15.07.2007
Hintergrund: Tabellen der Wahrheit
u. a. mit BMW-Absatz in Deutschland
Wer den Vorhang der automobilen Statistik lupft, kann ganz besonders in
diesem Autojahr überrascht werden. Nicht allein die Qualität der Schwäche des
deutschen Automarktes ist es. Es sind auch nicht nur die großen Differenzen
einzelner Marken in den Teilmärkten. Eine „Wahrheit besonderer Art“ ist in den
speziellen Marktsegmenten zu erkennen. Ein Szenario wird nämlich deutlich, von
dem wohl erstmals auch Premiumhersteller nicht verschont bleiben. Minuszahlen
sind angesagt.

15-mal Minus, sechsmal Plus in den Modellsegmenten von Mini bis SUV. Das ist
die andere Wahrheit des Automarktes per Ende Mai. Von der Kompaktklasse über
Mittel- und Oberklasse, im Luxussegment bis hin zu den Nischen der Kompaktvans
und Utilities dominiert der Rückgang. Sportliche Wagen liegen dagegen im Plus
(8,3 %), Cabriolets legten entgegen der wenig sommerlichen Saison bisher zu, und
auch SUVs und Offroader glänzen in einer matten Zwischenbilanz mit respektablen
Zuwächsen um acht Prozent. Aufwärtstrend bei den „Großen“ im Sog des allgemeinen
wirtschaftlichen Aufschwungs. Doch nicht alle profitieren.
Dass nicht nur der teilweise dramatische Rückgang der Privatzulassungen,
sondern auch diese Marktverschiebungen die Premiumhersteller erfasst haben,
zeigen entgegen der einen oder anderen Werksstatistik die offiziellen
Flensburger Zahlen. Der 3er-BMW glänzt nicht nur im Ranking bei den gewerblichen
und privaten Zulassungen. Er legte insgesamt auch im Segment zu, ohne Allrad und
Cabrio. Ein respektables Plus konnten die Münchner per 31. Mai mit rund einem
Fünftel Marktanteil im Segment verbuchen.
Weniger Autos, sinkender Marktanteil. Von dieser Konsequenz konnten sich die
Münchner allerdings in den ersten fünf Monaten nicht befreien, denn bei 1er, 5er
und 7er (siehe Grafik) geht die Fahrt nach unten. Beispiel Oberklasse: Stuttgart
jubelt, München und Ingolstadt haben im Jahresvergleich das Nachsehen. Die
E-Klasse übernahm zum 31. Mai mit 24.974 Einheiten vom A6 die Spitze, der 5er
rutschte von Platz eins im Jahr 2005 über Platz zwei im Vorjahr nunmehr auf den
dritten Rang. 26 Prozent Anteil im Segment der Oberklasse entsprechen immerhin
rund sechs Prozentpunkten Verlust gegenüber 2005 und vier Punkten gegenüber
2006.
Beispiel Luxusklasse: das gleiche Städte- und Markenranking, denn der 7er hat
seine Position von 2005 bis 2007 im Marktsegment der Luxusklasse nahezu
halbiert. – 33,1 Prozent vor zwei Jahren, nunmehr in der Zwischenbilanz 16,6
Prozent. Auch der A8 musste – wenn im bayrischen Vergleich auch wenige – Federn
lassen. Die Schwaben dominieren wieder auf Platz eins mit satten 43,6 Prozent
für S- und CL-Modelle.
Wolfsburger Luxus spielte wie die Stuttgarter Super-Nobel-Marke und die
italienischen und amerikanischen Modelle nur eine Nebenrolle, wenn der zur Seite
geschobene Vorhang der automobilen Statistik den Blick auf die Marktsegmente
bietet.
Quelle: von Hans-U. Wiersch (Entnommen aus der aktuellen
Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport), 15.07.2007
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