15.03.2006
Bilanzpressekonferenz: Rede von Stefan Krause
- Es gilt das gesprochene Wort -
Rede von Stefan Krause,
Mitglied des Vorstands der BMW AG, Finanzen
Bilanzpressekonferenz
München, 15. März 2006
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich möchte Ihnen nun den Jahresabschluss des Jahres 2005 erläutern und die
wesentlichen Einflussfaktoren auf das Ergebnis vorstellen. Darüber hinaus stelle
ich Ihnen die Steuerungsgrößen des Konzerns und der Geschäftsbereiche, d.h., der
Segmente vor.

Stefan Krause, Mitglied
des Vorstands der BMW AG, Finanzen, Bilanzpressekonferenz BMW Group 2006
Das Geschäftsjahr 2005 war, wie Ihnen Dr. Panke dargestellt hat, ein starkes
und erfolgreiches Jahr. Finanziell war das abgelaufene Jahr aber auch ein Jahr
großer Herausforderungen.
Wir haben hohe externe Belastungen aus ungünstigen Entwicklungen an den
Währungs- und Rohstoffmärkten zu verkraften gehabt. Unser Anspruch war, diese
Ergebnisbelastungen nicht einfach hinzunehmen, sondern diese weitestgehend zu
kompensieren.
Doch dazu später eine detaillierte Analyse.
Das Ergebnis des abgelaufenen Jahres ist ein eindrucksvoller Beweis für die
Leistungsfähigkeit des Unternehmens und die hohe Motivation unserer Mitarbeiter
in allen Unternehmensbereichen.
Das Ergebnis vor Steuern beläuft sich auf nahezu 3,3 Mrd. Euro. Mit einem
Rückgang von 8,3% gegenüber dem Vorjahr liegen wir besser als noch im Herbst
letzten Jahres erwartet, als wir von einem Rückgang von bis zu 10% ausgehen
mussten.
Operativ, d.h. wenn wir also den Bewertungseffekt aus der Rolls-Royce
Anleihe, auf den ich später noch eingehen werde, berücksichtigen, ergibt sich
ein noch positiveres Bild. Wir haben weitere unplanmäßig anfallende
Marktbewertungskosten von 356 Mio. Euro absorbieren müssen.
Der Jahresüberschuss liegt bei 2,2 Mrd. Euro. Damit haben wir das
Netto-Ergebnis des Vorjahres wieder erreicht. Auf eine Stammaktie bezogen ergibt
sich ein Ergebnis von 3,33 Euro je Stammaktie bzw. 3,35 Euro je Vorzugsaktie.
Der Free Cashflow im Industriegeschäft stieg von 2,0 Mrd. Euro im Vorjahr auf
über 3,7 Mrd. Euro in 2005. In dieser Zahl sehen Sie die hohe Finanzkraft der
BMW Group. Bevor wir die Ergebnisse näher anschauen, möchte ich Ihnen die
Auswirkungen eines neuen Bilanzierungswahlrechts darstellen.
Neues Wahlrecht nach IAS 19
Die BMW Group hat eine vom International Accounting Standards Board (IASB) im
Dezember 2004 neu eröffnete Möglichkeit zur Bilanzierung von
Pensionsverpflichtungen zur Erhöhung der Transparenz in der Berichterstattung
genutzt.
Durch die Überarbeitung von IAS 19 wird das Wahlrecht geschaffen,
versicherungs-mathematische Gewinne und Verluste aus leistungsorientierten
Pensionsverpflichtungen vollständig und unmittelbar im Eigenkapital auszuweisen.
Diese Möglichkeit wird neben der Korridor-Methode und der vollständigen
erfolgswirksamen Erfassung als dritte Option bezeichnet.

