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16.12.2005
Rede Dr. Reithofer: Übergabe des Deutschen Architekturpreises
Vergabe an die BMW Group und Zaha Hadid für das Zentralgebäude Werk Leipzig

Verehrte Frau Zaha Hadid,
sehr geehrter Herr Bundesminister Tiefensee,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident Milbradt,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie alle hier im BMW Werk Leipzig begrüßen zu dürfen. Und ich freue mich natürlich über den Anlass für unser Zusammentreffen. An der heutigen Verleihung des Deutschen Architekturpreises 2005 nehme ich im Namen des gesamten Vorstands der BMW Group teil.

Wir haben in Leipzig in sehr kurzer Zeit /zwei Jahre Planung und drei Jahre Bauphase) eines der modernsten Automobilwerke der Welt errichtet - wenn nicht das modernste. Am 1. März dieses Jahres rollte hier der erste BMW 3er vom Band, im Mai weihten wir das Werk ein.
Den neuen BMW 3er in einem neuen Werk, gefertigt in völlig neuen Strukturen und Prozessen. Das war unsere Ausgangslage, als der Vorstand im Juni 2000 den Beschluss für ein neues Werk fasste.

Dr. Norbert Reithofer von der BMW Group

Foto: Dr. Norbert Reithofer, Mitglied des Vorstands der BMW AG, Produktion, hier bei der Bilanzpressekonferenz BMW Group 2005

 

Natürlich waren wir uns in der Folge bewusst, dass wir mit dem Bau des BMW Werks Leipzig in Deutschland ein Zeichen setzten würden. Mit der Investition von 1,3 Milliarden Euro war auch ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Deutschland verbunden. Wir zeigten damit, dass wir unsere öffentliche Verantwortung als Corporate Citizen in Deutschland ernst nehmen und dass man auch in Deutschland wettbewerbsfähig produzieren kann.

Ein neues Werk baut man nicht alle Tage. Jede Entscheidung für einen neuen Standort basiert bei uns auf der Strategie "Produktion folgt dem Markt". Wir errichten dort Produktionsstätten, wo ein entsprechender Markt bedient werden kann.

In diesen Tagen hören Sie immer wieder, dass wir planen, in Indien das 23. Werk im internationalen Produktionsnetzwerk der BMW Group zu errichten. Auch dies geschieht vor dem Hintergrund der Markterschließung in Indien. Und nicht etwa wie manche vermuten mögen, um Fahrzeuge für Europa in einem Billiglohnland zu produzieren!

Wenn wir in der Welt einen Markt mit besonderem Wachstumspotenzial für Premiumfahrzeuge sehen, dann zeihen wir ab einer entsprechenden Stückzahl in Erwägung, den lokalen Bedarf gleich vor Ort zu produzieren. Zusammengefasst: Die Produktion folgt in einem solchen Fall also dem Markt.

Vor dem Hintergrund der EU-Osterweiterung rechnen unsere Vertriebsgesellschaften mit anhaltend höherem Absatz auch in osteuropäischen Staaten. Leipzig ist damit zusammen mit unseren anderen Werken in Deutschland die ideale Basis, um auch diese Märkte zu bedienen, ohne den Standort Deutschland zu verlassen.

Meine Damen und Herren,

die BMW Group ist für den langfristigen Charakter ihrer Unternehmensplanung bekannt. Unser Ziel ist es , auf lange Zeit gesehen flexible Strukturen bereitzustellen. Wir haben dieses Werk daher so ausgelegt, dass wir darin auch künftige Fertigungstechnologien einfach umsetzen können. Wir können hier nahezu alle heutigen und künftigen BMW Modelle produzieren.

Ein neues Werk zu planen ist immer auch eine Chance, bestehende Produktionssyteme weiter zu verbessern. Agilität war dabei ein Kernziel. Das heißt, das Werk sollte flexibel und schnell auf Anforderungen des Marktes in punkto Stückzahlen und zusätzliche Produkte reagieren können.

