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Alt 04.07.2006, 11:40   #34
GraueEminenz
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Fahrzeug: E38-740iA (03.98) - seit 10/2007 Prins VSI (LPG): vorher ICOM JTG
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Hallo peterpaul,

das mit der Gasdosierung und den Düsen, das ist prinzipiell vollkommen richtig.
Und dennoch ist eine korrekte Anpassung, gerade bei der ICOM, sehr wichtig.

Die Regelung "lernt" über die Lambdasonde, wie sie die Einspritzdauer anzupassen hat.
Wenn jetzt z.B. Benzin als 100% gesetzt wird, und bei Gas 120% durchgehen, dann reduziert im Gasbetrieb die Regelung die Einspritzdauer entsprechend auf etwas über 80% der vorherigen Benzin-Dauer.

Wenn jetzt mit Benzin gestartet wird, dann "weiß" die Regelung davon ja nichts, daß sie jetzt wieder zulegen muß, damit es "paßt", und dosiert auch nur knapp über 80% der richtigen Menge.
Dann ist das Gemisch somit zu mager, der Motor springt nicht an oder läuft unrund.
Wenn jetzt nicht auf Gas geschaltet wird nach den 55 Sekunden, dann lernt mit der Zeit (über mehrere Minuten) die Regelung anhand der Lambdasonde wieder die korrekten Werte.

Ich habe mir erklären lassen, daß die "alten" Regelungen so etwa 15% ausregeln können, die "neuen" bis zu 25%, wobei meist ab 15% Nachregelung die Motorwarnung geschaltet wird (es könnte ja auch die Lambdasonde "krank" sein).

Bei den Gas-Systemen, die eine eigene Elektronik zur Anpassung verwenden, da werden die Unterschiede der Systeme in diese Elektronik einprogrammiert.

(Meine alte LandiRenzo im Sternträger wertet sogar das Lambda-Signal selbst aus und paßt die Gaseindüsung (Venturi) daran an, ohne die Motorelektronik zur Kenntnis zu nehmen. Die Anlage muß nur bei warmem Motor ein paar Kilometer gefahren worden sein, dann weiß sie, was Sache ist.)

Wenn also die Düsen bei der ICOM nicht optimal an die Benzindüsen angepaßt sind, dann kann schon mal der Regelbereich der Elektronik überreizt sein.

Interessant wird es vor allem dann, wenn statt 60/40 im Winterbetrieb 95/5 LPG im Tank ist.
Das 95/5 führt dann zwangsläufig zu einer fetteren Dosierung im Benzinbetrieb. Das sollte aber im Winter nur eine Wirkung haben, die man aus der Vergaserära als "Choke" bewußt herbeiführte, damit der Motor überhaupt angesprungen ist.

Was die Startprobleme angeht:
Wenn der Wagen nur mit Benzin bewegt wird, dann kennt der keine Startorgler. Dann wird der Schlüssel angetippt und er läuft rund.

Wenn ich mit LPG gefahren bin, dann gibt es anfangs auch keine Probleme, so etwa 4 Stunden lang. Danach kommen dann die verlängerten Anlaßdauern.
Selbst dann, wenn ich nach Abstellen des Motors noch mal anlasse und für ca. 30 Sekunden den Motor auf Benzin laufen lasse habe ich am nächsten Morgen das Problem.

Ein Tip, den ich schon bekam, der wies auf die Batteriespannung beim Start und eventuelle Probleme der speziellen Halbleiterrelais in der ICOM-Box hin. Wenn hier nämlich die Spannung zu gering wird, dann schalten die Relais eventuell die Benzindüsen nicht durch, und der Motor bekommt keinen Sprit.
Habe ich mal ausprobiert, indem ich das Licht ein paar Minuten eingeschaltet habe, bis die CheckControl nur noch 11,9 V anzeigte.
Dann Anlasser - mit dem bekannten sofortigen Start.
Ein paar Minuten vorher, bei 12,1 V, da hatte er Anlaßorgler, trotz zweitem neuen Akku, frisch geladen, den ich als "Starthilfe" mit angeklemmt hatte. (Ich werde das bei Gelegenheit auch mal mit einem anderen Wagen, mit laufendem Motor und Starthilfe) testen, da dann die Spannung noch weniger einbrachen sollte.)

Ich tippe hier stark auf eine zu große Gas-Düse mit entsprechender Abmagerung des Gemisches im Benzin-Betrieb (s.o.).
Allem Anschein nach regelt die Motorelektronik während dem Startvorgang die Benzin-Dosis hoch, wenn der Motor nicht gleich anspringt. Macht ja auch Sinn, da hierdurch etwaige Kondensation von Benzin an Ansaugtrakt und Zylinder kompensiert wird - was anderes sollte der Choke ja auch nicht machen: Fettes Gemisch, damit noch was zur Zündung übrig bleibt bei minus 25 °C.
Aber da wissen natürlich nur die Spezialisten, die die Elektronik und deren Kennfeld programmiert haben, ob ich mit der Annahme richtig liege.

