26.03.2007
Rückblick auf zehn Jahre BMW Group Award für Interkulturelles Lernen
Prämierung der Preisträger 2007
München. Im Rahmen der feierlichen Jubiläumsveranstaltung zum
zehnjährigen Bestehen des BMW Group Award für Interkulturelles Lernen übergab
Ernst Baumann, Mitglied des Vorstands der BMW AG, heute den sechs Preisträgern
der Ausschreibung 2006 ihre Auszeichnungen. Deren Visionen für die Gestaltung
interkultureller Gesellschaften sowie der Rückblick auf eine Fülle von
herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten und ambitionierten Projekten aus der
Praxis standen im Mittelpunkt der feierlichen Zeremonie in der Konzernzentrale
der BMW Group, die von Gastredner Dr. Frank Schirrmacher (Herausgeber der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung) eröffnet wurde.
Preisträger des BMW Group Award für Interkulturelles Lernen
"Zehn Jahre BMW Group Award für Interkulturelles Lernen - dieses Jubiläum
steht für mehr als 40 ausgezeichnete Projekte und wissenschaftliche Arbeiten. Es
steht des Weiteren für einige Hundert ebenfalls preiswürdige Ansätze und Ideen
von Men¬schen aus aller Welt zu einem Thema, das in diesem Zeitraum
kontinuierlich an Bedeutung gewonnen hat", so Ernst Baumann in seiner
Begrüßungsrede an die über 300 geladenen Gäste. "Für ein international
agierendes Unternehmen wie die BMW Group hat der Dialog zwischen den Kulturen
einen besonders wichtigen Stellenwert. Mit dem BMW Group Award und dem
übergeordneten LIFE-Konzept haben wir das Thema Interkulturelles Lernen vor zehn
Jahren deshalb auch zu einem festen Bestandteil unseres gesellschaftspolitischen
Engagements gemacht." Welche Impulse der Award und seine Preisträger der
weltweiten Verbreitung interkulturellen Lernens geben konnten, ist in der
Festschrift, die die BMW Group aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums herausgibt,
umfassend dokumentiert.
"Wir müssen", forderte Dr. Frank Schirrmacher in seiner Gastrede, "das Fremde
anerkennen lernen, wenn wir selbst anerkannt sein wollen. Das ist ein Prozess,
der sich nur in der Praxis vollziehen kann - deshalb sind Bildungsanstrengungen
von doppelt existentieller Bedeutung."
Das übergeordnete Ziel, in der Begegnung mit Fremden den eigenen Horizont zu
erweitern, eint alle Gewinnerprojekte der Ausschreibung 2006. Ob im Rahmen eines
Nachbarschaftshauses, einer Fußballschule, einer Elterninitiative, eines
Studienganges oder auch eines Solidaritätsprojekt - die Auseinandersetzung mit
fremden Kulturen bringt nicht nur neue Erkenntnisse über den jeweils Anderen mit
sich. Zum interkulturellen Lernen gehören auch das Überdenken eigener
Wertmaßstäbe und die Reflexion der eigenen Lebensform. Von gemeinsamer
Verschiedenheit lernen - die Preisträgerinnen und Preisträger der Ausschreibung
2006 zeigen auf vorbildliche Weise, wie man interkulturelles Lernen in Theorie
und Praxis innovativ konzeptionieren und realisieren kann.

Ernst Baumann und Dr. Frank Schirrmacher
Der Preis in der Kategorie Theorie geht an das Institut für Europäische
Urbanistik an der Fakultät Architektur der Bauhaus-Universität Weimar. Neben dem
internationalen, postgradualen Masterprogramm "European Urban Studies" bietet
das Institut gemeinsam mit der Tongji-Universität Shanghai den Studiengang "Integrated
International Urban Studies" (IIUS) sowie das "Internationale
Promotionsprogramm" (IPP) an. "Aktuell studieren bei uns über 130 Young
Professionals aus 37 Ländern. Der Anteil ausländischer Studenten liegt bei 57
Prozent", erklärt Institutsdirektor Prof. Dipl.-Ing. Wolfgang Christ. "Es ist
jedoch nicht allein die Statistik, die belegen kann, dass interkulturelles
Lernen für uns zum Alltag gehört. Wesentlich ist die Kultur des Umgangs
miteinander an der Uni und im Kontakt mit Partnern in aller Welt. Wir pflegen
die persönliche Begegnung, denn nur diese ist authentisch und von konkreten
Orten, Atmosphären, zeitlichen sowie räumlichen Kontexten geprägt."