BMW Werk Leipzig: Innenansicht des Zentralgebäudes der Architektin Zaha HadidFoto: BMW Werk Leipzig: Innenansicht des Zentralgebäudes der Architektin Zaha Hadid

So zeichnet sich die Montage durch einen einmaligen Grundriss aus, dem eine Fingerstruktur zugrunde liegt. An unserem Hauptband stehen investitionsintensive Anlagen an Fixpunkten. Von diesen Fixpunkten zweigt die Montagelinie in einzelne Finger ab. Diese Finger entzerren die logistische Versorgung. Aber der Hauptvorteil ist: Wenn nun zusätzliche Arbeitsschritte eingefügt oder die Kapazität erhöht werden müssen, wird ein Finger verlängert, ohne Fixpunkte zu verändern. Diesen patentierten Grundriss hat ein Gruppenleiter aus unserer Montagtechnologie entwickelt. Die strukturelle Erweiterungsfähigkeit spart uns später erheblich Zeit und Kosten.

Die Kerntechnologien des Automobilbaus treffen in diesem Zentralgebäude aufeinander. Karosseriebau, Lackiererei und Montage laufen hier sternförmig zusammen. Aus meiner eigenen Erfahrung in unserem BMW Werk Spartanburg, South Carolina, kann ich Ihnen berichten, dass wir dort dieses "Core Konzept" erstmals und erfolgreich angewendet haben. In Leipzig haben wir es weiterentwickelt.

Das Zentralgebäude ist dabei das kommunikative Herzstück, wo sich Mitarbeiter treffen und miteinander austauschen können. Die sternförmige Anordnung erlaubt uns außerdem hier wie in Spartanburg, dass die drei abzweigenden Technologier-Gebäude in alle Richtungen erweitert werden können.

Und damit bin ich bei der Architektur des Zentralgebäudes. 208 Architektenteams aus aller Welt hatten sich dafür beworben, 24 haben ihre Ideen eingereicht. Am 22. März 2002 wählte eine elfköpfige Jury Zaha Hadid als Gewinnerin des Realisierungswettbewerbes zur Gestaltung dieses Zentralgebäudes aus.

Natürlich werden hier Fahrzeuge einer sehr kultivierten Marke gebaut. Deshalb besteht per se eine Affinität zu Kultur und zukunftsweisender, visionärer Architektur. Architektur ist bei uns jedoch nie Selbstzweck, sondern erfüllt immer klare Aufgaben. Gute Architektur unterstützt die Arbeitsabläufe der Menschen und der Prozessketten:

  • 1973 ist dem Wiener Architekten Karl Schwanzer mit dem BMW Hochhaus in München ein visionärer Bau gelungen. Der Vierzylinder, der unter Denkmalschutz steht und gerade saniert wird, ist zum Wahrzeichen der BMW Group sowie der Stadtsilhouette Münchens geworden. Dort arbeiten viele Mitarbeiter in den Quadranten zusammen. Es gibt weder lange Gänge, noch viele verschlossene Einzelbüros.
  • Als wir 1986 unser Forschungs- und Innovationszentrum im Münchner Norden errichteten, wollten wir unsere Ingenieure optimal miteinander vernetzen. Kurze Wege fördern Innovationen, lautete der Grundsatz. So entstand eine Wabenstruktur, die bis heute immer weiter ausgedehnt wurde - zuletzt mit dem Projekthaus - und nun knapp 10.000 Arbeitsplätze beherbergt.
  • Wenn wir im Winter 2006/2007 unsere BMW Welt München eröffnen, die von Coop Himmelb(l)au gestaltet wird, werden sie ein weiteres herausragendes Beispiel offener Architektur sehen.

