29.04.2008
Rede von Dr. Michael Ganal - Telefonkonferenz Zwischenbericht zum 31. März 2008
- Es gilt das gesprochene Wort -
Rede von
Dr. Michael Ganal
Mitglied des Vorstands der BMW AG, Finanzen,
Telefonkonferenz Zwischenbericht zum 31. März 2008
29. April 2008
1. Einleitung, Überblick
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
auch von meiner Seite: Guten Morgen! Lassen Sie mich nach diesem Überblick
von Herrn Dr. Reithofer nun einige weiterführende Details erläutern.
Grundsätzlich möchte auch ich betonen:
Wir haben im ersten Quartal 2008 eine positive operative Entwicklung
hingelegt, trotz des schwierigen Marktumfeldes – mit Steigerungsraten beim
Absatz von plus 5,6 Prozent und beim Umsatz von plus 11,2 Prozent.
Das hat sich – wie von Dr. Reithofer beschrieben – auch in einer operativen
Ergebnisverbesserung sowie einem deutlich gestiegenen Free Cashflow
niedergeschlagen.

Dr. Michael Ganal, Mitglied des Vorstands der BMW
AG, Vertrieb und Marketing
Gleichzeitig stand das Quartal im Zeichen der internationalen Finanzkrise –
die sich nun auch deutlich auf die Realwirtschaft auswirkt.
Wir sehen uns hier also – zusätzlich zu den bekannten Themen aus Währung und
Rohstoffen – mit einer weiteren exogenen Sonderbelastung konfrontiert.
Diese hat im ersten Quartal außerordentliche Maßnahmen notwendig gemacht –
und unter dem Strich die Absatzerfolge sowie die operativen
Ergebnisverbesserungen überlagert.
Entsprechend ist unser EBIT auf Konzernebene im ersten Quartal um 9,3 Prozent
auf 827 Millionen Euro zurückgegangen.
Die Belastungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise teilen sich dabei auf
folgende drei Effekte auf:
- Erstens: Die infolge der Krise rückläufige Nachfrage am Gebrauchtwagen-Markt
in Nordamerika – was dazu geführt hat, dass unsere Leasing-Rückläufer nur zu
niedrigeren Preisen vermarktet werden konnten als in der Vergangenheit.
- Zweitens: Höhere Risikovorsorge für den Bestand an Leasing-Fahrzeugen, die
aufgrund der beobachteten Gebrauchtwagen-Preisentwicklung vorgenommen werden
musste – und sich entsprechend negativ ausgewirkt hat.
- Und drittens: Erhöhte Kreditausfälle und Zahlungsverzögerungen im
Finanzdienstleistungsgeschäft, die ebenfalls eine höhere Risikovorsorge
erforderlich gemacht haben.
2. Zusammenfassung Segmente
2.1 Automobile
Zunächst zur Erläuterung des ersten Effekts – dem Preisverfall im
Gebrauchtwagen-Geschäft. Damit steige ich in die Betrachtung der einzelnen
Segmente ein – denn dieser Effekt läuft zum größeren Teil im Segment Automobile
auf. Hintergrund ist, dass wir einen integralen Ansatz im Leasing-Geschäft
haben:
Um eine optimale Vermarktung der Leasing-Rückläufer und damit positive
Auswirkungen auch auf das Neuwagen-Geschäft zu realisieren, agieren hier das
Segment Automobile und das Segment Finanzdienstleistungen gemeinsam – und teilen
sich entsprechend das Risiko.
Grundsätzlich hat unser Automobilgeschäft planmäßig eine gute operative
Entwicklung gezeigt.
Auf Basis der positiven Absatzentwicklung im Neuwagengeschäft sind auch die
Umsätze um 6,5 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro gestiegen.
Aber: Anders als im Neuwagengeschäft waren im Gebrauchtwagengeschäft – vor allem
in Nordamerika – die Vertrauenskrise und die nachlassende Konjunktur deutlich
spürbar. Das hat auch damit zu tun, dass die Kunden in diesem Bereich stärker
auf die allgemeine wirtschaftliche Abschwächung reagieren als der klassische
Käufer eines Premium-Neuwagens.
Entsprechend sind in Nordamerika die erzielbaren Preise für unsere
Gebrauchtwagen signifikant zurückgegangen – liegen allerdings immer noch auf
einem höheren prozentualen Niveau als beim Wettbewerb.