Stefan Krause, Mitglied des Vorstands der BMW
AG, Finanzen, Bilanzpressekonferenz BMW Group 2006
Bisher wurden versicherungsmathematische Gewinne und Verluste im
Konzernabschluss der BMW Group nach der Korridor-Methode berücksichtigt. Diese
wurden nur berücksichtigt, wenn der höhere Betrag aus Barwert des
Verpflichtungsumfangs und Zeitwert des Planvermögens zum Ende der Vorperiode um
mehr als 10% überschritten wird. Die Beträge, die den Korridor übersteigen,
wurden über die künftige durchschnittliche Restdienstzeit der vom
Versorgungsplan erfassten Mitarbeiter verteilt und anteilig im Ergebnis
verbucht.
Die BMW Group weist nun die vollständige Pensionsverpflichtung in der Bilanz
aus. Dadurch ergeben sich verschiedene Änderungen im Jahresabschluss der Jahre
2004 und 2005, die wir ausführlich im Geschäftsbericht erläutern.
Die Anpassung der Vergleichswerte des Vorjahres verändert das Ergebnis vor
Steuern des Geschäftsjahres 2004 leicht um plus 29 Mio. Euro auf 3.583 Mio. Euro
sowie den Jahresüberschuss um plus 20 Mio. Euro auf 2.242 Mio. Euro. Auch die
Vorjahreswerte der oben genannten Bilanzpositionen wurden angepasst.
Umsatz 2005 nach Segmenten
Nach diesen Vorbemerkungen kommen wir nun zu den Details des
Jahresabschlusses. Zunächst zum Umsatz.
Im Segment Automobile stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreswert um 7,8%
auf 45,9 Mrd. Euro.
Der Umsatz des Segments Motorräder übertraf mit 1,2 Mrd. Euro den Wert des
Jahres 2004 aufgrund des Absatzanstiegs deutlich um 18,9%.
Die im Umsatz des Segments Finanzdienstleistungen erfassten Leasingraten,
Zinserträge und der Umsatz aus dem Verkauf von Leasingfahrzeugen stiegen in 2005
um 14,4% auf 9,4 Mrd. Euro.
Der Konzernumsatz betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 46,7 Mrd. Euro. Dies
entspricht einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 5,2%.
Ertragslage 2005
Nun zur Ertragslage der BMW Group.
Die BMW Group hat trotz eines schwierigen Umfeldes ihre erfolgreiche
Geschäftsentwicklung fortgesetzt. Obwohl die Ergebnisentwicklung des Jahres 2005
stark von exogenen Belastungen geprägt war, konnte die BMW Group ihre operative
Stärke und Leistungsfähigkeit wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Wesentliche Ergebniseffekte 2005 Segment Automobile
Ich möchte mit Ihnen nun die wesentlichen Ergebniseffekte des abgelaufenen
Jahres im Detail besprechen. Diese Effekte stellen wir Ihnen im Segment
Automobile dar.
Hier sind vor allem drei negative Faktoren zu nennen.
Eine wesentliche Ergebnisbelastung ergab sich durch die gestiegenen
Sicherungskurse der in der Vergangenheit abgeschlossenen
Währungssicherungsgeschäfte. Besonders hervorzuheben ist die Veränderung der
Sicherungskurse im US-Dollar. Wir haben mit Ihnen im Laufe des letzten Jahres
immer wieder die Höhe des Einflusses der verschiedenen Währungen diskutiert. Die
Analystenschätzungen lagen für das Geschäftsjahr 2005 bei rund 600-800 Mio.
Euro. Im Jahresverlauf ist dann eine Währungsbelastung in Höhe von 677 Mio. Euro
gegenüber dem Vorjahr eingetreten.
Dazu kam ein Effekt in Höhe von rund 237 Mio. Euro aus der Verteuerung
verschiedener Rohstoffe und Edelmetalle, der ebenfalls eine erhebliche Belastung
dargestellt hat.
Die gesamten Abschreibungen des Segments sind gegenüber dem Vorjahr um 308
Mio. Euro gestiegen.
Das heißt, in 2005 hatten wir zusätzliche Belastungen von deutlich über einer
Mrd. Euro zu verkraften. Somit wäre das Konzern-Ergebnis deutlich
zurückgegangen, hätten wir dem nicht entgegengewirkt.
