History: MINI im Motorsport.
Seit vier Jahrzehnten auf der Siegerstraße.
Sie hatten den Coup von langer Hand geplant. Parallel zur Entwicklung des MINI
als Straßenfahrzeug entstanden in der Rennabteilung von BMW erste Prototypen für
den Einsatz im Motorsport. Im Schatten des mit einem 3-Liter-Motor ausgerüsteten
Austin Healey entwickelte sich der revolutionäre Entwurf von Alec Issigonis in
großen Schritten zu einem ernst zu nehmenden Sportgerät. Das zur damaligen Zeit
übliche Wertungssystem, das auf einer Einteilung in Hubraumklassen beruhte,
begünstigte den anfangs mit 850-cm3-Motor ausgerüsteten MINI. Teammanager Marcus
Chambers persönlich saß beim Wettbewerbsdebüt, der norwegischen Viking Rallye im
September 1959, hinter dem Lenkrad. Bei der Rallye Genf 1960 gewann der MINI,
dieses Mal in den Händen der Brüder Don und Erle Morley, zum ersten Mal seine
Hubraumklasse. Zwei Jahre später war der MINI gesamtsiegfähig. Pat Moss,
Schwester des Formel-1-Piloten Stirling Moss, und Beifahrerin Ann Wisdom
gewannen die Tulpen-Rallye in den Niederlanden.

Noch einmal zwei Jahre später fuhr sich das MINI Werksteam endgültig in die
Geschichtsbücher des Motorsports. Sechs MINI traten im offiziellen Auftrag zur
Rallye Monte Carlo 1964 an, der schon damals berühmtesten Rallye der Welt. Vier
MINI Cooper mit rund 70 PS aus 997 cm3 in der so genannten Gruppe-3-Version
(seriennah) und zwei MINI Cooper S mit etwa 90 PS aus 1.071 cm3 im
Gruppe-2-Trimm (verbessert) stellten sich über 290 Konkur-renten. Diese
pilotierten Fahrzeuge mit teilweise mehr als der doppelten Motorleistung wie den
4,7-l-Boliden Ford Falcon, den Mercedes-Benz 300 SE, den „Buckelvolvo“ vom Typ
544 oder die Alpine-Renault.
Im Kampf David gegen Goliath spielte der MINI seine Vorteile aus. Dank der
kompakten Außenmaße überzeugte er breitspurig und mit langem Radstand auch bei
einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h mit einer optimalen Straßen- und vor
allem Kurvenlage. Der Ire Paddy Hopkirk im MINI Cooper S lieferte sich ein
spannendes Duell mit dem Schweden Bo Ljungfeldt im Ford. Die letzte Etappe, die
berüchtigte „Nacht der langen Messer“, wurde zum Reifenpoker. Die entscheidende
und anspruchvollste Prüfung war die Fahrt zum 1.607 m hohen Col de Turini.
Einige Teilnehmer setzten auf Spikes, andere auf spezielle Mischungen. Reifen
mit asymmetrischem Profil sollten für optimale Traktion sorgen. Eisspione fuhren
kurz vor dem Start über die verschneiten Serpentinen, um die Fahrer vor
möglichen Gefahren zu warnen.
Jetzt schlug die Stunde des MINI Cooper S. Der kleine Motor, die Wendigkeit und
der Frontantrieb führten Hopkirk und Beifahrer Henry Liddon wie auf Schienen ans
Ziel und an die Spitze der Gesamtwertung. Während der letzten Etappe, einem
Rundstreckenrennen auf dem Grand-Prix-Stadtkurs von Monaco, gönnte Hopkirk dem
MINI Cooper S keine Verschnaufpause. Mit 30,5 Punkten Vorsprung vor Ljungfeldt
schaffte der Ire die Sensation und landete den ersten Sieg bei der Rallye Monte
Carlo für das MINI Werksteam. Die Startnummer 37 und das Kennzeichen 33 EJB des
erfolgreichen MINI gehören seitdem zum Basiswissen jedes Fans der Marke.
Mit einem Paukenschlag war aus einem ursprünglich als preiswertes und sparsames
Fortbewegungsmittel konzipierten Kleinwagen eine Legende im Motorsport geworden.
