche Daten
ausgewertet und Optimierungen vorgenommen. Die gesammelten Daten werden auch
in das Strategie-Simulations-Programm eingegeben. Basierend auf allen
vorliegenden Informationen rechnet dieses dann alle möglichen Rennstrategien
durch und zeigt den Ingenieuren auf die Sekunde genau, wie schnell eine Ein-,
Zwei-, oder Dreistopp-Strategie wäre. Zusätzlich fließen weitere Faktoren ein,
etwa die Wettervorhersage oder die Streckencharakteristik, die bestimmt, ob man
eher leicht oder nur sehr schwer überholen kann. In den folgenden
Strategie-Meetings am Samstag und am Sonntag vor dem Rennen werden die
Erkenntnisse überprüft und gegebenenfalls um neue Informationen ergänzt.
"Unsere Zielsetzung ist es, dass die mittels Simulation berechnete Rundenzeit
und Höchstgeschwindigkeit nicht mehr als ein Prozent von den effektiven Werten
abweichen", gibt Rampf einen Hinweis darauf, welch hohe Genauigkeit diese
Berechnungen haben. Quelle: BMW Presse-Mitteilung vom 21.09.2007
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