Unser Anspruch war es, diese Belastungen nicht einfach hinzunehmen.
Dies ist uns gelungen.
Mit 772 Mio. Euro war der positive Ergebniseffekt aus Volumen, Mix und Markt
am höchsten. Die Effizienzsteigerungsmaßnahmen haben mit 426 Mio. Euro ebenfalls
einen positiven Beitrag geleistet. Daneben wirkten sich sonstige Veränderungen
mit 164 Mio. Euro negativ aus. In diesem Betrag sind eine ganze Reihe von
Einzelpositionen enthalten.
Neben den hier erwähnten Belastungen im Segment Automobile wirkte sich zudem
die negative Marktwertentwicklung der Optionsverpflichtung aus der
Umtauschanleihe auf die von der BMW Group gehaltenen Anteile an der Rolls-Royce
plc in Höhe der Veränderung gegenüber dem Vorjahr von 308 Mio. Euro als
rechnerische Belastung auf das Konzernergebnis aus. Dieser Effekt war nicht
vorhersehbar, da seine Höhe von der Entwicklung des Börsenkurses der Aktien der
Rolls-Royce plc abhängig ist.
Das Unternehmen hat hart gearbeitet und diese externen Effekte nahezu
vollständig aufgefangen. Neben positiven Effekten aus dem gestiegenen
Absatzvolumen haben wir interne Effizienzverbesserungen umgesetzt, die einen
signifikanten Beitrag zum Ergebnis geliefert haben.
Wie Sie wissen, optimieren wir permanent unsere Prozesse und Strukturen. Im
vergangenen Jahr haben wir diese Anstrengungen intensiviert und größere
Potentiale genutzt.
Das Ergebnis des Segments Automobile liegt statt über einer Milliarde Euro
nicht einmal 200 Mio. Euro bzw. 5,9% unter dem hohen Wert des Vorjahres. Das ist
ein eindrucksvoller Beweis der operativen Stärke sowie der Ertragskraft der BMW
Group.
Ich werde Ihnen nun die verschiedenen Bestandteile des Ergebnisses und die
Eckdaten von Bilanz und Kapitalflussrechnung detaillierter darstellen.
Zunächst zu einigen Eckdaten für den Konzern.
Die Bruttomarge des Konzerns ging trotz der vorgenannten hohen Belastungen
aus Währungen und gestiegenen Rohstoffpreisen von 23,2% im Vorjahr auf 22,9 % im
abgelaufenen Jahr leicht zurück.
Die Vertriebskosten und allgemeinen Verwaltungskosten sind aufgrund der
Ausweitung des Geschäftsvolumens um 2,5% gestiegen. Der Anstieg fiel jedoch
geringer aus als das Umsatzwachstum. Daher ging die Relation zu den
Umsatzerlösen um 0,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreswert auf 10,2% zurück.
Forschungs- und Entwicklungskosten
Lassen Sie mich etwas näher auf die Forschungs- und Entwicklungskosten
eingehen. Die in der Gewinn- und Verlustrechnung erfassten Forschungs- und
Entwicklungskosten stiegen in 2005 aufgrund neuer Forschungs- und
Entwicklungsprojekte um 5,6% auf rund 2,5 Mrd. Euro. Der Anteil der Forschungs-
und Entwicklungskosten nach IFRS am Umsatz war gegenüber dem Vorjahr aber mit
5,3% unverändert.
Von den in 2005 insgesamt angefallenen Forschungs- und Entwicklungsleistungen
in Höhe von 3,1 Mrd. Euro sind Entwicklungskosten von 1,4 Mrd. Euro gemäß den
International Financial Reporting Standards (IFRS) aktiviert worden. Ferner sind
Abschreibungen in Höhe von 745 Mio. Euro angefallen.
Aufgrund der höheren Anzahl von Projekten, die in die Serienentwicklung
eingetreten sind, stieg die Aktivierungsquote für die Entwicklungskosten im
Geschäftsjahr 2005 von 39,8% im Vorjahr auf 44,8%.