Diese Entwicklung konnte zum Ende des Geschäftsjahres 2007 auf Grundlage des
damaligen Erkenntnisstands zwar grundsätzlich in der Risikovorsorge antizipiert
werden.
Aber: Wir sind nun an einen Punkt gekommen, an dem das Ausmaß der Entwicklung –
und hier vor allem im März – eine Größenordnung erreicht hat, die unsere
bisherige Risikovorsorge übersteigt. Wir haben aktuell bei der Wiedervermarktung
von Leasing-Rückläufern geringere Erlöse erzielt, als in unseren Planungen Ende
vergangenen Jahres zugrunde gelegt war.
Hinzu kommt, dass der Rückgang der Gebrauchtwagen-Preise auch eine höhere
Risikovorsorge für künftig zu vermarktende Fahrzeuge aus dem Leasing-Bestand
nötig gemacht hat. Auch das hatte negative Auswirkungen auf die
Ergebnisentwicklung im Segment Automobile im ersten Quartal.
Wir hatten bei der Bilanzpressekonferenz ja bereits auf diese Risiken
hingewiesen. Wir haben die Situation seitdem weiter beobachtet und analysiert –
und angesichts der deutlich verschärften Lage im ersten Quartal entschieden,
jetzt zu handeln und Vorsorge zu treffen für das gesamte Jahr 2008.
Insgesamt summieren sich die genannten Effekte aufgrund der Entwicklung auf den
Gebrauchtwagen-Märkten im Segment Automobile auf 157 Millionen Euro.
Entsprechend liegt das EBIT im Segment mit 619 Millionen Euro um
6,4 Prozent unter dem Vorjahreswert von 661 Millionen Euro.
Damit kommen wir in Q1 auf eine EBIT-Marge im Automobilgeschäft von 5,1 Prozent.
Operativ – also bereinigt um die 157 Millionen Euro Sonderbelastung – haben wir
uns sowohl im Ergebnis als auch in der Rendite gegenüber dem Vorjahresquartal
deutlich verbessert:
- Das bereinigte EBIT im Segment Automobile liegt 17,4% über Vorjahr,
- die bereinigte EBIT-Marge liegt bei 6,4 Prozent und übersteigt damit
signifikant die 5,8 Prozent aus Q1 2007.
Das Segmentergebnis vor Steuern liegt bei 539 Millionen Euro, nach 609 Millionen
im Vorjahresquartal.
2.2 Finanzdienstleistungen
Damit nun zum Segment Finanzdienstleistungen. Auch hier haben wir operativ ein
ordentliches Quartal hingelegt:
- Das bilanzielle Geschäftsvolumen ist um 10,4 Prozent auf über 50 Milliarden
Euro angestiegen.
- Die Zahl der Neuverträge mit Kunden kletterte um 18,5 Prozent auf über
282.000.
- Entsprechend stieg der Segmentumsatz um 25 Prozent auf 3,86 Milliarden Euro.
Dennoch ist gerade in diesem Segment die Situation auf den Finanzmärkten
deutlich spürbar:
- Zum Einen schlagen hier Berichtigungen der angenommenen Restwerte deutlich zu
Buche.
- Zum Anderen haben Zahlungsverzögerungen und Kreditausfälle eine höhere
Risikovorsorge erforderlich gemacht. Nach 0,46 Prozent im Gesamtjahr 2007 liegen
wir bei den Kreditausfällen mittlerweile bei 0,53 Prozent.
Beide Effekte zusammen belaufen sich auf 79 Millionen Euro.
Das EBIT im Segment Finanzdienstleistungen ist im ersten Quartal entsprechend
deutlich um 58 Prozent zurückgegangen, um 109 Millionen auf jetzt 79 Millionen
Euro. Bereinigt um den Sondereffekt liegt das EBIT dagegen bei 158 Millionen
Euro und damit 16 Prozent unter dem Vorjahresquartal.
Auf unsere Annahmen für den weiteren Jahresverlauf komme ich gleich noch zu
sprechen – lassen Sie mich zunächst noch einige Anmerkungen zum Motorradgeschäft
und den Überleitungen machen sowie einige wesentliche Posten der Gewinn- und
Verlustrechnung erläutern.
2.3 Motorräder
Zunächst zum Motorrad-Geschäft.
