06.07.2003
Kritik am neuen BMW-Design wird leiser
Die Macht der Gewohnheit?
München (Reuters) - Die Häme über das Design blieb bei den jüngsten
Vorstellung der neuen BMW -Baureihen Z4 und 5er aus - anders als noch vor knapp
zwei Jahren beim 7er. "Finden Sie dieses Auto hässlich?", hatte das
Fortune-Magazin damals mit Blick auf das neue Flaggschiff der Bayern gefragt und die Antwort gleich mitgeliefert:
"Wenn ja, sind sie nicht alleine."
Zwar muss der neue 5er, der seit Samstag in Deutschland verkauft wird, erst
noch seinen Erfolg beweisen, aber der allmählich nachlassende Gegenwind wird in
München bereits als Zeichen für den Siegeszug der neuen Designlinie
interpretiert. "Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir am Ende
des Tages erfolgreich sein werden", prophezeit Design-Chef Chris Bangle.
Nicht zuletzt auf Grund von Gewöhnungseffekten bröckelt auch unter den
Analysten die Skepsis gegenüber dem Erscheinungsbild der bayerischen
Modelloffensive. Doch ob mit der neuen Designstrategie die Rechnung von BMW am
Ende auch aufgeht, wird sich Experten zufolge erst in ein paar Jahren zeigen.
EINE PHILOSOPHIE DIE BEIM 7ER NICHT JEDEM LAG
"Was wir jetzt erleben ist ein großer Schritt, aber wir haben so etwas
schon in der Vergangenheit gemacht", sagt Bangle. Erstmals jedoch seien
alle Modelle in eine Methodik integriert worden, bei denen der 7er und der Z4
Extrem-Pole bildeten: Auf der einen Seite die Luxuslimousine mit langen Linien
und ruhigen Flächen, auf der anderen der Roadster mit seiner mehrfach durch
konkave und konvexe Linien gebrochen, aggressiv-dynamischen Oberfläche. Alle
weiteren Baureihen seien künftig abgestuft dazwischen angesiedelt. Zugleich
schaffe es BMW so - anders als bislang - die Gefahr der Verwechslung der Modelle
zu verhindern: "Die Baureihen teilen eine Philosophie, aber sie sind
keineswegs identisch."
Zumindest beim 7er schienen viele diese Philosophie aber so recht nicht zu
verstehen. Vor allem das wuchtige Heck der Limousine wurde kritisiert und als
"Entenhintern" verspottet. Weltweit konnte BMW zwar den Absatz des
Vorgängers toppen, in der Heimat blieb man aber unter den Erwartungen.
"Der durchschlagende Erfolg war der 7er in Europa mit Sicherheit
nicht", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Automobilprofessor an der
Fachhochschule Gelsenkirchen.
DIE MACHT DER GEWOHNHEIT?
Mit dem 5er und dem Z4 scheint BMW diese Schlappe nun wieder wettmachen zu können.
"Es ist das Ziel, zu polarisieren, aber das kann die Marke aushalten",
sagt WestLB-Analyst Henrik Lier. "Die Diskussion um das BMW-Design scheint
nicht abzuebben, aber sie wird leiser", meint auch Sal Oppenheim Analyst
Michael Raab und fügt hinzu: "Es dürfte sich langsam einfach in
Deutschland ein gewisser Gewöhnungseffekt einzustellen."
Unisono loben Experten, dass - anders als beim Rivalen Mercedes, wo sich C-,
E- und S-Klasse fast wie Zwillinge ähneln - keine Verwechslungsgefahr zwischen
den neuen Baureihen besteht. Doch eine Prognose, ob das Designkonzept mittel-
und langfristig aufgehen wird, wagt auch Raab nicht: "Die Tatsache, dass
die Modellpalette irgendwann schlüssig ist, heißt nicht, dass sie erfolgreich
sein muss."
Das massige und hervorstechende Erscheinungsbild der neuen Modelle, das dem
bisher klassischen, eher dezenten Auftreten der entgegensteht, könnte nach
Einschätzung von Design-Professor Paolo Tumminelli Probleme bereiten.
"Wenn BMW so weiter macht, besteht die Gefahr, dass sie zu amerikanisch
werden", sagt Tumminelli, der an der Kölner International School of Design
lehrt. "Der nationale Charakter der Marke ist im Moment auf alle Fälle
verloren". Mit dem neuen, wuchtigen Auftreten vergrätze BMW Teile der
angestammten Klientel: "Ein 60-Jähriger, der eine gewisse Eleganz hat,
will das auch im Auto wiederfinden. Erst in Jahren werde sich zeigen, ob die
Ausrichtung auf die Kundschaft in Asien und Amerika nicht einen zu hohen Preis
in Europa koste.
Ein gewisses Risiko sieht schließlich auch Dudenhöffer, schränkt aber ein:
"Manchmal ist es besser, ein Risiko einzugehen und sich damit gut
aufzustellen, als in ein paar Jahren als konservativ dazustehen."
Quelle: Yahoo
News / Reuters  
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