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29.04.2004
Rede von Dr. Reithofer anlässlich >Sustainability. It can be done.<
Pressegespräch zum Dialog-Forum

Meine sehr verehrten Damen, meine Herren,

herzlich willkommen! Ich freue mich, dass Sie unserer Einladung in die Earth Lounge der BMW Group so zahlreich gefolgt sind.

Warum führt die BMW Group diesen öffentlichen Dialog?

Erstens, weil wir überzeugt davon sind, dass Nachhaltigkeit nur gemeinsam zu erreichen ist, im gemeinsamen Dialog und in gemeinsamem Handeln. Alle gesellschaftlichen Gruppen müssen miteinander sprechen, um das Richtige zu tun.
Zweitens, weil "Nachhaltigkeit" ein dehnbarer und deshalb unklarer Begriff ist. Was wir brauchen, ist eine Positionsbestimmung.

Meine Damen und Herren,

Norbert Reithofer von der BMW Group"Corporate Social Responsibility", "Corporate Citzenship", "Sustainability", "Public Private Partnership" - bei der Nachhaltigkeit kennt die Vielfalt offenbar keine Grenzen. Einer Ihrer Kollegen hat einmal 56 verschiedene Definitionen des Begriffs gezählt. Mit gutem Recht stellt sich also die Frage, was wirklich hinter dem Engagement eines Unternehmens für "Nachhaltigkeit" steckt. Das Problem: Macht ein Unternehmen nichts, gelten dessen Manager ausschließlich als gewinnorientiert. Macht ein Unternehmen etwas, wird das oft als wohlfeiles Etikett empfunden, und schnell entsteht der Vorwurf, den guten Zweck fürs gute Image zu missbrauchen. Man liest und hört dann oft das spöttische Wort vom "Green Washing" und "Blue Washing", das eine Firma betreibt.

Doch Image und Etikette sind ganz gewiss der falsche Ansatz für Nachhaltigkeit. Denn Nachhaltigkeit ist kein Luxus, den Unternehmen, die es sich leisten können, beliebig als PR-Instrument einsetzen. Bei Nachhaltigkeit geht es für ein Unternehmen um sehr konkrete Aufgaben, die es zu managen gilt.

Nachhaltigkeit ist demnach eine Managementaufgabe, die den Menschen noch viel stärker vermittelt werden muss.

Blicken wir einmal zurück. Ende der siebziger Jahre war der Begriff der "Nachhaltigkeit" noch nicht so präsent wie heute: Damals war ein Industrieunternehmen lediglich für die Sicherheit der eigenen Produkte verantwortlich, und - relativ neu hinzugekommen - verantwortlich für den Umweltschutz. "Gesellschaftliche Verantwortung der Wirtschaft"? Der Zeitgeist damals hätte jeden "gesellschaftspolitischen Einfluss" der Wirtschaft zunächst einmal skeptisch beurteilt.

Gerade das hat sich in letzter Zeit sehr stark verändert: War bis spät in die neunziger Jahre die Ökologie die maßgebliche Messlatte für Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung, so wird heute, gleich stark und ebenso wichtig, immer stärker die soziale Verantwortung der Wirtschaft eingefordert. Die große Mehrheit der Bevölkerung erwartet, dass die Wirtschaft auch Verantwortung für das Ganze und damit die Gesellschaft trägt.

Und in der Tat haben große und multinationale, aber auch mittlere und kleine Unternehmen mehr Einfluss auf das Gemeinwesen gewonnen. Im Zuge der Globalisierung haben sich nicht nur die Räume erweitert, in denen die Wirtschaft agiert. Sondern parallel dazu sind auch die Spielräume des Gestaltens der Wirtschaft gewachsen - wie umgekehrt der politische Einfluss der Nationalstaaten und auch großer Institutionen zurückgegangen ist.

Meine Damen und Herren,

zweierlei schließt sich aus dem, was ich gesagt habe: Erstens, hinter "Nachhaltigkeit" verbirgt sich ein Zusammenspiel von Ökologie, sozialer Verantwortung und Ökonomie. Nachhaltigkeit bewegt sich im Kraftfeld der drei Säulen Wirtschaft, Umwelt und Soziales.

Zweitens: Die Wirtschaft hat einen zentralen Platz in der Nachhaltigkeitsdiskussion eingenommen. Es herrscht die Einsicht, dass nur ein integrierter, ökonomisch verstandener Begriff von Nachhaltigkeit Sinn machen kann. Das heißt aber: Ohne die Wirtschaft wird es keine Nachhaltigkeit geben. Die Unternehmen sind die Treiber der Nachhaltigkeit. Wir bewegen auf diesem Feld die Materie.

Die Frage ist nun: Wie füllt die Wirtschaft den Nachhaltigkeitsbegriff? Wie wird sie den Herausforderungen gerecht? Was bedeutet das - "Nachhaltiges Wirtschaften"?

Meine Damen und Herren,

ich möchte die Antworten auf diese Fragen zunächst auf die Formel bringen: Erfolg und Verantwortung gehören zusammen.

