24.04.2008
Olafur Eliasson - Your mobile expectations: BMW H2R project....
Bayerische Staatsgemäldesammlungen und Die Neue Sammlung -
Staatliches Museum für angewandte Kunst
Eröffnung: 28.05.2008, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 29.05.-20.07.2008
München. In seiner einzigen
Museumsausstellung 2008 in Deutschland stellt der isländisch-dänische Künstler
Olafur Eliasson (*1967) sein während der vergangenen drei Jahre entwickeltes
Projekt unter dem Titel »Your mobile expectations: BMW H2R project« in der
Pinakothek der Moderne vor. Das 16. BMW Art Car, bei dem Eliasson die Außenhülle
durch eine fragile Haut aus Eis ersetzt, hat in seiner finalen Version in
München Premiere. Grundlage der künstlerischen Arbeit von Eliasson ist der BMW
H2R, ein wasserstoffbetriebener Rennwagen, der zur Erzielung von
Geschwindigkeitsrekorden bei gleichzeitigem Streben nach einer zukunftsweisenden
Umweltverträglichkeit von BMW entwickelt wurde. Olafur Eliasson, dessen Arbeiten
aktuell in einer umfassenden Übersichtsausstellung im New Yorker MoMA und P.S.1
präsentiert werden, beschreibt die Auseinandersetzung mit dem
wasserstoffbetriebenen Rennwagen im Zusammenhang mit seinen künstlerischen
Ideen:
»Durch
das Zusammenführen von Kunst, Design, sozialen und umweltspezifischen Aspekten
hoffe ich, einen Beitrag dazu zu leisten, unser Denken, unser Fühlen und unsere
Erfahrungen, die mit dem Auto verbunden sind, zu verändern und das Auto in Bezug
zur Zeit und zum Raum, in der bzw. dem wir leben, zu setzen. Grundsätzlich bin
ich der Auffassung, dass Objekte nicht isoliert betrachtet werden können. Sie
sind stets Teil komplexer physischer und geistiger Beziehungen, sie verändern
sich im jeweiligen Kontext und sind von den Werten und Erwartungen ihrer
Benutzer abhängig. Sie fügen sich der Relativität der Dinge und der
Vergänglichkeit.« Olafur Eliasson ersetzte die Außenhülle des H2R Prototyps
durch eine ebenso komplexe wie fragile Haut aus zwei übereinander liegenden
spiegelnden Metallschalen, die sich netzartig über die Karosserie ziehen und mit
vielfach übereinander liegenden Eisschichten überzogen sind. Auf diese Weise
verwandelt Eliasson ein Objekt avancierter Fahrzeugtechnologie und des
Industriedesigns in ein Kunstwerk, das auf ebenso ausgeklügelte wie poetische
Weise Themen wie Mobilität, Temporalität und erneuerbare Energien sowie das
Verhältnis zwischen Autoproduktion und globaler Erwärmung reflektiert.
Für Olafur Eliasson ergeben sich während dem Projekt folgende Fragen: »Wie können
wir der Tatsache, dass all unser Tun auf dieser Welt globale Konsequenzen hat,
eine konkrete Dimension verleihen? Wie können wir als Konsumenten und
Realitätsschaffende Transport und Fortbewegung in eine andere Richtung lenken?
Wie können wir Druck auf das Automobil als Objekt ausüben?« Olafur Eliassons
Transformation des H2R - Fahrzeugs ist als künstlerische Arbeit, die zeitlich
und inhaltlich verortet ist, eine Design-Provokation und stellt die tief
greifenden Auswirkungen von Kunst und Design in ihren zeitgenössischen
gesellschaftlichen Zusammenhängen zur Diskussion.
»Im traditionellen
Autodesign wird das Auto als begehrenswertes Objekt inszeniert, ja fast schon
fetischisiert sowie als Ware definiert und dabei seiner Beziehung zur Umgebung
und Zeit beraubt. Im Autodesign steht die Rentabilität der Fortbewegung im
Vordergrund. Es gilt, dem etwas entgegen zu setzen. Meiner Meinung nach müssen
wir uns auf die Wiedereinführung des Parameters Zeit als Hauptquell unserer
Erfahrungen konzentrieren. Dann erst wird die Realität zu einer >temporalen
Realität<. Diese Wiedereinführung wird es uns ermöglichen, das Auto und die
Konsequenzen des Fahrens in Bezug zu unseren eigenen Körpern zu setzen.« Zur
Herstellung und Schutz der Eishaut des Autos wird dieses in einem begehbaren
Kühlraum ausgestellt. Mehrere Tage lang wird der von Eliasson mit Metallnetzen
überzogene Fahrzeugrahmen mit fast 2000 Liter Wasser besprüht, bis Schicht für
Schicht die fragile Eishaut gewachsen ist. Diese stets mit ihrer sie umgebenden
Raumtemperatur in Wechselwirkung stehende Skulptur ist rund 1,5 m hoch, 5,25 m
lang und 2,5 m breit. Das im inneren der Skulptur liegende Monofrequenzlicht
lenkt den Blick auf die im Zwischenraum liegende Eislandschaft, die sich
fortdauernd im Prozess des Schmelzens und Gefrieren befindet.
Mit Eliassons
Skulpturen und atmosphärisch unverwechselbaren Raum-Installationen werden die
Entstehungsbedingungen und energetischen Wirkungsmöglichkeiten, aber auch die
Schönheit von Naturphänomenen sinnlich erfahrbar, wobei sie sich erst in der
Wahrnehmung des Betrachters vervollständigen.
Die Ausstellung wird kuratiert
von Corinna Rösner und Bernhart Schwenk.
Gestaltung: chezweitz, Berlin /
Detlef Weitz, Roseapple Eine Ausstellung in freundschaftlicher Zusammenarbeit
mit BMW
Zur Ausstellung erscheint bei Lars Müller Publishers eine 336 Seiten
umfassende Publikation, die als Teil des Projektes zahlreiche Gespräche,
Interviews und die beiden »Life in Space« Symposien mit dokumentiert.
Gesprächspartner während des »Your mobile expectations: BMW H2R project« waren
unter anderem Chris Bangle, Ib Chorkendorff, Yona, Friedmann, Jens Hjorth,
Adrian van Hooydonk, Caroline A. Jones, Bart Lootsma, Ricardo Scofidio, Peter
Weibel und Sabine Zemelka. (Preis: voraussichtlich 34,90 Euro, ISBN
978-3-03778-117-3
Quelle: BMW Presse-Mitteilung vom 24.04.2008 Das könnte Sie auch interessieren:
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