11.12.2006
CSU-Vorschlag zur Pkw-Maut: Milchmädchenrechnung
Der Automobilclub von Deutschland (AvD) lehnt die heute
von Bayerns Innenminister Günter Beckstein (CSU) und CSU-Generalsekretär Markus
Söder wieder in Gespräch gebrachte Maut für Personenwagen ab. Der Club wirft dem
Bayrischen Innenministerium heute in einem Pressestatement vor, eine
"Milchmädchenrechnung" aufzumachen, da die zu erwartenden Mehreinnahmen nicht
einmal die Verwaltungskosten decken würden.
Während sich der Bundesverkehrminister Tiefensee noch im Sommer im Namen der
großen Koalition gegen eine Pkw-Maut ausgesprochen hatten, teilte Beckstein jetzt
mit, sein Ministerium wolle ein Konzept vorlegen, nach dem eine Vignette für 100
Euro als Pkw-Maut eingeführt werden solle. Die Belastungen für die deutschen
Autofahrer sollten kostenneutral gestaltet werden, indem im gleichen Zuge die
Mineralölsteuer um acht Cent pro Liter gesenkt werden würde.
Der AvD weist darauf hin, dass allein durch diese Senkung der Mineralölsteuer
eine Kostenneutralität für den Autofahrer nicht gegeben wäre, zumal der Staat
keine Einflussmöglichkeit darauf habe, ob die Mineralölkonzerne die
Kraftstoffpreise in dem Maße verringern, wie die Mineralölsteuer gesenkt wird.
So liegt der Steuerunterschied zwischen Diesel und Benzin schon heute bei knapp
20 Cent, an den Tankstellen differieren die Beträge oft aber nur um zehn bis 15
Cent.
Diese Problematik außer Acht gelassen, würde das vorgeschlagene Modell zudem
eine Benachteiligung für Wenigfahrer bedeuten. Vielfahrer hätten einen
dementsprechend größeren Vorteil. Eine wirkliche Kostenneutralität wäre nur zu
erreichen, wenn der Start die Ausgaben der Autofahrer in dem Bereich kürzt, auf
den er alleine Einfluss hat: bei der Kraftfahrzeugsteuer.
Doch auch in diesem Falle wäre die Einführung einer Vignette an die Erfüllung
einiger Forderungen gebunden: Sollte sie jemals eingeführt werden, dann nur so,
dass die Kosten und den Verwaltungsaufwand gering gehalten werden und die
Einnahmen für den Verkehr zweckgebunden werden
Diese Bedingungen will der AvD von einer Vignette für Pkw erfüllt sehen:
- Die Vignette muss zu einem sozialverträglichen Preis von unter 100 Euro pro
Jahr angeboten werden.
- Die Ausgabe und Verwaltung muss über eine Betreibergesellschaft erfolgen, die
alle Einnahmen dem Straßenverkehr zur Verfügung stellt; eine Maut darf nicht in
die Steuerkassen fließen.
- Es muss eine Sonderregelung für sozial Schwache, Zweitwagen und Oldtimer
geben.
- Die zusätzliche Belastung der Autofahrer muss vollständig durch die Senkung
der Kraftfahrzeugsteuer kompensiert werden.
- Alle Einnahmen müssen absolut für den Straßenverkehr zweckgebunden werden.
Quelle: ar, 10.12.06
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