21.09.2007
Neue Studie zur Verkehrsinfrastruktur in Europa vorgestellt.
Deutschlands Straßen im Vergleich nur im Mittelfeld.
Berlin. Im Ausland steht Deutschland oft für mehrspurige
Autobahnen in tadellosem Zustand. Doch wie ist es in Wahrheit um die
Leistungsfähigkeit von Straßen, Schienen und Flughäfen bestellt? Führen
unterschiedliche nationale Politikansätze auch zu Unterschieden in der
Leistungsfähigkeit? Initiator der Studie ist das Institut für
Mobilitätsforschung (ifmo) und durchgeführt wurde sie vom Institut für
Verkehrswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität (IVM) und der KCW
GmbH Berlin. Wer sind die Besten? Bei der quantitativen Ausstattung
mit Straßeninfrastruktur bewegt sich Deutschland durchweg im Mittelfeld. Es
verfügt also nicht wie häufig vermutet über das dichteste Straßennetz Europas.
Hier führen die Niederlande mit einer hohen Netzdichte. Bei den qualitativen
Kriterien, wie der Verbindungsgüte - Durchschnittsgeschwindigkeit, um von A nach
B zu gelangen - und dem Modernitätsgrad schneidet Frankreich besonders gut ab.
Schweden mit seiner geringen Bevölkerungsdichte dagegen ist Tabellenführer in
Sachen Sicherheit und Staufreiheit. Bei jedem dieser qualitativen Indikatoren
erreicht Deutschland nur Durchschnittswerte. Anders bei der
Schieneninfrastruktur: Hier schneidet Deutschland quantitativ deutlich besser
ab. Schienen und Bahnhöfe befinden sich dort, wo die höchste Bevölkerungsdichte
und damit der höchste Mobilitätsbedarf herrschen. Nur beim Indikator "Dichte
Schnellfahrtstrecken" nimmt es eine schwache Position ein. Bei dem wichtigen
qualitativen Leistungsmerkmal Verbindungsgüte ist Deutschland sogar Benchmark.
Demgegenüber führt die Schweiz beim Kriterium Pünktlichkeit im Schienenverkehr
ebenso wie auch bei der Schienenanbindung der Flughäfen. Was die Dichte mit
Start- und Landebahnen insgesamt betrifft, erreicht Deutschland weit hinter den
erstplatzierten Niederlanden nur den vorletzten Platz. Besser schneidet es bei
der Dichte mit langstreckentauglichen Flughäfen ab, wo es immerhin den dritten
Platz belegt. Wie machen es die Besten? Ein Blick ergibt einen klaren
Trend: Länder mit einer strategischen Politiksteuerung, die durch
verkehrspolitische Leitbilder und Ziele geprägt ist, können gute Ergebnisse bei
der Leistungsfähigkeit ihrer Verkehrsinfrastruktur vorweisen. Langfristige
politische Strategien bringen mehr als projektbezogene Einzelfallentscheidungen.
Bei der Schieneninfrastruktur ergibt sich ein Zusammenhang zwischen dem
fiskalischen Föderalismus und der Netz- sowie Bahnhofsdichte. Vermutlich weil in
föderal geprägten Systemen die regionalen Gebietskörperschaften viel Wert auf
den Anschluss an das nationale Schienensystem legen. Bei der Pünktlichkeit
zeigen sich relativ starke Zusammenhänge mit der strategischen Politiksteuerung
und effizienten Planungs- und Genehmigungsverfahren, die beide auch mit dem
Indikator Modernitätsgrad korrelieren. Den positiven Einfluss einer
stringenten strategischen Politiksteuerung zeigt das Beispiel der Niederlande,
die mit ihrem Mainport-Konzept bei Flughäfen recht erfolgreich sind. Effiziente
Planungs- und Genehmigungsverfahren weisen einen deutlichen Zusammenhang mit den
Kapazitäten der Langstreckenflughäfen sowie mit der Dichte der Start- und
Landebahnen auf. In Deutschland sind angesichts der häufig langwierigen und
schwierigen Planungsprozesse noch Verbesserungspotenziale zu vermuten. Die
vollständige Studie können Sie unter
www.ifmo.de bestellen oder
herunterladen.
Quelle: BMW Presse-Mitteilung vom
21.09.2007
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