Ergebnis vor Finanzergebnis
Die sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen gingen in 2005 um 23,0%
gegenüber dem Vorjahr auf 355 Mio. Euro zurück. Der Rückgang der sonstigen
betrieblichen Erträge erklärt sich durch geringere Erträge aus der Auflösung von
Wertminderungen durch im Jahresvergleich niedrigere Aufzinsungen sowie den
Rückgang der Übrigen betrieblichen Erträge.
Dagegen haben die Erträge aus der Auflösung von Rückstellung zugenommen. Hier
wurde eine Rückstellung aufgelöst, die im Zusammenhang mit der
Rover-Entflechtung stand. Dieser Ertrag wird in der Segment-Betrachtung in den
Überleitungen ausgewiesen.
Der Rückgang der Sonstigen betrieblichen Aufwendungen beträgt gegenüber dem
Vorjahr 5,8%. Er ist auf niedrigere Aufwendungen aus der Dotierung von
Rückstellungen sowie auf im Vorjahresvergleich geringere Aufwendungen in den
Übrigen betrieblichen Aufwendungen zurückzuführen.
Meine Damen und Herren,
das Ergebnis vor Finanzergebnis stieg leicht um 0,5% auf nahezu 3,8 Mrd.
Euro. Die EBIT-Marge, d.h. die Umsatzrendite auf Basis des Ergebnisses vor
Finanzergebnis, liegt mit 8,1% aufgrund des stärkeren Umsatzanstiegs nur leicht
unter dem Vorjahr.
Finanzergebnis und Ergebnis vor Steuern
Das Finanzergebnis ist gegenüber dem Vorjahr von –191 Mio. Euro auf –506 Mio.
Euro deutlich zurückgegangen.
Dies beruht im Wesentlichen auf dem negativen Ergebnis aus der
Marktwertbewertung der Optionsverpflichtung der Umtauschanleihe auf die von der
BMW Group gehaltenen Anteile am britischen Triebwerkshersteller Rolls-Royce plc.
Die Veränderung des Effekts gegenüber dem Vorjahr beträgt im abgelaufenen
Geschäftsjahr –308 Mio. Euro im Sonstigen Finanzergebnis; der Jahreseffekt
beträgt –356 Mio. Euro.
Das Ergebnis vor Steuern lag wie bereits angesprochen nur 8,3% unter dem
Vorjahreswert. Es ergibt sich eine Umsatzrendite vor Steuern im abgelaufenen
Jahr von 7,0 % gegenüber 8,1 % in 2004.
Jahresüberschuss
Der Jahresüberschuss des Konzerns erreichte in 2005 aufgrund der von 37,4%
auf 31,9% gesunkenen Steuerlastquote fast exakt das Vorjahresergebnis. Die
niedrigere Steuerquote in 2005 ist auf reduzierte Steuersätze in einigen Ländern
und Steuererstattungen für frühere Jahre zurückzuführen.
Außerdem wurden aufgrund einer verbesserten Werthaltigkeit aktive latente
Steuern auf „capital allowances“ in Großbritannien angesetzt. Dabei handelt es
sich um steuerlich bisher noch nicht genutzte Abschreibungen. Im Berichtsjahr
hat sich die Werthaltigkeit dieser aktiven latenten Steuern verbessert, so dass
die bisherigen Wertberichtigungen im Berichtsjahr teilweise aufgelöst werden
konnten.
Die Umsatzrendite auf Basis des Jahresüberschusses betrug im abgelaufenen
Geschäftsjahr 4,8% und ist damit im Wettbewerbsvergleich trotz der Belastungen
immer noch ein Spitzenwert.
Ergebnis je Aktie
Das Ergebnis je Aktie ist gegenüber dem Vorjahr unverändert und beträgt 3,33
Euro je Stammaktie und 3,35 Euro je Vorzugsaktie. Im letzten Geschäftsjahr ist
die Anzahl der Aktien, die für die Verteilung des Jahresüberschusses
herangezogen werden, aufgrund des Rückkaufs der Stammaktien gesunken. Am
Jahresende 2005 hatten wir rund 13,5 Mio. Stammaktien bzw. 2% des Grundkapitals
zurückgekauft. Der Rückkauf hatte nur einen geringen Effekt auf die Berechnung
des Ergebnisses je Aktie, da die Reduzierung der Aktien lediglich im vierten
Quartal wirkte.
