Luxus-Limousine
Lexus macht Schluss mit unauffällig
Die Hochleistungslimousine IS-F soll für Lexus nach den Sternen greifen. Mit über 400 PS und einem beeindruckendem Fahrverhalten will Toyotas Nobelmarke auf dem deutschen Markt Mercedes und BMW angreifen. Und Lexus kommt gefährlich nah heran.
Mit dem Lexus IS-F ist das Querfahren dank mehr als 400 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment kein Problem - sofern man ein Auto mit abgeschaltetem ESP-System denn beherrscht.
Viele Autofahrer haben den Wunsch nach Exklusivität, für 18 Deutsche ist er in Form eines Lexus in Erfüllung gegangen: Mit dieser Zahl beziffert der Hersteller den aktuellen Stand der Auslieferungen seiner Hochleistungslimousine IS-F. Selbst Lamborghini werden laut Kraftfahrt-Bundesamt hierzulande häufiger zugelassen – im April waren es genau 19 Stück. Das ficht den japanischen Toyota-Konzern aber nicht an: Mit dem IS-F kann Toyotas Nobelmarke Lexus endlich ein Pendant zu den kraftvollen Mittelklasselimousinen von Mercedes und BMW bieten. Dort gibt es einen C 63 AMG und einen M3, beides Autos von bescheidenen Abmessungen und umso wuchtigerer Kraft. Marktstrategisch sieht Lexus in Stuttgart und München seine Hauptwettbewerber, und so verwundert es nicht, dass der IS-F mit fünf Liter Hubraum und einer Leistung von 423 PS daherkommt. Das ist ein bisschen mehr, als der M3 aufbietet, und ein bisschen weniger als im Mercedes, also durchaus konkurrenzfähig. Was noch fehlt, ist ein durchschlagender Markterfolg. Nicht einmal 4700 Autos hat Lexus im vergangenen Jahr in Deutschland abgesetzt. Das ist nur wenig mehr, als zum Beispiel BMW allein an Fahrzeugen der 7er-Reihe neu zulassen konnte. Es gibt also noch viel Luft nach oben.
Lexus will Maßstäbe setzten
Lexus hält sich zugute, in Sachen Design, Fahrkultur, Dynamik und Sicherheit Maßstäbe zu setzen. Als einziger Hersteller bietet die Marke in Deutschland drei Modellreihen mit Hybridantrieb an – und die Kunden honorieren das. Inzwischen wird jeder zweite Lexus zwischen Flensburg und Garmisch mit der Kombination aus Benzin- und Elektromotor verkauft. Aus Umweltgründen sehen viele Kunden diese Antriebsart als zukunftsweisend an. Gemessen daran könnte der IS-F leicht für ein Auto von gestern gehalten werden: dicker V8-Motor, Leistung im Überfluss und eine Höchstgeschwindigkeit, die es mit der eines ICE aufnehmen kann – 270 km/h. Aber es lohnt sich, auch die unzeitgemäß erscheinenden Daten differenziert zu betrachten. Mit 11,4 Liter Verbrauch nach EU-Norm und 270 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer unterbietet der Lexus immerhin die Werte eines BMW M3.
Bei der Konzeption des neuen Mittelklasseboliden hat sich Lexus der Mithilfe namhafter Spezialisten versichert. Den Basismotor, der bereits im Hybridmodell LS 600h Verwendung findet, gab man zur Kraftkur in die Obhut von Yamaha-Ingenieuren. Schon einmal hat das eher als Produzent von Motorrädern oder Musikinstrumenten bekannte Unternehmen an einem Toyota-Produkt Erstaunliches vollbracht. Beim Sportcoupé 2000 GT hatten 1965 ebenfalls Yamaha-Spezialisten das Feintuning erledigt. Um die schiere Kraftentfaltung des IS-F wieder einzufangen, hat Lexus die Bremsen bei Brembo eingekauft.
So sehr die einzelnen Komponenten für eine Hightech-Fahrmaschine sprechen, so spektakulär wurde der bisherige IS aufgehübscht. 19 Zoll große BBS-Felgen füllen muskulöse Radhäuser, und wer genauer hinschaut, kann auch an der Bugschürze und am Auspuff Unterschiede zur zivilen IS-Version erkennen. Dieser Lexus ist kein Auto mehr, das unauffällig im Verkehrsstrom mitschwimmen will.
Die fette Optik wird von einer kernigen Akustik getragen. Wenn der Fahrer beherzt Gas gibt, röhrt der Achtzylinder auf, das achtstufige Direktschaltgetriebe rastet eine oder zwei Stufen zurück, und mehr als 500 Newtonmeter Zugkraft drücken die Insassen in die Sitze. Die sind anschmiegsam gepolstert und seitenstabil, wenngleich sie nicht die zahlreichen Verstellmöglichkeiten anderer Sportsitze bieten.
Wer den IS-F noch etwas giftiger haben möchte, muss den Sportmodus wählen. Dann ändern sich Fahrwerkabstimmung, Ansprechverhalten und Lenkunterstützung. Was sich dabei allerdings nicht ändern lässt, ist das Toptempo. Eine Öffnung der elektronischen Abriegelung bietet Lexus nicht an.
Der Grundpreis von 69.900 Euro, den Lexus für den Viertürer verlangt, ist durchaus selbstbewusst zu nennen, denn er liegt ein paar Tausender über dem, was Mercedes oder BMW für ihre vergleichbaren Produkte fordern. Wer aber die Aufpreispolitik der deutschen Hersteller kennt, darf beruhigt feststellen, dass Lexus eine Vielzahl von Annehmlichkeiten serienmäßig bietet, die bei der Konkurrenz teuer zugekauft werden müssen.
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Lexus IS-F Mercedes BMW Limousine Toyota Dass die Zahl der IS-F-Besitzer in Deutschland allzu schnell steigt und die Exklusivität schwindet, ist indes nicht zu erwarten. Laut offizieller Lexus-Mitteilung ist die Produktionskapazität des IS-F auf 5000 Stück pro Jahr begrenzt. 150 davon in Deutschland abzusetzen sei durchaus im Bereich des Möglichen, heißt es bei Lexus – „wenn wir sie denn aus Japan bekommen“.
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