24.12.2007
Gastkommentar: EU-Pläne als absurde Provokation
Wir haben uns vieles vorstellen können, was unter dem alles rechtfertigenden
Begriff vom „Klimaschutz“ aus Brüsseler Amtsstuben auf die Autoindustrie und
ihre Kunden hereinbrechen könnte. Ein so absurder Vorschlag, wie er jetzt auf
dem Tisch liegt, lag allerdings jenseits unserer Vorstellungskraft.
Nur ein Beispiel aus dem Vorschlag zeigt schon die Dimension der verzerrten
Sichtweise: Eine Tonne CO2 soll nach dem Willen der EU-Kommission die Chemie-
und Stahlindustrie 20 Euro Klimaabgabe bzw. Strafe kosten. Die Autoindustrie
soll aber bis zum 25-fachen pro Tonne bezahlen.
Alles, was recht ist: Der griechische Umweltkommissar Stavros Dimas macht
nicht einmal den Versuch, seine Denkweise zu kaschieren. Dass CO2 aus dem
Autoauspuff moralisch 25-mal schwerer wiegen soll als aus einem Chemiewerk, wird
er nicht plausibel erklären können. Das ist nicht Mathematik, sondern
ideologische Verblendung der schlimmsten Art. Dimas hält diese Art der
unterschiedlichen Wertung für völlig in Ordnung. Schließlich sparten die
Autokäufer die Mehrkosten fürs Auto ja durch geringeren Verbrauch wieder ein.
Dimas, dem Griechen, kann man einen Sinn für Logik nicht absprechen. Aber wer
solche Milchmädchenrechnungen aufmacht, hat kein Recht, ernst genommen zu
werden.
Dass diese Entwicklung selbst Deutschlands Umweltminister Gabriel als
„Wirtschaftskrieg“ bezeichnet, sollte zu denken geben. Er gehört nicht gerade zu
denen, die der Autoindustrie zugewandt sind. Der Widerstand gegen die Brüsseler
Pläne ist wohl noch nie so klar zutage getreten wie in diesem Fall. Selbst in
der EU-Kommission gab es Proteste, und EU-Industriekommissar Günther Verheugen
erschien demonstrativ nicht zur Pressekonferenz seines Kollegen Dimas und musste
sich dann anhören, Interessenvertreter deutscher Autokonzerne zu sein. Ein
Vorwurf, den man eigentlich nur als Lob bezeichnen kann. Denn dass die
Interessen einer wichtigen Säule des deutschen Wirtschaftsstandorts vertreten
werden, ist doch wohl selbstverständlich und nicht verwerflich, wie es jetzt die
Grünen im Bundestag behaupten.
Der EU-Vorschlag hat wohl keine Chance, ohne drastische Veränderungen
umgesetzt zu werden. Selbst Europas Schutzheilige fürs Klima, Angela Merkel, ist
über den Vorschlag aus Brüssel not amused. Sie mahnt im Einklang mit ihrem
Umweltminister Änderungen an. Aber trotz aller politischen Beschwörungen, dass
dieser Vorschlag keinesfalls umgesetzt werden würde, ist Skepsis angebracht.
Es wäre nicht das erste Mal, dass ein erst kritisierter Kommissionsvorschlag
im Wesentlichen dann doch so gekommen ist wie befürchtet. Denken wir nur an das
von Merkel einst böse kritisierte Gleichbehandlungsgesetz, das sie dann durch
wichtige Punkte verstärkt als Kanzlerin selbst durchsetzen ließ. Und was ist aus
ihrem kategorischen Nein zu Mindestlöhnen bei der Post geworden?
Wichtig ist es jetzt, dass das Feuer der Ablehnung in allen Gremien und
Organisationen erhalten bleibt. Der Protest darf nicht einschlafen. Und ob
Äußerungen wie die des ADAC-Präsidenten (Der EU-Vorschlag sei „ein Schritt in
die richtige Richtung“) hilfreich sind, Schaden von deutschen Autokäufern und
Autoherstellern abzuwenden, ist zu bezweifeln.
Der EU-Vorschlag ist kein Schritt in die richtige Richtung, er ist eine in
Bürokratensprache gegossene Anti-Auto-Ideologie, die Europas Bürger bevormundet,
gängelt und mit einer sektenhaften Klimareligion in ihrer Freiheit
einzuschränken gedenkt. Wenn die deutsche Autoindustrie derart horrende Strafen
bezahlen müsste, würde das die Konkurrenz außerhalb Europas nur begrüßen. Sie
könnte sich – frei von solchen finanziellen Folterinstrumenten – auf den
Weltmärkten tummeln, für die solche irrealen Verbrauchsvorgaben nicht gelten.
Europas Bürokraten-Kaste ist auf dem besten Wege, sich mit ihrer
Klima-Vorbild-Hysterie selbst ein Bein zu stellen. Wenn der gesamte europäische
CO2-Ausstoß im Straßenverkehr in Europa nur 0,2 Prozent des weltweiten
CO2-Ausstoßes ausmacht, muss man schon fragen dürfen, warum dafür die
Autoindustrie in Europa in Geiselhaft genommen werden soll. Bei aller Freude am
Energiesparen. Dass Europas Bürger in naher Zukunft ein paar tausend Euro mehr
für ein neues Auto bezahlen sollen, ist ein weiterer Grund, die Europa-Skepsis
zu verstärken. Dass wir weltweit in allem Musterknabe sein wollen, wird uns
finanziell schwer belasten. Mehr noch, als die Politiker das zu sagen wagen. Sie
wollen ja die Welt retten. Koste es die Bürger, was es wolle.
Quelle: ar, von Hans-U. Wiersch, entnommen aus der aktuellen Ausgabe des
Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport, 24.12.2007
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