06.12.2007
Rede Dr. Draeger zur Preisverleihung des Scientific Award 2007
Rede Dr. Draeger zur Preisverleihung
des Scientific Award 2007,
Deutsches Museum, München, 6. 12. 2007
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- es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Riesenhuber,
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
auch ich darf Sie im Namen der BMW Group herzlich willkommen heißen.

Dr.-Ing. Klaus Draeger, BMW Group, Mitglied des
Vorstands der BMW AG, Entwicklung
Als Schirmherr des Scientific Award freut es mich sehr, heute Abend die
Gelegenheit zu haben, einige Worte an Sie richten zu dürfen. Und ich freue mich
umso mehr, als wir die heutige Preisverleihung in diesem wunderbaren Ambiente im
Ehrensaal des traditionsreichen Deutschen Museums vollziehen können.
Auch der Scientific Award kann bereits auf eine gewisse Tradition
zurückblicken: er wurde vor 16 Jahren ins Leben gerufen. Heute ehren wir zum
neunten Mal die Gewinner der international am höchsten dotierten Auszeichnung
für Nachwuchswissenschaftler.
Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei unserer hochkarätig
besetzten Jury bedanken, die es sicherlich nicht leicht hatten, aus der Fülle
der eingereichten Bewerbungen, die sechs besten Arbeiten auszuwählen.
Zumal dieses Jahr nicht weniger als 241 wissenschaftliche Arbeiten
eingereicht wurden - das ist ein neuer Rekord. Besonders beeindruckt hat mich,
dass gut die Hälfte der Bewerber aus dem internationalen Umfeld stammen. Nicht
nur unter unseren europäischen Nachbarländern, sondern auch in Nord- und
Südamerika, dem nahen Osten, Asien und Australien stieß unsere Ausschreibung auf
reges Interesse.
Ebenfalls bemerkenswert ist die interdisziplinäre Bandbreite der Projekte. 22
Fachbereiche sind beim diesjährigen Scientific Award vertreten.
Zwar haben die Ingenieursdisziplinen den größten Anteil, doch das Spektrum
reicht von der Informatik, über die Medizintechnik bis hin zu
Geisteswissenschaften wie der Psychologie oder den Sozialwissenschaften.
Als passionierter Ingenieur freue ich mich natürlich in besonderem Maße, wenn
ich sehe, wie sich Hochschulabsolventen und angehende Wissenschaftler für
innovative Lösungsansätze begeistern können - ganz gleich auf welchem
Fachgebiet.
Meine Damen und Herren,
nicht nur die Gewinner, sondern alle Teilnehmer am Scientific Award haben mit
ihrem Engagement und ihrer Leistung, aber auch mit Ihrer Begeisterung für das
Neue, unsere höchste Anerkennung verdient!
Alan Kay, ein visionärer amerikanischer Informatiker sagte einmal: "Gestalte
die Zukunft - das ist die sicherste Methode, sie vorauszusagen."
Meine sehr verehrten Preisträger,
mit Ihrem Ideenreichtum und Ihrem Einsatz beim Scientific Award haben Sie
bewiesen, in diesem Geiste zu denken und zu handeln. Sie zeigen, dass Sie den
Fortschritt selbst in die Hand nehmen wollen. Ganz im Sinne unseres Mottos:
"Passion for Innovation".
Ich persönlich finde, dies ist eine großartige Einstellung! Und ich denke,
wir brauchen diesen Geist!
Denn eines ist sicher, meine Damen und Herren, Innovationen prägen unser
Leben. Unsere Gesellschaft, unsere Zivilisation wäre ohne den technologischen
Fortschritt nicht zu dem geworden, was sie heute ist. Unser aller Leben wäre
ärmer an Wissen, an Erfahrungen und Möglichkeiten ohne den Innovationsgeist von
Generationen von Forschern und Erfindern.
Nicht umsonst sind ganze Abschnitte der Geschichte nach Bahn brechenden
Errungenschaften benannt. Das Dampfzeitalter, das Atomzeitalter, das
Computerzeitalter, oder heute, das Internetzeitalter.
Und bezeichnenderweise ging das Mittelalter, eine Periode, in der zumindest
in Europa der Fortschritt fast zum Erliegen kam, als das dunkle Zeitalter
(englisch: The Dark Ages) in die Geschichte ein.
Ich bin fest davon überzeugt, dass zukünftige Innovationen unser Leben ebenso
entscheidend beeinflussen werden, wie vergangene.
Mehr noch: Ich denke, unsere Gesellschaft braucht innovative Lösungen heute
mehr denn je, um die globalen Herausforderungen unserer Zeit meistern zu können.
Probleme wie Ressourcenverknappung, Klimawandel und anhaltendes
Bevölkerungswachstum sind ohne grundlegend neue Ansätze wohl nicht nachhaltig zu
lösen.
Meine Damen und Herren,
als Automobilhersteller stellt sich die BMW Group besonders einer dieser
großen Herausforderungen: Wie stellen wir in Zukunft nachhaltige individuelle
Mobilität sicher?
Wir tun dies einerseits, indem wir unsere Fahrzeuge mit jeder neuen
Generation effizienter entwickeln und produzieren. Mit einer Summe kleinerer und
größerer Schritte haben wir es geschafft, den Flottenverbrauch unserer
Automobile seit 1990 um fast 30 Prozent zu reduzieren. Und auch in Zukunft
werden wir noch weitere technologische Möglichkeiten ausschöpfen, um den
Kraftstoffverbrauch weiter zu senken.
Wir beschäftigen uns jedoch auch intensiv mit Fragen rund um das Thema
Mobilität, die weit über die Entwicklung der nächsten Fahrzeuggeneration
hinausgehen:
• Wie leben wir in 20, 30, 50 Jahren?