Dieses Prinzip finden wir auch in Leipzig. Es unterstützt die Kommunikation, die in unserem Unternehmen einen hohen Stellenwert genießt. Nicht zuletzt dank Zaha Hadid sind hier im Zentralgebäude alle Prozesse für jeden Mitarbeiter transparent:

  • Mit diesem Ziel haben wir die Arbeitsplätze auf offenen Flächen in versetzt übereinander angeordneten Ebenen untergebracht und intelligent über viele Treppen miteinander vernetzt.
  • Mit diesem Ziel lassen wir unsere Karosserien auf dem Weg vom Karosseriebau zur Lackiererei über den Schreibtisch schweben. Selbst über den Köpfen der Mitarbeiter in der Kantine ziehen Karosserien nahezu geräuschlos vorbei.
  • Mit diesem Ziel haben wir den Messraum im Zentralgebäude hinter einer riesigen Glaswand angebracht. So können alle Mitarbeiter jederzeit sehen, wie wichtig uns als Premiumhersteller das Thema Qualität ist. Ja, selbst die Küche unserer Kantine ist über eine Glaswand gut einsehbar.

Sie sehen, die BMW Group pflegt eine Kultur der Offenheit uns des Miteinander. Diese Kultur ist im Mitarbeiter- und Führungsleitbild unseres Unternehmens verankert.

BMW Werk Leipzig: Innenansicht des Zentralgebäudes der Architektin Zaha HadidFoto: BMW Werk Leipzig: Innenansicht des Zentralgebäudes der Architektin Zaha Hadid

 

Frau Hadid hat diese BMW Philosophie mit ihrer Architektur auf ganz besondere Weise in Beton gegossen. Die lange Halle dieses Zentralgebäudes wird durch fliehende Linien und Kurvenförmige Betonbahnen belebt. Selbstverdichtender Beton war die Grundlage dafür. Die verschiedenen Ebenen sind nicht hierarchisch angeordnet, sondern gehen ineinander über. Bewegung zieht sich als Leitmotiv durch das Gebäude. Neben Grau dominiert hier die Farbe Blau - uns Sie wissen ja, diese Farbe steht unserer Marke besonders nahe.

Zaha Hadid fand in Deutschland sehr früh Beachtung. Ihr erstes in die Tat umgesetztes Gebäude, das Vitra Feuerwehrhaus in Weil am Rhein, entstand in Deutschland und erregte schon 1993 internationales Aufsehen.

Wir dürfen uns also rühmen, eine gute Portion Weitblick gehabt zu haben. Manche bezeichneten uns deshalb als wagemutig.

Nachdem sie unsere Ausschreibung gewann, wurde das Modell des BMW Werks Leipzig auf der Architektur-Biennale 2002 in Venedig ausgestellt. Wir freuten uns mit ihr ganz besonders, als sie 2004 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde. Dieser kann ja durchaus als "Nobelpreis" für Architekten bezeichnet werden. Die internationale Architekturpresse zeigte schon zweieinhalb Monate vor der eigentlichen Eröffnung sehr großes Interesse an diesem Zentralgebäude. "Strömungsdynamisch", "ein Haus wie ein Auto", "Die Traumfabrik" oder "Geniestreich" war wenig später zu lesen.

BMW Werk Leipzig: Innenansicht des Zentralgebäudes der Architektin Zaha HadidFoto: BMW Werk Leipzig: Innenansicht des Zentralgebäudes der Architektin Zaha Hadid

 

Inzwischen bauen "Zaha Hadid Architects" in allen Kontinenten der Welt zukunftsweisende Gebäude aller Arten und Funktionen.

Wenn heute im Rahmen des Deutschen Architekturpreises 2005 auch der BMW Group als Bauherrn gedankt wird, dann ist dies eine große Ehre für uns.

Ich will an dieser Stelle meine Anerkennung für den Stifter des Architekturpreises aussprechen. E.ON Ruhrgas setzt damit in Deutschland seit 34 Jahren Akzente.
Allen, die an der Konzeption und Durchführung unseres Projekts in Leipzig mitgewirkt haben, sei ebenfalls herzlich gedankt. Und Frau Zaha Hadid gilt unser uneingeschränkter Glückwunsch!

Vielen Dank!

Quelle: BMW Presse-Mitteilung vom 14.12.05

 

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interner Link Architekturpreis 2005 für das Zentralgebäude des BMW Werks Leipzig (12.12.05)

interner Link Eröffnung des BMW Werks Leipzig: Rede von Dr. Reithofer (News vom 13.05.05)

 
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