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27.01.2008
Gastkommentar: Automobil-Industrie ist Säule des Exportweltmeisters

„Ohne die Automobilindustrie wäre Deutschland nicht Exportweltmeister, ohne diese Schlüsselbranche hätten wir auch nicht die deutliche Erholung am Arbeitsmarkt, und das gesamtwirtschaftliche Wachstum wäre wesentlich geringer ausgefallen“, brachte VDA-Präsident Matthias Wissmann letzte Woche bei einer Veranstaltung der Dekra die Thematik auf den Punkt. Schön wäre es, wenn die Politik dies nicht nur verbal, sondern aktiv bestätigen würde.

Aber was kommt aus dem Regierungsviertel in Berlin? – Die Forderung nach einem allgemeinen Tempolimit, weil wir uns ja, dem Diktat de EU-Kommission folgend, zum globalen Musterknaben in Sachen CO2-Reduktion aufmanteln sollen und das ohne Tempolimit natürlich nicht zu machen sei. Dass ein Tempolimit von 130 km/h im günstigsten Fall 0,2 bis 0,3 Prozent des gesamten Verkehrs-CO2 einsparen könnte, das Hightech-Image deutscher Premiumfahrzeuge langfristig auf dem Weltmarkt aber mindestens um geschätzte 50 Prozent schrumpfen ließe, wird völlig ignoriert.

Autoindustrie in Deutschland, eine der letzten wichtigen Säulen unserer Wirtschaftskraft. Jeder weiß das, aber kaum einer der Politiker scheint wirklich die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Da beklagen die Politiker den stagnierenden deutschen Automarkt, zur Eile bei der Einführung einer auf dem CO2-Ausstoß basierenden Kfz-Steuer fühlt sich keiner gedrängt.

Könnte diese Industrie nicht auf Exportmärkte ausweichen und dort mehr verkaufen als auf dem Inlandsmarkt, es wäre schlimm um die deutschen Autohersteller bestellt. Aber um auch hier ein paar Schwierigkeiten zu machen, denkt man ans Tempolimit. Es ist zum Haare raufen! Warum nur ist in Deutschland diese Sehnsucht nach hausgemachten Problemen so ausgeprägt? Warum drängt es die Deutschen immer wieder, sich selbst zu schaden?

Wir schaffen die Atomkraft ab, um dann auf Atomstrom aus Frankreich angewiesen zu sein, wo, wie in England, sogar neue Atomkraftwerke geplant werden. Eine Frau Ypsilanti möchte in Hessen nur noch Solar- und Windenergieanlagen bauen, was so illusorisch sein dürfte wie die Friede-Freude-Eierkuchen-Erwartung in einer Multikulti-Gesellschaft. Es ist gut, dass Wolfgang Clement sich nicht scheut, deutlich darauf hinzuweisen und die eigene Parteifreundin zu kritisieren.

Zurück zur Autoindustrie: Es tröstet, dass sie immer wieder allen künstlich aufgestellten Hindernissen zum Trotz erfolgreich bleibt. Immerhin kommt jedes zweite in Europa zugelassene Auto aus deutscher Produktion. Ganz sicher ist auch das ein Grund, warum Franzosen und Italiener darauf drängen, den deutschen Premiumherstellern einen Bonus bei der CO2-Obergrenze zu verweigern. Das industriepolitische Kalkül, Konkurrenz schwächen zu wollen, ist nur zu durchschaubar.

Die Autoindustrie ist aber eine der wichtigsten Säulen des Exportweltmeisters Deutschland. Sie zu schwächen, wie nicht nur EU-, sondern auch deutsche Politiker nicht müde werden, ist mehr als fahrlässig. Es ist unerträglich. Und dass die unrealistischen Zielvorgaben zur CO2-Reduktion vor allem in Deutschland von deutschen Politikern teilweise begeistert begrüßt, teilweise als viel zu lasch kritisiert werden, lässt viel Ahnungslosigkeit und ideologische Verblendung erkennen.

Der vom EU-Parlament vorgeschlagene Kompromiss, den deutschen Herstellern 125 g CO2/km zuzugestehen und dies erst im Jahr 2015 wirksam werden zu lassen, ist keine Lösung, mit der sich die Deutschen zufriedengeben können. Das Positive an diesem Vorschlag ist lediglich, dass die Kommission lernen musste, nicht mit allen Ideen einfach so durchzukommen.

Schwierig werden die Verhandlungen im ACEA, dem europäischen Autoherstellerverband allemal. Vielleicht sollten die deutschen Hersteller dort mal das Thema Reduzierung der Stickoxide ansprechen. Ein Problem, über das Franzosen und Italiener gar nicht gern reden. Weil sie der modernen Entwicklung im Motorenbau da deutlich hinterherhinken. Vielleicht könnte dieser Hinweis helfen, die Diskussion um CO2-Obergrenzen nicht so einseitig zulasten deutscher Hersteller führen zu müssen.

Quelle: ar, von Hans-U. Wiersch, entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes PS-Automobilreport, 27.01.2008

 

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