Hier hatten wir im ersten Quartal einen Rückgang der Auslieferungen an Kunden zu
verzeichnen, um 8,6 Prozent auf rund 21.000 Einheiten – die Effekte haben wir
Ihnen eingangs bereits erläutert.
Der Absatzrückgang resultiert entsprechend in einem um 6,0 Prozent auf 345
Millionen Euro gesunkenen Umsatz.
Das EBIT im Motorradgeschäft konnten wir dagegen konstant bei 36 Millionen Euro
halten – hier zahlen sich unsere laufenden Effizienzmaßnahmen aus, die wir in
den Vorjahren eingeleitet haben.
2.4 Überleitungen
Damit zu den Überleitungen. Hier kommen wir auf ein EBIT von 93 Millionen Euro
und ein Vorsteuer-Ergebnis von minus 16 Millionen Euro.
Zum zugrunde liegenden Effekt komme ich später im Zusammenhang mit unserem
Finanzergebnis.
3. Zusammenfassung GuV, Cashflow
Meine Damen und Herren, so viel zu den einzelnen Geschäftsfeldern.
Im Folgenden kehren wir wieder zurück auf die Konzernebene – und hier zunächst
zu den einzelnen Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung.
3.1 Gewinn- und Verlustrechnung
Hier möchte ich mich kurz fassen. Daher nur einige Anmerkungen zu den
wichtigsten Posten und Veränderungen.
- Zunächst zum Konzernumsatz – dieser ist im ersten Quartal mit dem Absatz nach
oben gegangen, um 11,2 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro.
- Auch die Umsatzkosten sind angestiegen – und zwar überproportional mit 13,3
Prozent. Hier kommen die beschriebenen Effekte aus Wertberichtigungen und
Restwert-Verlusten zum Tragen.
- Mit plus 5,7 Prozent beziehungsweise plus 71 Millionen Euro auf 1,3 Milliarden
Euro sind auch die Vertriebs- und Verwaltungskosten angestiegen.
Der Grund sind neben der Ausweitung des Geschäftsvolumens die planmäßigen
Aufwendungen für den Personalabbau, die – wie kommuniziert – einmalig im
Geschäftsjahr 2008 anfallen. Im ersten Quartal beliefen sich diese auf 40
Millionen Euro. Wir machen hier gute Fortschritte beim angestrebten
Personalabbau.
- Die Forschungs- und Entwicklungskosten haben sich um 12,9 Prozent auf 719
Milliarden Euro erhöht, die Aktivierungsquote lag bei 32,7 Prozent.
- Auf der Kostenseite haben wir darüber hinaus – wie im Vorjahresquartal –
Belastungen aus den anhaltend hohen Rohstoffpreisen sowie aus Währungseffekten.
Wie angekündigt, sehen wir an der Währungsfront für das Gesamtjahr aber
geringere zusätzliche Belastungen als 2007.
- Damit kommen wir – wie eingangs erwähnt – auf ein Konzern-EBIT von 827
Millionen Euro. Die EBIT-Marge beläuft sich damit auf 6,2 Prozent.
- Bereinigt um die genannten Sondereffekte von insgesamt 236 Millionen Euro hat
sich das Konzern-EBIT allerdings deutlich verbessert, um 16,6 Prozent auf 1,063
Milliarden Euro.
Das entspricht einer EBIT-Marge von 8,0 Prozent – damit übertreffen wir hier
sogar den Wert des Gesamtjahres 2007 in Höhe von 7,6 Prozent.
- Im Übrigen Finanzergebnis sehen wir einen negativen Effekt aus der Fair Value
Bewertung von alleinstehenden Derivaten. Aufgrund der veränderten Zinsstruktur
haben sich die Marktwerte dieser Finanzinstrumente negativ entwickelt. Im
Vergleich zum Vorjahresquartal erhöht sich damit der Saldo im Finanzergebnis auf
minus 186 Millionen Euro – nach minus 60 Millionen im Vorjahresquartal.
- Alles in allem beläuft sich unser Konzernergebnis vor Steuern auf 641
Millionen Euro – 24,8 Prozent unter dem Wert des Vorjahresquartals.
- Auf das Ergebnis entfielen 154 Millionen Euro Steuern, nach
265 Millionen Euro im Vorjahr – das entspricht einer Steuerlast-Quote von 24
Prozent.
Damit liegt die Quote wieder – wie für das Gesamtjahr angekündigt – bei über 20
Prozent, nachdem wir im dritten und vierten Quartal 2007 aufgrund der
Unternehmenssteuerreform ausnahmsweise noch eine deutlich niedrigere Quote
ausgewiesen hatten.