Damit meine ich erstens: Ökonomischer Erfolg ist die Basis für jede nachhaltige Entwicklung, ganz gleich ob ökologischer oder sozialer Art. Nur wer wirtschaftlichen Erfolg hat, kann auch nachhaltig wirken.

Und zweitens: Nur wenn ein Unternehmen ökologisch und gesellschaftlich verantwortungsvoll handelt, wird es profitabel bleiben und seine Zukunftskompetenz sichern.

Dies bedeutet wiederum in der Konsequenz: Nachhaltigkeit ist nichts exotisches oder "nice to have", sondern eine ur-betriebswirtschaftliche Fragestellung - keine Mode, sondern eben eine Managementaufgabe.

Wir in der BMW Group haben diese wirtschaftliche Dimension von Nachhaltigkeit erkannt. Schon heißt es in einem entsprechenden Vorstandsbeschluss: "Nachhaltige Entwicklung wird zum zentralen Leitbild für wirtschaftliche und soziale Prosperität."

Meine Damen und Herren,

Wirtschaftlichkeit und Profitabilität sind in der BMW Group Ausgangspunkt und Ziel unternehmerischer Nachhaltigkeit. In der Umsetzung orientiert sich dieses Management von Nachhaltigkeit an drei Themen: an den Ressourcen, an der Reputation und an den Risiken - zum besseren Merken: unseren 3 "R's"

Erstes R - Ressourcen.

Hier nenne ich zunächst die klassischen Bereiche Material- und Energieeinsatz, wo integrierter Umweltschutz bessere Bilanzen bringt als für die Umwelt nachteilige End of the Pipe Lösungen.

Hierzu zwei Beispiele:

BMW hat 1997 als weltweit erstes Automobilunternehmen Pulverklarlack eingesetzt, eine Technologie, mit der wir ohne Wasser und Lösungsmittel lackieren. Mit diesem Pulverklarlack haben wir seit 1998 das Prozessabwasser um 25 Prozent reduziert - und das bei einer Materialnutzung von 98 Prozent.

Zweites Beispiel: Das "Landfill-Projekt" in unserem US Werk in Spartanburg. Gemeinsam mit einem regionalen Energieversorger und einem Abfallentsorger haben wir dort eine knapp zehn Meilen lange Pipeline gebaut, um eine Turbine zur Energieerzeugung mit Methangas aus einer Abfalldeponie zu versorgen. Damit werden rund 25 Prozent des Energiebedarfs für das Werk gedeckt.

Ressourcenmanagement, meine Damen und Herren, umfasst aber nicht nur Material und Energie. Ressourcenmanagement umfasst auch unsere Mitarbeiter. Wir wollen die Stärken unserer Mitarbeiter so effizient wie möglich einsetzen, zum gemeinsamen Nutzen, der Mitarbeiter wie des Unternehmens. Für die BMW Group gilt: Business is people.

Beispiel Arbeitszeitflexibilität: Flexible Arbeitszeitmodelle in anpassungsfähigen Werksstrukturen garantieren eine durchgehend hohe Produktivität. Sie bringen damit das Berufs- und Privatleben der Mitarbeiter besser in Einklang.

Die dritte Ressource neben Material und Mitarbeiter sind die Finanzen. Ein Unternehmen kann nur erfolgreich sein, wenn seine Strategien zu profitablen Ergebnissen führen und deswegen auch von der Finanzwelt honoriert werden. In diesem Sinne ist die erfolgreiche Premiummarken-Strategie der BMW Group auch nachhaltig angelegt: Wir sind mit dieser Strategie profitabel und werden es bleiben. Dadurch sichern wir unseren Anlegern langfristig die Renditen, und uns selbst die finanziellen Ressourcen, etwa für die Entwicklung neuer Produkte oder die Investitionen in neue Werke.

Sie sehen also: Das Ressourcenmanagement der BMW Group durchdringt das ganze Unternehmen, die Produktentwicklung und die Produktion genauso wie das Finanz- und Personalressort. Und es geht dabei immer um das selbe Ziel: Zukunftskompetenz. Denn kontinuierliche Kostensenkung und Produktivitätserhöhung mit nachhaltigen Produkten tragen dazu bei, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu stärken.

Zweites Thema unseres Umsetzungskonzepts von Nachhaltigkeit ist die Reputation, unser zweites "R".

Dass Reputationsmanagement keinesfalls eine PR-Veranstaltung ist, habe ich vorhin schon gesagt. Es geht vielmehr darum, das Unternehmen als verlässlichen Partner fest in der Gesellschaft zu verankern. Eigentlich ist auch dies gar nichts neues, sondern nur eine Formulierung des uralten Prinzips des ehrbaren Kaufmanns, der durch seine Reputation die Akzeptanz für seine Produkte schafft. Bedenken Sie: Cirka 15 Prozent unseres Absatzes an Fahrzeugen generieren wir aus unserem Geschäft mit Großkunden und Behörden. Ohne die Reputation, die die BMW Group in der Gesellschaft genießt, könnten wir diese Zahlen niemals schreiben.