Segmente 2005
Nach der Konzernbetrachtung kommen wir nun zu den Ergebnissen der einzelnen
Segmente.
Im Segment Automobile ging das Ergebnis vor Steuern lediglich um 5,9% auf
knapp unter 3 Mrd. Euro zurück. Belastend wirkten die exogenen Markteinflüsse
wie Währungsentwicklung und die gestiegenen Rohstoffpreise. Positiven Einfluss
hatten die dynamische Entwicklung im Automobilabsatz sowie die vorgenannten
Effizienzverbesserungen.
Die Umsatzrendite des Segments Automobile auf Basis des Ergebnisses vor
Steuern betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 6,5% gegenüber 7,4% im Vorjahr.
Das Ergebnis vor Steuern im Segment Motorräder stieg deutlich von 31 auf 60
Mio. Euro. Die neu eingeführten Modelle führten zu einer erfolgreichen
Geschäftsentwicklung und damit zu einem deutlich gestiegenen Ergebnis sowie
einer von 3,0% auf 4,9% gestiegenen Umsatzrendite.
Lassen Sie uns an dieser Stelle einen genaueren Blick auf das Segment
Finanzdienstleistungen werfen.
Das Geschäft mit Finanzdienstleistungen entwickelte sich wie in den letzten
Jahren wieder deutlich positiv. Die Ausweitung des Geschäftsvolumens in der
Kunden- und Händlerfinanzierung führte 2005 zu einem Ergebnisanstieg von 17,5%
auf 605 Mio. Euro. Seit dem Jahr 2000 konnte das Ergebnis vor Steuern von 350
auf über 600 Mio. Euro bzw. um durchschnittlich 9,5% pro Jahr gesteigert werden.
Gleichzeitig wurde die Bonitätssituation im Finanzdienstleistungsgeschäft
unter anderem durch die Weiterentwicklung der Steuerungsinstrumente weiter
verbessert. Die Quote der Forderungsausfälle sank um 4 Basispunkte gegenüber dem
Vorjahr auf 0,37%. Das Zinsänderungsrisiko, das wir mit dem Value-at-Risk
messen, reduzierte sich ausgehend von unserer ohnehin schon konservativen
Refinanzierungspolitik ebenfalls gegenüber dem Vorjahr.
Auch der dritte wesentliche Einflussfaktor im Risikomanagement, die Restwerte
der Fahrzeuge, entwickelte sich positiv. Damit hat das Segment
Finanzdienstleistungen nicht nur ein hohes Wachstum, sondern auch gleichzeitig
eine qualitative Verbesserung des Ergebnisses erreicht.
Kommen wir nun wieder zurück zum Ergebnis vor Steuern nach Segmenten.
In den Überleitungen auf das Konzernergebnis sind neben Gesellschaften, die
nicht den anderen Segmenten zugeordnet sind, auch die Konsolidierungen zwischen
den Segmenten enthalten.
Vor allem aufgrund des Effektes aus der Marktbewertung der
Optionsverpflichtung aus der Umtauschanleihe auf die von der BMW Group
gehaltenen Anteile an der Rolls-Royce plc stieg das negative Ergebnis in den
Überleitungen 2005 auf -354 Mio. Euro.
Cashflow und Investitionen
Ich möchte Ihnen als nächstes die Cashflow-Perspektive des Jahresabschlusses
aufzeigen.
Meine Damen und Herren,
nach den hohen Vorleistungen im Rahmen der Produkt- und Marktoffensive haben
wir in 2005 niedrigere Investitionen in unser Produktionsnetzwerk sowie für neue
Produkte getätigt. Der Cashflow stieg wie erwartet wiederum sehr deutlich an.