- Unter dem Strich haben wir damit im ersten Quartal alles in allem einen
Konzernüberschuss in Höhe von 487 Millionen Euro erzielt.
Das sind 17 Prozent weniger als in Q1 2007.
3.2 Cashflow
Der operative Cashflow – sprich der Mittelzufluss aus der laufenden
Geschäftstätigkeit im Industriegeschäft – betrug 1,105 Milliarden Euro. Das
entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vorjahresquartal von 11,8 Prozent
beziehungsweise 148 Millionen Euro.
Der Mittelabfluss aus der Investitionstätigkeit im Industriegeschäft ist um 23,5
Prozent oder 201 Millionen Euro auf 653 Millionen Euro gesunken.
Der Free Cashflow im Industriegeschäft erhöhte sich somit um 13,3 Prozent auf
452 Millionen Euro.
Wie bereits kommuniziert, wollen wir unsere liquiden Mittel zur Ausfinanzierung
unserer Pensionsverpflichtungen nutzen, in drei Tranchen mit einem Gesamtvolumen
von 3,8 Milliarden Euro. Die erste Tranche steht im Sommer an – einen ersten
Schritt haben wir soeben getan: Der BMW Trust ist mittlerweile gegründet, wir
werden Sie hier laufend über den weiteren Fortgang unterrichten.
4. Fazit und Ausblick Gesamtjahr 2008
Meine Damen und Herren, zusammenfassend lässt sich Folgendes festhalten:
- Wir haben uns operativ gut entwickelt, trotz des schwierigen Marktumfeldes.
- Aber – angesichts der nun weiterreichenden Auswirkungen der Finanzkrise vor
allem in Nordamerika, sehen wir uns im ersten Quartal mit zusätzlichen
Belastungen und Risiken konfrontiert.
Mit Blick auf das Gesamtjahr möchte ich aber unterstreichen, was Dr. Reithofer
eingangs erwähnt hat:
Auch vor dem Hintergrund der erschwerten Rahmenbedingungen streben wir an, im
Geschäftsjahr 2008 unsere erfolgreiche Geschäftsentwicklung fortzusetzen.
Was macht uns so zuversichtlich?
- Zunächst ein stabiles Wachstum in den operativen Geschäftsfeldern – so streben
wir bei allen drei Automobilmarken neue Absatzhöchstwerte an.
- Darüber hinaus begegnen wir den gestiegenen Risiken und Belastungen mit
Maßnahmen auf der Absatz- und Kostenseite – zusätzlich zu den kontinuierlichen
Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Produktivitätsverbesserung.
- Und: Wir gehen davon aus, dass sich die Gebrauchtwagen-Preise zunächst nicht
weiter verschlechtern werden – mittel- bis langfristig erwarten wir dann auch
eine Erholung, ausgelöst durch eine sich stabilisierende US-Wirtschaft.
Im ersten Quartal ist die Zahl der Leasing-Rückläufer am höchsten, was die
Restwerte nach unten drückt. In den nächsten Monaten wird die Zahl der
Rückläufer wieder zurückgehen, so dass hier eine Entspannung zu erwarten ist.
Zudem haben wir ein Bündel an Maßnahmen aufgesetzt, die die
Gebrauchtwagen-Preise weiter stabilisieren sollten.
Entsprechend gehen wir davon aus, dass wir mit der im ersten Quartal getroffenen
Risikovorsorge ausreichend für den Rest des Jahres abgesichert sind.
Sicher – auch wir können die Zukunft nicht vorhersagen. Sollte es im Verlauf des
Jahres 2008 nicht zu einer Erholung der Märkte für gebrauchte Automobile kommen,
besteht das Risiko, dass sich die negativen Auswirkungen auf unser Geschäft
verstärken.
Nach dem aktuellen Stand der Dinge bleiben wir aber bei unserer
Ergebnisprognose.
Wir beabsichtigen unverändert, im Geschäftsjahr 2008 ein Konzernergebnis vor
Steuern zu erreichen, das – bereinigt um den Sondereffekt aus der Rolls-Royce
Umtauschanleihe im Jahr 2007 – über dem Niveau des Vorjahres liegt.
Meine Damen und Herren, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Quelle: BMW Presse-Mitteilung vom 29.04.2008
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