13.11.2008
Der BMW Sauber F1.08 im Saisonverlauf: Stetig im Wandel
München/Hinwil, 13. November 2008. In der Formel 1 gibt es eine Faustregel:
Stillstand ist Rückstand. Die Fahrzeuge verändern sich von Rennen zu Rennen. Die
Techniker entwickeln sie ständig weiter und passen sie auch der
Streckencharakteristik an - die extrem langen Geraden von Monza stellen völlig
andere Anforderungen als der winklige Parcours von Monaco. Willy Rampf, der als
Technischer Direktor des BMW Sauber F1 Teams für den F1.08 verantwortlich war,
beschreibt den stetigen Wandel des Fahrzeugs anhand ausgewählter technischer
Zeichnungen.


BMW Sauber F1.08, Car Launch, München, Januar 2008.
Willy Rampf: „Der Wegfall der Traktionskontrolle bedeutete, dass die Autos
grundsätzlich schwieriger zu fahren sein würden. Deshalb war es unser Ziel, ein
gutmütiges Auto mit präzisem Feedback an der Vorderachse und viel Grip an der
Hinterachse zu bauen, um den Piloten die Aufgabe zu erleichtern. In Bezug auf
die aerodynamische Effizienz wollten wir im Vergleich zum F1.07 einen deutlichen
Schritt machen. Das konnten wir u.a. durch eine besonders kompakte
Motorabdeckung erreichen. Wir entschieden uns für einen sehr dominanten
Frontflügel, der es mit seinem großen Potenzial ermöglichte, die gesamte
Bandbreite von unterschiedlichen Gewichtsverteilungen auszubalancieren.
Großzügig dimensioniert waren zudem die Kühlluftkamine, die zusammen mit den
lamellenartigen Austrittsöffnungen auch bei extremen Bedingungen eine gute
Kühlung ohne entscheidende Nachteile bei der Aerodynamik ermöglichten. Im
Gegensatz zu den Felgenabdeckungen waren die Tomcat-Flügel auf der Fahrzeugnase
und die vertikalen Seitenkastendeflektoren bei der Vorstellung noch nicht am
Auto.“


BMW Sauber F1.08, Melbourne, März 2008.
Willy Rampf: „In den umfangreichen Wintertests haben wir das Auto in vielen
Details optimiert und damit große Fortschritte erzielt. Nur ein Teil dieser
Modifikationen waren jedoch sichtbar. Der neu montierte Tomcat-Flügel
beeinflusste die Luftströmung ums Cockpit herum und verbesserte damit die
Aerodynamik im Heckbereich. Die vertikalen Seitenkastendeflektoren beruhigten
die Luftverwirbelungen hinter den Vorderrädern und führten die Luftströmung
möglichst harmonisch entlang den Seitenkästen. Davon profitierten der Unterboden
und dabei speziell der Diffusor. Eine kleine Modifikation am Turning Vane zielte
ebenfalls in die gleiche Richtung. Der so genannte Monocoque-Flügel leitete die
Luftströmung insbesondere des Frontflügel-Mittelteils wieder nach unten. In
Melbourne kamen die Felgenabdeckungen nicht zum Einsatz, weil sie die
Fahrzeugbalance in einer Art veränderten, die zu dieser Streckencharakteristik
nicht passte.“


BMW Sauber F1.08, Monaco, Mai 2008.
Willy Rampf: „Monaco verlangt maximalen Abtrieb. Das bedeutet, dass auch
Teile zum Einsatz gelangen, deren aerodynamische Effizienz nicht besonders gut
ist, die aber zusätzlichen Abtrieb produzieren. Es ist die Strecke mit der
niedrigsten Durchschnitts-geschwindigkeit, entsprechend genießt hier der Abtrieb
höchste Priorität. Wir verwendeten den Frontflügel mit maximalem
Abtriebspotenzial. Die modifizierten Endscheiben mit den oberen Deflektoren
beeinflussten zusammen mit dem Flap insbesondere die Umströmung der
Vorderreifen. Auf dem so genannten Batman vor den Hinterrädern gab es zusätzlich
einen kleinen T-Flügel für mehr Abtrieb. Es kam der Heckflügel mit der steilsten
Flügelstellung und maximalem Anpressdruck zum Einsatz. Dieser war nun zudem über
zentrale Stützen am Getriebe montiert. Wir verwendeten erstmals die
Felgenabdeckungen in einer modifizierten Version, die ebenfalls zusätzlichen
Abtrieb generierten.“


BMW Sauber F1.08, Montreal, Juni 2008.
Willy Rampf: „Zusammen mit Spa ist Montreal die einzige so genannte
Medium-Downforce-Strecke. Hier spielt die aerodynamische Effizienz eine ganz
besondere Rolle. Wir verwendeten einen Frontflügel mit kleineren, modifizierten
Flaps. Zudem musste der Tomcat-Flügel zugunsten eines geringeren
Luftwiderstandes weichen. Beim Heckflügel, der erneut auf zentralen Stützen
montiert war, handelte es sich um eine Neuentwicklung. Zudem haben wir die
Felgenabdeckungen den speziellen Anforderungen angepasst. Keine andere Strecke
beansprucht die Bremsen so stark wir Montreal, also richteten wir ein besonderes
Augenmerk auf die optimale Kühlung. Unser Doppelsieg war nicht nur die Belohnung
für das Rennteam an der Strecke, sondern auch für all jene Leute, die für die
Entwicklung des Autos in Hinwil und München verantwortlich sind.“


BMW Sauber F1.08, Monza, September 2008.
Willy Rampf: „Monza ist die einzige im Kalender verbliebene echte
Hochgeschwindigkeits-strecke, entsprechend verwenden wir ein so genanntes
Low-Downforce-Aero-Paket, das ausschließlich dort zum Einsatz gelangt. Der
Haupt-Fokus gilt der Reduzierung des Luftwiderstandes. Dafür nimmt man im
Vergleich zu Monaco einen rund dreißigprozentigen Verlust beim Abtrieb in Kauf.
Wir verwendeten hier einen komplett anderen Frontflügel mit nur zwei Elementen.
Während die Tomcat-Flügel fehlten, gab es dafür zwei Zusatzflügel auf dem
Monocoque, intern Manta-Rays genannt, die den Luftstrom optimal über die
Motorabdeckung leiteten und damit die Wirkung des Heckflügels verbesserten. Aus
Gründen des Luftwiderstands wurde auf die seitlichen Flügel auf der
Motorabdeckung verzichtet. Der Heckflügel unterschied sich sehr stark von allen
anderen Versionen, die im Laufe der Saison verwendet wurden. Er verfügte über
ein auffällig kleines Hauptelement und einen dafür umso größeren Flap mit
gezacktem Gurney. Auffällig waren darüber hinaus die Endscheiben mit einem
markanten Ausschnitt, der eine stabile Luftströmung bei Kurvenfahrten
sicherstellte.“
Quelle: BMW Presse-Mitteilung vom 13.11.2008
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