Doch zunächst noch mal ein genauerer Blick auf die Investitionen.
Nachdem wir die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle
Vermögensgegenstände bereits in 2004 zurück gefahren haben, haben wir diese 2005
im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls um 19,5% auf 2,6 Mrd. Euro reduziert.
Mit
dem Aufbau des neuen BMW Werks in Leipzig, der mit der Eröffnung im Mai 2005
abgeschlossen wurde, haben wir die für unser Absatzziel von 1,4 Mio. Einheiten
in 2008 benötigte Infrastruktur ge-schaffen. Deshalb konnten wir unsere
Sachanlageinvesti-tionen in 2005 zurückfahren.
Aufgrund der Ausweitung unserer Entwicklungsakti-vitäten stiegen die in der
Investitionssumme beinhaltet-en aktivierten Entwicklungs-kosten von 1,1 Mrd.
Euro im Vorjahr auf 1,4 Mrd. Euro im abgelaufenen Jahr. Der Anstieg der
Aktivierungsquote nach IAS 38 auf 44,8% ergibt sich aus dem im Berichtsjahr
höheren Umfang von Serienentwicklungsprojekten.
Die gesamten Investitionen in immaterielle Vermögensgegenstände und
Sachanlagen haben wir 2005 um 8,1% auf knapp unter 4 Mrd. Euro reduziert.
Die Investitionsquote, d.h. das Verhältnis Investitionen zum Umsatz, ging von
Ihrem Höhepunkt in 2003 mit 10,2% auf nunmehr 8,6% im abgelaufenen Jahr zurück.
Damit wurde das langjährige Durchschnittsniveau dieser Kennzahl wieder erreicht.
Die Entwicklung der Investitionen befindet sich auf dem Pfad, den wir Ihnen
bereits im letzten Jahr vorgestellt haben. Die BMW Group beabsichtigt, auf Basis
der aktuellen Produktplanung zwischen 2005 und 2009 rund 19 Mrd. Euro zu
investieren.
Wie Sie gesehen haben, wirkten sich die exogenen Belastungen dämpfend auf das
Ergebnis aus. Im Cashflow sehen wir hingegen die operative Stärke des
Unternehmens in voller Transparenz.
Dazu habe ich Ihnen hier den operativen Cashflow, d.h. den Mittelzufluss aus
der laufenden Geschäftstätigkeit und den Free Cashflow dargestellt. Der
Markterfolg zeigt sich in der Stärke des Mittelzuflusses im operativen Geschäft.
Ferner haben wir, wie gerade dargestellt, die Investitionsintensität aufgrund
des erfolgten Aufbaus unserer Produktions- und Vertriebsstrukturen reduzieren
können. Somit stieg der Free Cashflow im Industriegeschäft als Folge der
gestiegenen operativen Rückflüsse von 2,0 auf über 3,7 Mrd. Euro.
Aktienrückkauf
Meine Damen und Herren,
im September letzten Jahres hat der Vorstand der BMW AG in Ausübung der
Ermächtigung der Hauptversammlung vom 12.Mai 2005 entschieden, Stammaktien im
Umfang von 20.232.722 Stück, d.h. 3% des Grundkapitals zu erwerben.
Dieser
Rückkauf wurde am 15. Februar 2006 abgeschlossen. Insgesamt wurden 20,2 Mio.
Stammaktien im Gegenwert von knapp 759 Mio. Euro erworben. Der
Durchschnitts-kaufpreis pro Aktie betrug 37,51 Euro. Per Jahresende 2005 wurden
fast 13,5 Mio. Stammaktien mit einem Volumen von 506 Mio. Euro erworben.
Die Gesamtzahl von 20,2 Mio. Aktien wurde bereits einge-zogen und vom
Grundkapital abgesetzt.
Wir nehmen die Umsetzung des Aktienrückkaufprogramms in Höhe von 3 % zum
Anlass, der Hauptversammlung im Mai eine erneute Ermächtigung zum Aktienrückkauf
vorzuschlagen. Inwieweit wir die Ermächtigung für einen weiteren Aktienrückkauf
nutzen werden, wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.
Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung die Erhöhung der
Dividende für das Geschäftsjahr 2005 vor. Die Dividende für die Stammaktien soll
um 2 Cent auf 64 Cent bzw. 66 Cent pro Vorzugsaktie erhöht werden.
Ausblick 2006
Bevor ich Ihnen das Wertmanagement- und Steuerungskonzept der BMW Group
erkläre, möchte ich auf den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr eingehen.
Der Einfluss der exogenen Belastungsfaktoren wird im laufenden Jahr anhalten.
Haupteinflussfaktor sind die im Vorjahresvergleich nochmals ungünstigeren
Sicherungskurse, die sich vor allem in der ersten Jahreshälfte auswirken.
Da der skizzierte Währungseinfluss aus einer Veränderung unserer
Sicherungskurse kommt, die nach wie vor besser als die aktuellen Kassakurse des
US-Dollars sind, hat sich der Anstieg des US-Dollar von 1,35 auf 1,20 Euro nicht
maßgeblich ausgewirkt.
Daneben wird das Ergebnis wie im Vorjahr durch die anhaltend hohen
Rohstoffpreise sowie das Wettbewerbsumfeld beeinflusst. Die Höhe der
Zusatzbelastungen wird im laufenden Jahr aller Voraussicht nach nicht das Niveau
des Vorjahres erreichen.
Wir werden die kontinuierlichen Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und
Produktivitätsverbesserung aus dem Vorjahr fortführen. Ferner sehen wir trotz
eines im Vergleich zum Vorjahr moderateren Absatzwachstums im Automobilgeschäft
positive Ergebniseffekte durch Wachstum sowie Preis- und Mixeffekte.
Im ersten Quartal 2006 werden wir durch die bisher vorliegenden
Wandlungsanfragen im Zusammenhang mit der auf die von der BMW Group gehaltene
Beteiligung am britischen Triebwerkshersteller Rolls-Royce plc einen positiven
Einmaleffekt in Höhe von ca. 350 Mio. Euro im Ergebnis haben. Bisher haben wir
rund 80%, d.h. 128 Mio. Aktien von rund 159 Mio. Aktien gewandelt. Die
Beteiligung sinkt dadurch von 9,02 % auf rund 1,8 %.
Vor dem Hintergrund keiner zusätzlichen negativen Effekte aus der allgemeinen
wirtschaftlichen Entwicklung ist es unser Ziel, im Geschäftsjahr 2006 auf
Konzernebene ein Ergebnis vor Steuern von 4 Milliarden Euro nach rund 3,3
Milliarden Euro im Jahr 2005 zu erzielen. Darin sind dann natürlich die
positiven Effekte aus der Rolls-Royce Umtauschanleihe von bisher 350 Millionen
Euro enthalten. Damit soll 2006 nicht nur im Absatz, sondern auch operativ das
beste Jahr in der Unternehmensgeschichte werden.
Wertorientierung
Ich werde Ihnen nun wie eingangs angedeutet die Methoden und Prinzipien
erklären, mit denen wir das Unternehmen steuern.
Sie kennen von uns das Prinzip der Modellrendite für das Automobil- und
Motorradgeschäft, die in einen Barwert des einzelnen Produktes und des gesamten
aktuellen und zukünftigen Produktportfolios einmündet. Sie ist eine Kapitalwert-
und Renditerechnung.
Wir gehen bei Produktentscheidungen konsequent vor und messen alle neuen
Modelle an unserer hohen internen Renditeanforderung. Nur wenn die Projektteams
aufzeigen, dass dieser Zielwert im Laufe der Entwicklung und Vermarktung
erreicht werden kann, starten wir die Modellentwicklung.
Aggregiert über alle Projekte und diskontiert auf einen bestimmten Zeitpunkt
ergibt sich der Kapitalwert des Projektprogramms als oberste Zielgröße.
Abzüglich des Marktwerts des Fremdkapitals ergibt sich daraus der Wert des
jeweiligen Produktprogramms und der Projekte.