Der heißblütige MINI wurde zum Sportwagen des kleinen Mannes. Im Sommer 1964
erschien eine neue Modellvariante mit nun auf 1.275 cm3 vergrößertem Hubraum.
Die Werkssportabteilung zauberte bald knapp 100 PS aus dem agilen Vierzylinder.
Vom ersten Einsatz an erwies sich der neue MINI Cooper S als Sieger.
1965 galt die Rallye Monte Carlo aufgrund des äußerst schlechten Wetters als
eine der schwierigsten ihrer Zeit. Dichtes Schneetreiben in den Bergen
reduzierte die Sicht für die anfangs über 200 Teams nahezu auf null. In einer
mörderischen Nachtfahrt von Saint-Claude nach Monte Carlo über 610 km durch
einen Schneesturm wurde das Starterfeld stark dezimiert. Nur 35 Teams erreichten
das Fürstentum am Mittelmeer. Unter ihnen der Finne Timo Mäkinen mit einem MINI
Cooper S. Er markierte in fünf von sechs Sonderprüfungen die Bestzeit. Zum
zweiten Mal wurde ein MINI Sieger der Rallye Monte Carlo. Der Finne Rauno
Aaltonen rundete die Saison 1965 für das MINI Werksteam mit dem Gewinn der
Rallye-Europameisterschaft ab.
Das folgende Jahr sollte die Krönung bringen. Nicht nur der dritte Sieg in Folge
bei der Rallye Monte Carlo sollte her. Ziel war es sogar, die ersten drei
Podestplätze zu erobern. Die Fahrer Mäkinen, Aaltonen und Hopkirk schafften das
Unglaubliche. Sie fuhren nach den reinen Fahrtzeiten gerechnet als Erster,
Zweiter und Dritter ins Ziel. Doch dann folgte der Schock. Wegen vier
Zusatzscheinwerfern, die nicht exakt den französischen Zulassungsbestimmungen
entsprachen, kam es zur äußerst umstrittenen Disqualifikation der „drei
Musketiere“.
Mit einer gehörigen Wut im Bauch kehrten Piloten und MINI Cooper S im Jahr 1967
zur Rallye Monte Carlo zurück. Der „fliegende Finne“ Rauno Aaltonen mit der
Startnummer 177 zeigte es allen und siegte am Ende mit zwölf Sekunden Vorsprung
vor Lancia-Werksfahrer Ove Andersson. Die Schmach des Vorjahres war vergessen,
MINI siegte zum dritten Mal bei der Rallye Monte Carlo.
Auf der Rundstrecke waren die MINI Piloten ähnlich erfolgreich wie ihre
Markenkollegen auf der Rallyepiste. In ganz Europa fuhren Privatfahrer in den
Rennern aus Abingdon von Klassensieg zu Klassensieg. Das Werksteam engagierte
sich hauptsächlich in der Britischen Tourenwagen-Meisterschaft. Die Mannschaften
von John Cooper, Broadspeed und der Equipe Arden beherrschten die Klasse bis
1.300 cm3. Fahrer wie John Love und Alec Poole sammelten dabei so viele Punkte,
dass sie sogar die Meisterschaft einfuhren.
Trotz guter Ergebnisse zeichnete sich Ende der sechziger Jahre ab, dass der MINI
Cooper S seinen Zenit als Rallyeauto überschritten hatte. Geänderte Regeln
bevorteilten klar die hubraumstärkeren Fahrzeuge. Wieder „nur“ um Klassensiege
zu fahren, kam für die ehrgeizige Mannschaft nicht in Frage. Der letzte
offizielle Werkseinsatz führte Brian Culcheth 1970 zur „Rally of the Hills“ nach
Australien.
Eine Ära endete, aber die Legende blieb. Die 60er Jahre waren das Jahrzehnt des
MINI – kein Auto bot mehr Sportlichkeit für weniger Geld, verblüffte mit mehr
Fahrspaß bei so geringen Außenmaßen.
Quelle: BMW Presse-Information vom 14.04.2008 |