• In welchem Umfeld bewegen wir uns?
• Wie werden wir, wie können wir weiterhin mobil bleiben?
• Wie muss eine langfristig funktionsfähige Verkehrsinfrastruktur aussehen?
• Welche Fahrzeugkonzepte eignen sich für Megacities und die Bedürfnisse einer
zunehmend alternden Bevölkerung?
• Welche Kraftstoffe werden in einigen Jahrzehnten noch verfügbar sein?
Wie eine Antwort auf die letzte Frage aussehen könnte, zeigen wir mit unserer
Wasserstoffinitiative BMW CleanEnergy. Wir sind der festen Überzeugung, dass
regenerativ erzeugter Wasserstoff der saubere Energieträger der Zukunft für
mobile Anwendungen sein wird.
Derzeit demonstrieren wir mit unserem Wasserstoffserienfahrzeug, dem Hydrogen
7, dass der Schritt in eine saubere Wasserstoffwelt, technisch möglich ist.
BMW CleanEnergy zeigt jedoch zugleich, worauf man als innovativer Vordenker
ebenfalls gefasst sein muss: Oft gilt es, Rückschläge und technologische ebenso
wie gesellschaftliche Widerstände zu überwinden.
[Memo: Andere Technologien, die zunächst auf Widerstand stießen: mechanischer
Webstuhl, Eisenbahn, Automobil, Computer…]
Gerade bei visionären Projekten braucht man schon einen langen Atem und große
Überzeugungskraft. So wird beispielsweise der Paradigmenwechsel vom Öl zum
Wasserstoff, Jahrzehnte dauern und eine konzertierte Kraftanstrengung der
gesamten Gesellschaft erfordern.
Meine Damen und Herren,
dennoch, oder gerade deshalb, richtet die BMW Group ihren Blick nach vorne
und treibt Forschung und Entwicklung im Mobilitätsbereich mit Nachdruck voran.
Allein im vergangenen Jahr haben wir mehr als zweieinhalb Milliarden Euro in
Forschung und Entwicklung investiert.
Gerade weil wir wissen, wie schwierig es dennoch manchmal ist, Innovationen
zum Erfolg zu führen, fördern wir gezielt etwas, dass mit Geld nicht zu bezahlen
ist: Innovationsgeist. Damit meine ich: Mut, Kreativität, Freiraum und
Begeisterung für Neues.
Eine wichtige Quelle für Ideenreichtum sind darüber hinaus auch unsere
umfangreichen internationalen Netzwerke, die wir gerne pflegen und ausbauen.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist wichtiger denn je, um globale
Herausforderungen anzugehen. Deshalb setzt die BMW Group auf
branchenübergreifende Vernetzung.
So sind wir zum einen mit Forschungs-, Technologie- und Design-Büros in den
Triade-Märkten Japan und USA vertreten.
Viele der Trends im Automobilbau und auch in anderen Industriebereichen
werden dort gesetzt.
Zum anderen verstehen wir unter Netzwerken den gezielten Kontakt zu externen
Partnern, wie Lieferanten, Universitäten, Forschungsinstituten und High-Tech
Unternehmen, um unser Know-how systematisch zu ergänzen. Durch diese
Kooperationen erschließen wir uns den Zugang zu einem nahezu unerschöpflichen
Ideenpool.
Meine Damen und Herren,
die Vernetzung mit Universitäten ist ein gutes Stichwort: Ich möchte an
dieser Stelle allen beteiligten Professoren danken, die die zahlreichen Projekte
an ihren Instituten ermöglicht und begleitet haben.
Ich fordere Sie dazu auf, Ihre Studenten auch weiterhin zu fördern wenn es
darum geht, Innovationen anzudenken und zu verwirklichen.
Denn Ihnen kommt eine Schlüsselrolle zu: beim Dialog zwischen Wirtschaft,
Wissenschaft und Gesellschaft, aber auch bei der Nachwuchsförderung, die wir so
dringend benötigen. Bereits heute bereitet uns die ungenügende Anzahl
qualifizierter Absolventen in vielen naturwissenschaftlichen und technischen
Disziplinen große Sorge. Dies muss sich dringend ändern.
Hochentwickelte Industrienationen wie Deutschland verdanken Ihre
Wettbewerbsfähigkeit vor allem dem Vorsprung bei Forschung und Entwicklung.
Diesen Standortvorteil dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.
Forschung und Lehre müssen deshalb wieder attraktiver für junge Menschen aus
der ganzen Welt werden. Voraussetzung dafür ist eine interessante,
realitätsbezogene Ausbildung. Darüber hinaus wird aber auch entscheidend sein,
dass wir die Freude am Forschen besser vermitteln.
Liebe Preisträgerinnen und Preisträger,
niemand könnte diese positive Botschaft besser verbreiten als Sie. Sie kennen
das Gefühl tiefer Befriedigung, das bleibt, wenn man etwas ursächlich Neues
geschaffen hat.
Mit Ihrem Einsatz haben Sie bewiesen, dass Sie sich nachdrücklich und
diszipliniert mit Fragen und Lösungen beschäftigen, die uns alle voranbringen
können. Sie haben die Bedeutung von Innovationen erkannt und leben diese
kreative Neugier erfolgreich in ihren Projekten aus.
Persönlich würde ich mir wünschen, dass es noch mehr Menschen ihres
"Schlages" und mit solch außergewöhnlichem Engagement gäbe.
Halten Sie an dieser Begeisterung für das Neue fest und stecken Sie noch
möglichst viele Menschen mit Ihrer Leidenschaft an!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Quelle: BMW Presse-Mitteilung vom 06.12.2007
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