Gutes Reputationsmanagement ist es, wenn jedem Bekenntnis eines Unternehmens zur sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Verantwortung konkrete Leistungen als Corporate Citizen folgen, als Mitbürger in der Gemeinschaft. Gutes Reputationsmanagement stärkt das Unternehmen als verantwortlich handelnden Partner in der globalen Gemeinschaft.

Beispiel Südafrika: An diesem Standort der BMW Group mit unserem Werk in Rosslyn ist der Kampf gegen HIV/AIDS eine der größten Aufgaben für die weitere gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Deswegen beschränkt die BMW Group ihr Engagement nicht auf die eigenen Mitarbeiter, sondern weitet es auf die Gemeinschaft außerhalb der Werkstore aus, z.B. durch Fortbildungsseminare für Ärzte in der Gemeinde um den Standort.

Schließlich zum dritten "R": Nachhaltigkeit verringert Risiken.

Damit meinen wir in der BMW Group: Nachhaltigkeitsmanagement vermag Einzelrisiken in Chancen zu transformieren. Nehmen Sie die Frage des Klimaschutzes. Es hat sich bereits gezeigt, dass diese Aufgabenstellung innovative Einzeltechnologien hervorgebracht hat und vielleicht noch zu völlig neuen, revolutionären Produktkonzepten führen wird. Nehmen Sie das Beispiel Wasserstoff: Im Automobilbau zeigen die alternativen Antriebe mit diesem sauberen Kraftstoff wohl am eindringlichsten, dass Risikofelder von heute - wie in diesem Fall CO2 - uns zu Geschäftsfeldern von morgen führen können.

Meine Damen und Herren,

Risikomanagement unter dem Vorzeichen von Nachhaltigkeit bedeutet aber nicht nur, konkrete Risiken in Chancen zu verwandeln, sondern natürlich auch, das Unternehmen von vornherein vor Risiken zu bewahren.

Risikomanagement berücksichtigt deshalb die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der verschiedenen Anspruchsgruppen eines Unternehmens, auf neudeutsch "Stakeholder": Dies sind die Eigentümer des Unternehmens, die Aktionäre, aber natürlich auch die Mitarbeiter, sowie die Kunden, die Geschäfts-partner und schließlich - die Gesellschaft als ganze, alle interessierten Kreise, die Kirchen, die Nichtstaatlichen Institutionen (NGO's). Um als Unternehmen heute und morgen erfolgreich zu sein, müssen diese vielfach verknüpften Interessen fair bedient werden. Wer einen der Stakeholder vergisst, riskiert, dessen Vertrauen zu verlieren. Dieses Risiko zu vermeiden, ist eine schwierige Balance für jedes Unternehmen. Gelungenes Risikomanagement bedeutet in diesem Sinn, den Interessenausgleich mit allen Stakeholdern herzustellen. Dies entscheidet über Erfolg oder Misserfolg.

Meine Damen und Herren,

es steht mittlerweile außer Frage, dass Nachhaltigkeit ein geeignetes Konzept zur Wertsteigerung von Unternehmen ist.

Unternehmen wie die BMW Group mit einem auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Management werden von der Finanzwelt in wachsendem Maß honoriert.

Nachhaltigkeitsindices sind deshalb an der Börse keine Exoten mehr. Der Vergleich des Dow Jones mit dem Dow Jones Composite Sustainabilty Index zeigt, dass nachhaltig orientierte Anleger einen Renditevorteil haben. Der Dow Jones Composite Sustainabilty Index ist die wichtigste Benchmark für nachhaltiges Investment und die BMW Group ist hier seit 1999 stets in der Spitzengruppe vertreten.

Die Banken springen auf diesen Zug weiter auf, was einer nachhaltigen Unternehmensführung wiederum Vorteile einbringt - bei der Diversifizierung der Anlegergruppen wie auch natürlich bei der Kapitalbeschaffung.

Meine Damen und Herren,

das Kapital selbst ist sicher der greifbarste Beweis, dass Nachhaltigkeit heute ein Wirtschafts- und Finanz-Thema ist.

Bevor sich die Experten der einzelnen Ressorts vorstellen, darf ich hier in der Earth Lounge eines nicht unerwähnt lassen: Die weltweit gültigen Codices wie den Global Compact, die ILO Guidelines (International Labour Organisation), oder OECD Guidelines geben einen gemeinsamen Orientierungsrahmen: Für Unternehmer und Sozialpartner genauso wie für Verbände und Nichtstaatliche Institutionen.

Insbesondere der Global Compact des UN Generalsekretärs Kofi Annan mit seinen neun Prinzipien ist für die BMW Group ein Politik-Modell der Zukunft, um die nachhaltige Entwicklung weltweit zu unterstützen: Er steht fest auf der Basis freiwilliger Commitments.

Zusätzliche Regulierungen, wie sie die Politik anstrebt, erscheinen uns jedoch zweifelhaft. Warum? Es ist das richtige Konzept, Nachhaltigkeit als Grundlage für unternehmerischen Erfolg zu begreifen. Der kann aber "von oben" nicht verordnet werden.

Vielen Dank.

Quelle: BMW Pressemitteilung vom 29.04.04

 

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