Mit der Auszeichnung von Stadtplanerin Prof. Leonie Sandercock und William
McMichael für das Collingwood Neighbourhood House im kanadischen Vancouver mit
dem ersten Preis der Kategorie Praxis werden erstmals in der Awardgeschichte ein
theoretischer Ansatz und ein darauf basierendes Projekt prämiert. Dieses
Nachbarschaftsprojekt - so das Lob der Jury - zeigt auf beispielhafte Weise, wie
konkrete Lebenspraxis eine Vision von kosmopolitischer Stadtplanung fördert. Das
Collingwood Neighbourhood House bietet den Anwohnern eines der
multikulturellsten Viertels Kanadas unterschiedliche Program¬me von kommunalen
Aktivitäten bis hin zu sozialen Diensten und trägt so höchst effektiv zur
Gemeinschaftsbildung bei.
Den 2. Preis der Kategorie Praxis vergibt die Jury in der Ausschreibung 2006
an zwei Projekte:
Vier Wochen lang lebten neun Schüler der Beruflichen Schule Recycling- und
Umwelttechnik aus Hamburg im Rahmen der Projekts "Solidarität macht Schule" im
westafrikanischen Kannaré, renovierten zusammen mit den Dorfbewohnern eine
marode Schule und installierten eine Wasserpumpe. Sowohl die deutschen
Jugendlichen als auch die afrikanischen Gastgeber gelangten durch diese
interkulturelle Begegnung zu Einsichten in bis dato unbekannte Lebenswelten.
"Darüber hinaus haben unsere Schülerinnen und Schüler durch die Reflexion der
eigenen Lebensform ein neues ,Selbst-Bewusstsein' aufgebaut, das sich nachhaltig
positiv auf ihren weiteren Werdegang auswirkt", so Initiatorin Dolores
Rescheleit.
"Fußball ohne Grenzen" des gemeinnützigen Vereins "Deutsch-Tschechische
Fußballschule" ist eine in Europa bislang einmalige Initiative: Junge Fußballer
aus Deutschland und Tschechien im Alter von sechs bis 14 Jahren trainieren
mehrmals pro Woche und über Jahre hinweg an verschiedenen Standorten in der
Region Hof / Cheb (CZ). Neben dem gemeinsamen Training und der Teil¬nahme an
Turnieren bilden der begleitende Sprachunterricht sowie der kulturelle Austausch
tragende Säulen des grenzüberschreitenden Projekts. "Unser Ziel ist es, sowohl
bei den Kindern als auch bei den Eltern ein Verständnis für andere Kulturen
aufzubauen und damit unseren fremden Nachbarn etwas näher zu kommen", erklärt
Pavel Maršík, Vorstand der Fußballschule.
Unter dem Motto "Entdecke die Welt und dein eigenes Leben" steht das
interkulturelle Angebot der Elterninitiative "KI-MI-SI" (Kann ich - mach ich -
schaff ich) im bayerischen Dorf Pfaffing, das im Rahmen der Ausschreibung 2006
den 3. Preis der Kategorie Praxis erhält. Die Jury zeichnet damit das
beispielhafte Engagement von Eltern - Renate Drax und Georg Barnreiter - aus,
die nachmittags mit einem kostenlosen, vielseitigen und vor allem
transferierbaren Kursangebot für die Kinder der Umgebung eine sehr wirksame
außerschulische Begegnungs- und Lernmöglichkeit schaffen. Von der Sprach- oder
Essenskultur bis hin zu den Lebens- und Arbeitskulturen in Marokko, Vietnam,
Kanada oder Thailand - anhand von konkreten Beispielen sollen die Kinder
spielerisch und ohne Leistungsdruck lernen, einem Menschen, auch wenn er ihnen
fremd erscheint, Wertschätzung entgegenzubringen.
Quelle: BMW Presse-Mitteilung vom 26.03.2007
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