Daß er "warm" problemlos anspringt, das liegt einfach auch an der relativ breiten Zündspanne für Benzin, das meines Wissens zwischen Lambda 0,8 - 1,3 relativ wenig Probleme macht, wenn der Zündfunke stark genug ist.

Aber ich lerne da gerne noch dazu.

Ich will mal einen Test machen (im Motor-Leerlauf):
Warmer Motor, "D". Dann CheckControl auf Liter/h eingestellt.
Erst mal ein paar Minuten mit LPG und den mittleren Wert der Anzeige ablesen.
Dann umschalten auf Benzin, und wieder ein paar Minuten warten.
Wenn sich die Anzeige ändert, dann gibt das einen Hinweis, ob Gas zu groß oder zu klein ist (steigende Verbrauchsangabe: Gas zu groß; und umgekehrt).

Das läßt sich dann noch mit der Klima verschärft testen (aber mit Lufttemperatur 16%, damit der Kompressor auch was schaffen muß...).

Viele Grüße
GraueEminenz


Nachtrag:
Der Test zum Verbrauch bei Leerlauf, Stufe "D", zugeschaltete Klima, 16°, volle Lüftung:
Nach vorher ca. 30 Minuten Rundreise in Sachen Einkauf und anschließendem Versuchsbetrieb auf meinem Parkplatz ergab sich das Folgende:

1) LPG-Betrieb; Verbrauch lt. BC 2,7 - 3,0 l/h, stabil über 3 Minuten

2) Umschaltung auf Benzin.
Zunächst 2,7 - 3,0; nach 1 Minute deutliche Tendenz nach oben, 2,8 - 3,2.
Nach fünf Minuten weitgehend stabil bei 3,0 - 3,4 l/h.
Somit Anstieg von ca. 10%.

3) Umschaltung auf LPG.
"Rumpeliger" Motorlauf, als LPG einsetzt. Verbrauch 3,6 - 3,8 l/h lt. BC.
Unruhiger Motorlauf bleibt erhalten während der nächsten 10 Minuten (bis Testende).
Nach ca. 5 Minuten wird als niedrigster Wert erstmals wieder ganz kurz 3,0 angezeigt.
Insgesamt sehr unruhige Verbrauchsanzeige zwischen 3,0 und 3,7 l/h, dabei sehr selten unter 3,2. Tendenz nach unten erkennbar, aber innerhalb 10 Minuten keine wirklich stabilen Werte erzielbar. Motor läuft nicht so sauber, wie gewöhnlich.

4) Klimakompressor ausgeschaltet.
Verbrauch geht auf 2,0 - 2,2 l/h herunter, stabil, runder Motorlauf.

5) Klimakompressor wieder angeschaltet.
Verbrauch tanzt wieder zwischen 3,0 und 3,7, Motor läuft wie unter 3).


Mein Fazit:
Die Regelung ist durch den hauptsächlichen LPG-Betrieb gut an LPG angepaßt gewesen, wobei die Gas-Düsen wohl ca. 10% zu groß sind.
Bei Umschaltung auf Benzin hat die Lambda-Regelung ganz langsam die Abgaszusammensetzung wieder "optimiert", indem mehr Benzin eingespritzt wurde.
Dadurch dann auch bei der Rückschaltung von Benzin auf Gas die "Holperei", da Gas prinzipiell etwas zündunwilliger ist, vor allem im überfetten Zustand, und jetzt die Anpassung an den Gasbetrieb nicht mehr so gut ist. Im Leerlaufbetrieb, so meine früheren Erfahrungen, "lernt" die Motorelektronik auch nicht ganz so gut wie unter Last.

Möglicherweise läßt sich auch der morgendliche Anlaßorgler auf das zu magere Gemisch im Benzinbetrieb zurückführen.

Ich werde also nochmal Düsen tauschen müssen.

Grüße
GraueEminenz


05.07.06
Ich habe jetzt auch Info zur Gaszusammensetzung:
Beim Nachtanken kam immer 95/5-Gemisch in den Tank.
(Deshalb auch stetig ansteigende Verbrauchswerte, denn die Erstbefüllung und beim Austausch der Kalibrierdüsen kam immer wieder 60/40 in den Tank, das dann wieder mehr Brennwert hatte mit der Folge dann geringeren Verbrauches.
Jetzt sollte sich das aber stabilisiert haben.)

Ich suche mir jetzt für den Sommer eine Tanke in der Umgebung, die 60/40 zu vernünftigem Preis anbietet (sollte etwa 1 - 1,5 Liter einsparen).

Viele Grüße
GraueEminenz

Geändert von GraueEminenz (05.07.2006 um 18:29 Uhr).
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