Durch diesen Steuerungsansatz lassen sich die Auswirkungen einer jeden
projektorientierten Entscheidung sowohl auf den Unternehmenswert – manifestiert
im Kapitalwert des Projektprogramms – als auch auf die Ergebnis- und
Renditeentwicklung analysieren.
Im Segment Finanzdienstleistungen werden analog vor allem die diskontierten
Cashflows betrachtet, die sich aus dem Finanzierungs- und Leasingportfolio
ergeben.
Seit einiger Zeit setzen wir zusätzlich im konzerninternen Steuerungssystem
der BMW Group weitere Kennzahlen mit dem Ziel der Wertsteigerung des
Unternehmens ein. Sie dienen vornehmlich der periodenbezogenen Steuerung und
Performance-Messung. Wir haben ganz unterschiedliche aber jeweils passende
Kennzahlen für die verschiedenen Segmente definiert.
Als Parameter für eine derartige operative Performancekontrolle nutzt die BMW
Group im Wesentlichen das Ergebnis vor Steuern nach IFRS sowie
segmentspezifische Renditegrößen. So wird für die Segmente Automobile und
Motorräder beispielsweise der Return on Capital Employed als oberste
Steuerungsgröße verwendet.
Für das Segment Finanzdienstleistungen und den Konzern kommt der Return on
Assets zum Einsatz.
Zielvorgabe für die Ergebnisgröße ist ein kontinuierliches Wachstum, für die
jeweiligen Renditegrößen ist der geschäftsfeldspezifische
Mindestverzinsungs-anspruch maßgebend. Diese Periodenziele ergänzen die Projekt-
bzw. Programmziele.
Der Return on Capital Employed wird von uns für die Steuerung der Segmente
Automobile und Motorräder eingesetzt. Ich möchte Ihnen hier die Kennzahlen der
Segmente aufzeigen.
Im Segment Automobile haben wir in den letzten Jahren hohe Vorleistungen und
Investitionen im Rahmen der Produkt- und Marktoffensive getätigt und unserer
Geschäftsvolumen deutlich ausgeweitet. Daher hat sich die für die Berechnung der
Kennzahl relevante Kapitalbasis deutlich erhöht.
Gleichzeitig konnte sich der Erfolg der Vorleistungen nicht vollständig im
Ergebnis zeigen, da die positive Ergebnisentwicklung von extrem hohen
Belastungen aus Währungen und Rohstoffpreisanstiegen überkompensiert wurde. Die
Kapitalrendite liegt mit rund 23 % deutlich über den Kapitalkosten und ist eine
der höchsten im Sektorvergleich.
Der Return on Capital Employed des Segments Motorräder verbesserte sich mit
einem Anstieg auf 17,8% im Geschäftsjahr 2005 deutlich. Er überstieg sogar das
Niveau des Jahres 2003.
Das Segment Finanzdienstleistungen steuern wir mit dem Return on Assets. Der
im Segment erzielte Return on Assets betrug im Geschäftsjahr 2005 1,3%. Damit
liegt die Kennzahl im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz der gestiegenen
Refinanzierungszinsen nur leicht unter dem Niveau der letzten Jahre.
Im Konzern steuern wir mit dem Return on Assets. Aufgrund des hohen
Einflusses des Segments Automobile gelten die für die Kapitalrendite des
Segments genannten Effekte auch für den Konzern. D.h. die im Rahmen der Produkt-
und Marktoffensive getätigten Vorleistungen haben die Kapitalbasis erhöht. Durch
die exogenen Belastungen konnte das Ergebnis nicht entsprechend mitwachsen, so
dass der Return on Assets zurückging.
Dieses seit Jahren eingesetzte Steuerungssystem hat einen weiteren Beitrag
zur schon bekannten Fokussierung der BMW Group auf profitables Wachstum
erbracht.
Meine Damen und Herren,
ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich nun zusammen mit
meinen Vorstandskollegen auf Ihre Fragen.
Quelle: BMW Presse-Information vom 15.03.2006
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